Damit Erinnerung nicht endet,
sondern neu beginnt.

Damit Erinnerung nicht endet, sondern neu beginnt.

Ein digitales Archiv zu den Opfern des Nationalsozialismus der Heidelberger Anatomie.

Georg Mollier in einer Unterrichtssituation im Hörsaal
Prosektor Georg Mollier in einer Unterrichtssituation im Hörsaal. Quelle: UB HD, Molliergraph_slg_a_780
Eingang zum Friedhof
Eingang zum Ehrengrab auf dem Heidelberger Bergfriedhof, Görresstraße. Quelle: privat

Ziel des Projekts

Dieses interdisziplinäre Projekt wird von einem Team des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Medizinischen Fakultät, Universität Heidelberg mit Unterstützung einer Arbeitsgruppe aus dem Historischen Seminar der Universität Heidelberg konzipiert und durchgeführt.
Die hieraus hervorgegangene Internetpräsenz basiert auf dem sogenannten Leichenjournal der Anatomie Heidelberg. In diesem werden seit 1816 die Einlieferungen von Verstorbenen verzeichnet, welche nach ihrem Tod dem Institut zu Lehr- und Forschungszwecken dienten.
Die Lebenswege der Menschen, die unfreiwillig während der NS-Zeit den Medizinern zur Verfügung gestellt wurden, sollen hier – so weit möglich – nachgezeichnet werden. Diese Biografien können einerseits nach Eingangsdatum, andererseits auch alphabetisch recherchiert werden.
Darüber hinaus finden sich aber auch Hintergrundinformationen über die Phasen der Aufarbeitung dieses Teils der Institutsgeschichte oder den rechtlichen Hintergrund, der die Zuweisung Verstorbener an die Universitäten überhaupt erst ermöglichte.

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Datenbankeinträge

Leichenjournal Vorderseite
Der Einband des Leicheneingangsbuches. Quelle: UAHD, KE205

Das digitale Leichenjournal.

Durchsuchen Sie die Inhalte des Leichenjournals.

Die Geschichte der Leichenablieferungen und die Erinnerung daran.

Das Anatomische Institut Heidelberg wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründet, jedoch gab es bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert anatomische Leichenöffnungen. Die rechtliche Grundlage zur Ablieferung von Verstorbenen bildete die durch Kurfürst Ottheinrich (1502-1559) reformierte Studien- und Ausbildungsverordnung. Im ausgehenden 16. Jahrhundert sollten Studenten die Grundlagen der Funktionen des menschlichen Körpers erlernen, aber auch PatientInnen am Krankenlager untersuchen und sogar chirurgische Kenntnisse erwerben. Anatomische Untersuchungen wurden nun gestattet. Hierzu sollten menschliche Leichen, insbesondere die sterblichen Reste Hingerichteter oder durch Angehörige gespendete Leichname, seziert werden. 

Die Einlieferung von Leichen

Das historische Rechtsverständnis der Mediziner ebnete den Weg für das spätere Selbstverständnis der Anatomen, ohne Skrupel die Körper von Verstorbenen, die aus politischen Gründen hingerichtet wurden, zu proklamieren.

Historische Orte

Hier finden Sie eine interaktive Karte, dieser Sie entnehmen können, aus welchen Pflegeanstalten Verstorbene zur Anatomie Heidelberg verbracht wurden. Sie sind als schwarze Kreise dargestellt. Aber auch die Hinrichtungsstätten, rot markierte Kreise, können der Karte entnommen werden. Für das „Arbeitshaus Kislau“ wurde braun gewählt.

Die Täter und Mitläufer

Die Anatomen, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Heidelberg wirkten, können sicherlich mehrheitlich als politisch bezeichnet werden. Sie hatten jedenfalls überwiegend keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen die nationalsozialistische Ideologie, soweit sie medizinische Implikationen besaß.

Aufarbeitungsphasen

Die Aufarbeitung der Vergangenheit verlief in der Heidelberger Anatomie phasenweise. Direkt nach dem Krieg kümmerte sich der damalige Institutsleiter Hermann Hoepke (1889-1993) als erstes um die Bestattung einiger Menschen, die während der Kriegszeit in die Anatomie gebracht worden waren.

Todesstrafen im Nationalsozialismus

Seit jeher kam es vor, dass die Leichen hingerichteter Personen zu Lehr- und Forschungszwecken in die Anatomien gelangten. Manchen Anatomen waren sie begehrte Objekte: weil die Hingerichteten häufig jünger waren als die in Heil- und Pflegeanstalten Gestorbenen, die lange Zeit das Gros der Leicheneingänge ausmachten, und weil ihre Todeszeitpunkte vorher feststanden und die Leichen sehr rasch nach Todeseintritt in die Anatomien gelangten.

Die Geschichte der Leichenablieferungen und die Erinnerung daran.

Das Anatomische Institut Heidelberg wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründet, jedoch gab es bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert anatomische Leichenöffnungen. Die rechtliche Grundlage zur Ablieferung von Verstorbenen bildete die durch Kurfürst Ottheinrich (1502-1559) reformierte Studien- und Ausbildungsverordnung. Im ausgehenden 16. Jahrhundert sollten Studenten die Grundlagen der Funktionen des menschlichen Körpers erlernen, aber auch PatientInnen am Krankenlager untersuchen und sogar chirurgische Kenntnisse erwerben. Anatomische Untersuchungen wurden nun gestattet. Hierzu sollten menschliche Leichen, insbesondere die sterblichen Reste Hingerichteter oder durch Angehörige gespendete Leichname, seziert werden. 

Die Einlieferung von Leichen

Das historische Rechtsverständnis der Mediziner ebnete den Weg für das spätere Selbstverständnis der Anatomen, ohne Skrupel die Körper von Verstorbenen, die aus politischen Gründen hingerichtet wurden, zu proklamieren.

Historische Orte

Hier finden Sie eine interaktive Karte, dieser Sie entnehmen können, aus welchen Pflegeanstalten Verstorbene zur Anatomie Heidelberg verbracht wurden. Sie sind als schwarze Kreise dargestellt. Aber auch die Hinrichtungsstätten, rot markierte Kreise, können der Karte entnommen werden. Für das „Arbeitshaus Kislau“ wurde braun gewählt.

Die Täter und Mitläufer

Die Anatomen, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Heidelberg wirkten, können sicherlich mehrheitlich als politisch bezeichnet werden. Sie hatten jedenfalls überwiegend keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen die nationalsozialistische Ideologie, soweit sie medizinische Implikationen besaß.

Aufarbeitungsphasen

Die Aufarbeitung der Vergangenheit verlief in der Heidelberger Anatomie phasenweise. Direkt nach dem Krieg kümmerte sich der damalige Institutsleiter Hermann Hoepke (1889-1993) als erstes um die Bestattung einiger Menschen, die während der Kriegszeit in die Anatomie gebracht worden waren.

Todesstrafen im Nationalsozialismus

Seit jeher kam es vor, dass die Leichen hingerichteter Personen zu Lehr- und Forschungszwecken in die Anatomien gelangten. Manchen Anatomen waren sie begehrte Objekte: weil die Hingerichteten häufig jünger waren als die in Heil- und Pflegeanstalten Gestorbenen, die lange Zeit das Gros der Leicheneingänge ausmachten, und weil ihre Todeszeitpunkte vorher feststanden und die Leichen sehr rasch nach Todeseintritt in die Anatomien gelangten.

Forschungsteam

Dieses interdisziplinäre Projekt wurde und wird von einem Team des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Medizinischen Fakultät, Universität Heidelberg mit Unterstützung einer Arbeitsgruppe aus dem Historischen Seminar der Universität Heidelberg konzipiert und durchgeführt.

Danksagung

„Wir danken allen Institutionen und Personen sehr herzlich für die Mithilfe an diesem Projekt. Besonders möchten wir Evi Heuckendorf danken für ihre Unterstützung bei der Recherche. Fotos, Scans, Informationen wurden geteilt, um uns erläuterndes Material zur Verfügung zu stellen. Insbesondere allen beteiligten Archiven, in denen wir vor Ort recherchieren durften, möchten wir danken: Dem Bundesarchiv Berlin, Generallandesarchiv Karlsruhe, den Landesarchiven Baden-Württemberg und Speyer, den Staatsarchiven Freiburg und Ludwigsburg, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen, Marchivum, dem Stadtarchiv Heidelberg und dem Universitätsarchiv Heidelberg. Den Arolsen Archives möchten wir ebenfalls für die Unterstützung danken. Für die Bildquellen danken wir besonders dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg, dem Kreisarchiv Hohenlohekreis und Rastatt, den Stadtarchiven Stuttgart und Achern, dem Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg, dem Pflege- und Betreuungsheim Ortenau und dem Zentralarchiv. Unser spezieller Dank gilt dem Universitätsarchiv und der Universitätsbibliothek Heidelberg für die Erstellung der hochauflösenden Scans des Leichenjournals.“