Lechleiter

Die Lechleiter-Widerstandsgruppe

Max Oppenheimer (1919-1994) ist es ganz besonders zu verdanken, dass die im Raum Mannheim und Heidelberg aktive „Lechleiter-Widerstandsgruppe“ in der Nachkriegszeit nicht in Vergessenheit geriet. Oppenheimer war als Jude selbst ein Verfolgter des NS-Regimes und wurde 1938 im Zusammenhang mit den November-Pogromen in das KZ Dachau verbracht. Der jüngere Bruder Hans (1921-1945) und der Vater Leopold (1881-1943) überlebten den Holocaust nicht. 

Nach der Rückkehr aus Großbritannien, wohin Max Oppenheimer emigrieren konnte, arbeitete er als Journalist und forschte unter anderem zum antifaschistischen Widerstand. Oppenheimer konnte zur Vorbereitung seines Buches „Der Fall Vorbote“, welches 1969 in der Erstauflage erschien, die sehr umfangreichen Akten zum „Lechleiter-Prozess“ in Ostberlin einsehen. Diese waren mit anderen Akten des Volksgerichtshofs von der Roten Armee für die Nachwelt gesichert und archiviert worden.

Zudem führte Oppenheimer zahlreiche Gespräche mit Hinterbliebenen. Ganz sicher waren diese Gespräche – auch wenn schon mehr als 20 Jahre seit den Hinrichtungen vergangen waren – für die Hinterbliebenen und den Autor sehr belastend.

In Würdigung der Verdienste von Max Oppenheimer im Zusammenhang mit der Lechleiter-Widerstandsgruppe soll die Einleitung zu seinem Buch „Der Fall Vorbote“ an dieser Stelle wörtlich an erster Stelle stehen:

„Der Fall Vorbote" ist die Geschichte einer Gruppe von Frauen und Männern, die in dem Land zwischen Rhein und Neckar, in Mannheim und Heidelberg, sich dem Nationalsozialismus entgegenstellten. Sie waren einfache, aber mutige Menschen, in der Mehrzahl Arbeiter und Angestellte aus Mannheimer Großbetrieben. Ihre politische Überzeugung und die Erfahrungen, die sie in den ersten Jahren der Hitler-Diktatur in Gefängnissen und Konzentrationslagern sammelten, hatten sie hart und sehend gemacht. Ihr oberstes Ziel war die Beseitigung des Naziregimes. Die früheren Unterschiede, die zwischen ihnen als Mitglieder der SPD oder KPD bestanden hatten, wurden im Interesse der gemeinsamen Front für ein demokratisches Deutschland zurückgestellt. Georg Lechleiter und Rudolf Langendorf, Jakob Faulhaber und Albert Fritz, Philipp Brunnemer und das Ehepaar Seitz gaben sich nicht mit der Bildung kleiner Gruppen von Gesinnungsfreunden bei Lanz, Daimler-Benz und anderen Betrieben zufrieden. Sie wollten einen großen Kreis von Menschen zur Tat bewegen. Deshalb begannen sie unter Lebensgefahr mit der Herstellung und Vertreibung einer illegalen Zeitung mit dem Titel: „Der Vorbote - Informations- und Kampf-Organ gegen den Hitler-Faschismus."

Unter der Losung: „Hitler hat den Krieg begonnen, Hitlers Sturz wird ihn beenden" , führten sie ihren ungleichen Kampf.

Es gelang ihnen, in vier Nummern mit einer Auflage von jeweils mehreren hundert Exemplaren, den Lügenschleier der Nazi-Propaganda mit Berichten über die wirkliche Lage an der Front und in der Heimat zu zerreißen. Nachdem der Zufall ein Exemplar des „Vorboten“ in die Hand der Gestapo gespielt hatte, konnte diese trotz monatelangen fieberhaften Suchens den Herstellern nicht auf die Spur kommen. Erst durch Verrat wurden im Februar 1942 die führenden Köpfe der antifaschistischen Widerstandsgruppe verhaftet. In zwei Prozessen wurden 19 Angeklagte zum Tode verurteilt und im September 1942 und Februar 1943 hingerichtet. Weitere 9 Angeklagte erhielten langjährige Zuchthausstrafen. Im Urteil bestätigten ihnen die Henker des Volksgerichtshofes ungewollt die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit.

Es heißt dort: „Sie erkannten, daß gerade Mannheim mit der großen Masse seiner Industriearbeiter ein geeigneter Boden für ihre Bestrebungen werden konnte. Sie arbeiteten mit vereinten Kräften darauf hin, diesen Teil des deutschen Volkes für ihre Idee zu gewinnen."

Trotz des Heldenmutes des deutschen Widerstandes gelang es nicht, das Hitler-Regime zu stürzen und dadurch dem deutschen Volk unsägliche Opfer an Blut und Tränen zu ersparen. Erst die militärische Niederlage schuf die Voraussetzungen für ein neues Beginnen.

Die Erinnerung an den Kampf und den Tod Georg Lechleiters und seiner Freunde lebt heute nur noch im Gedächtnis weniger. Einer neuen Generation wünscht man die Beherzigung der Worte aus dem Abschiedsbriet von Georg Lechleiter, der am Vorabend des Todes an seine Frau schrieb:

„Ein Mensch, der nicht fähig ist, sich für eine Idee aufzuopfern, ist in einem höheren Sinn noch kein Mensch. Das höchste Ziel eines Menschen besteht darin, wirklich für andere zu leben."

Oppenheimer nannte sieben Personen, die er der operativen Führungsebene der Widerstandsgruppe zuordnet: Georg Lechleiter, Rudolf Langendorf, Jakob Faulhaber, Albert Fritz, Philipp Brunnemer, Käthe Seitz und Alfred Seitz. Nach heutigem Kenntnisstand würde man die Aufzählung um eine weitere Person ergänzen: Ludwig Moldrzyk. Er organisierte bei den Arbeitern in Mannheim finanzielle Mittel und hielt in die Großbetriebe – als Arbeiter selbst bei Lanz beschäftigt – den direkten Kontakt zu seinen Kollegen.

Besonders tragisch war das Schicksal der Familien Seitz und Brunnemer. Denn es darf nicht vergessen werden, dass auch die Tochter von Käthe Seitz, Hildegard Janssen, im Visier der Ermittlungen stand und als Verdächtige ebenfalls zunächst in Mannheim inhaftiert wurde. Sie überlebte durch Zufall. Käthe Seitz, Alfred Seitz und Philipp Brunnemer hingegen wurden später in Stuttgart hingerichtet.

„Unternehmen Barbarossa“ und Widerstand „Der Vorbote “

Am Nachmittag des 22. Juni 1941, dem Tag des Angriffskrieges der Wehrmacht gegen Russland – auch als „Unternehmen Barbarossa“ bezeichnet -, kam es zu einem zufälligen, aber entscheidenden Treffen in der Heidelberger Wohnung von Käthe und Alfred Seitz. Zu Gast waren Albert Fritz, Georg Lechleiter und die Eheleute Emma und Jakob Faulhaber. Bei diesem Treffen wurde der endgültige Beschluss gefasst, eine Zeitung „Der Vorbote“ als Kampforgan gegen das Hitler-Regime herauszugeben. In den Folgemonaten wurden – bereits unter Beobachtung eines V-Mannes der Gestapo – tatsächlich vier Ausgaben erstellt und über das bestehende Netzwerk insbesondere in den Mannheimer Großbetrieben verteilt.
Um die zahlenmäßige Stärke der Lechleiter-Gruppe ermitteln zu können, war der V-Mann in das Umfeld von Lechleiter eingeschleust worden. Der Mannheimer Gestapo-Beamte Franz Frietsch berichtete an den Oberreichsanwalt Ernst Lautz in Berlin, dass im Zusammenhang mit der Lechleiter-Gruppe 30 Personen festgenommen wurden: „Ausserdem wurde ein V-Mann an Lechleiter angesetzt, der ständig berichtete, dass Lechleiter staatsfeindlich eingestellt ist und dass er durch den Krieg mit Russland sehr bedrückt sei.“ Max Oppenheimer nannte schon 1969 den Namen des V-Mannes: Gustav Süß (1903-1947). Mit Lechleiter war er zeitweise als Redakteur bei der „Arbeiter-Zeitung“ in Mannheim tätig gewesen. Es steht außer Frage, dass Süß über einen langen Zeitraum selbst ein glühender Verfechter eines sowjetkommunistischen Deutschlands war. Und genau deshalb stand er schon lange Zeit im Visier der Behörden. Während der „Schutzhaft“ von Süß im KZ Dachau – wo er gesundheitlich angeschlagen und auf unbestimmte Zeit willkürlich inhaftiert war – gelang es schließlich der Gestapo, den einstigen Kommunisten als V-Mann anzuwerben.

Nachdem eine Ausgabe der Kampfschrift „Der Vorbote“ plötzlich in Berlin in NS-Kreisen die Runde machte, standen die Mannheimer Ermittlungsbehörden unter enormem Druck. Die Ausgabe war über einen Mannheimer SS-Mann, der eher zufällig in den Besitz kam, nach Berlin übermittelt worden. Hätte die Gestapo noch mehr Zeit für ihre Ermittlungen gehabt, so kann man annehmen, wären es noch viel mehr als die 34 Personen gewesen, die im Februar und März 1942 festgenommen wurden. Es folgten brutale Folterverhöre und Gegenüberstellungen von Inhaftierten, sodass sich für die Gestapo schließlich ein umfassendes Bild der Mitglieder und der Arbeit der Widerstandsgruppe ergab. Drei Widerstandskämpfer überlebten die Verhöre nicht.


Am 14. und 15. Mai 1942 fand auf persönlichen Wunsch von Robert Wagner, dem Gauleiter und „Reichsstatthalter in Baden“, der Hauptprozess vor dem Volksgerichtshof in Mannheim statt. Vorsitzender Richter war Karl Engert, damaliger Vizepräsident des Volksgerichtshofs. Es sollte im „roten“ Mannheim aus Sicht der Justiz ein Exempel statuiert werden. Der in Berlin ansässige Oberreichsanwalt Ernst Lautz ordnete im Vorfeld an, zunächst gegen 14 Mitglieder der Lechleiter-Gruppe zu verhandeln. Gegen die übrigen Angeklagten sollte in einem späteren zweiten Prozess vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart verhandelt werden.


Allerdings lief der Prozess vom 14. und 15. Mai 1942 nicht so, wie von der NS-Justiz erhofft. Jakob Faulhaber drehte dem Gericht während seiner Ausführungen den Rücken zu und erläuterte selbstbewusst den anwesenden Zuhörer/-innen, dass er kein Verbrecher sei, sondern ausschließlich für seine politischen Ideale kämpfe. In einer Prozesspause versuchte sich der Mitangeklagte Max Winterhalter die Pulsadern aufzuschneiden. Provisorisch behandelt, wurde er zur Urteilsverkündung auf einer Liege in den Gerichtssaal gefahren. Als schließlich das Todesurteil über alle Angeklagten verhängt wurde, brach Käthe Seitz bewusstlos zusammen.


Um politische Unruhen in der Region Mannheim zu vermeiden, wurden die zum Tode Verurteilten zeitnah nach Stuttgart verlegt, wo später auch die Hinrichtungen stattfinden sollten. Es war nun für die Angehörigen nur noch mit erheblichem Aufwand möglich, Besuche abzustatten. Briefe durften auf speziellem Anstaltspapier geschrieben werden, unterlagen aber der strengen Zensur. In den kommenden Monaten wurden zahlreiche Gnadengesuche bei der Berliner Reichskanzlei eingereicht. Es sind Dokumente der größten Verzweiflung, die allesamt nichts bewirkten.

Hinrichtungen und Überführungen in die Anatomischen Institute Heidelberg und Tübingen

Am 15. September 1942 – um 5:00 Uhr morgens – wurde mit den Hinrichtungen begonnen. von. In weniger als 40 Minuten wurden die 14 Mitglieder der Lechleiter-Widerstandsgruppe durch Henker Johann Reichart und seinen Gehilfen Eichinger, Weiss und Schuler mit dem Fallbeil enthauptet.
Bekanntmachung über die Hinrichtung der Widerstandsgruppenmitglieder
Von der NS-Justiz in Auftrag gegebenes Plakat, welches am 15.9.1942 - dem Tag der Hinrichtungen in Stuttgart – im Raum Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen angeschlagen wurde: BArch, R_3017_33090_0672
Bei den Hinrichtungen waren der damalige Gefängnisarzt, ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, mehrere Polizeibeamte und die Gefängnisleitung anwesend. Der Gefängnisgeistliche – damals noch Vikar – Karl Domogalla (1911-1994) begleitete die NS-Justizopfer auf ihrem letzten Weg zum Schafott. Insbesondere zu Käthe und Alfred Seitz hatte Domogalla in den Wochen vor der Hinrichtung seelsorgerlichen Zugang gefunden. Die sterblichen Überreste wurden ohne Einverständnis der Hinterbliebenen in die Anatomischen Institute in Heidelberg und Tübingen überführt. Heute ist klar, dass am 15. September 1942 insgesamt zehn Leichname nach Heidelberg verbracht wurden. Im dortigen Leichenbuch sind allerdings nur fünf Namen verzeichnet. Die Einträge zu den nach Tübingen überführten vier Leichnamen von Mitgliedern der Lechleiter-Widerstandsgruppe sind im dortigen Leichenbuch hingegen vollständig. Der zweite Lechleiter-Prozess, der am 21. Oktober 1942 begann, war an das Oberlandesgericht in Stuttgart abgegeben worden. Auch dieser Prozess verlief nicht nach Plan. Staatsanwalt Berthold Schwarz beging aus Sicht des Vorsitzenden Richters Hermann Cuhorst einen gravierenden Fehler, als er in seinen Ausführungen „auf Weisung des Reichsjustizministeriums“ für alle Angeklagten die Todesstrafe forderte. Während einer Verhandlungspause kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung: „Cuhorst ist auf mich zugegangen, offen gestanden in höchster Erregung und hat mir die bittersten Vorwürfe gemacht, wie ich dazu komme, gegen sämtliche Angeklagten die Todesstrafe zu beantragen.“ Cuhorst entschied sich bei acht Angeklagten gegen die Todesstrafe – nicht etwa aus Mitgefühl, sondern aus Protest gegen die versuchte Einflussnahme „von oben“. Henriette Wagner, Albert Fritz, Ludwig Neischwander, Brunno Rüffer und Richard Jatzek wurden jedoch zum Tode verurteilt und am 24. Februar 1943 hingerichtet. Die sterblichen Überreste wurden an das Anatomische Institut in Heidelberg überführt und sind dort im Leichenbuch dokumentiert.

Die juristische Aufarbeitung der Lechleiter-Prozesse nach 1945

Die drei Hauptakteure der Lechleiterprozesse waren die Richter Karl Engert und Hermann Cuhorst sowie Oberreichsanwalt Ernst Lautz. Bei den Nürnberger Prozessen saßen sie gemeinsam auf der Anklagebank. Cuhorst wurde zum Entsetzen zahlreicher Prozessbeobachter freigesprochen. Allerdings sorgte später die Justiz in Stuttgart dafür, dass er eine Haftstrafe zu verbüßen hatte und nie wieder in sein Richteramt zurückkehren konnte. Ernst Lautz war bei beiden Lechleiter-Prozessen als Oberreichsanwalt in Berlin der Mann im Hintergrund, bei dem die Fäden zusammenliefen. Er wurde wegen seiner Position während der NS-Zeit zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen Karl Engert, nach langem hin und her zwischen deutschen und amerikanischen Ärzten aus gesundheitlichen Gründen als verhandlungsunfähig eingestuft, konnte aus Sicht der Nürnberger Richter nicht weiterverhandelt werden. Beim späteren „Wiesbadener Juristenprozess“ verstarb Engert 1951 noch vor Beginn der Hauptverhandlung.


Johann Reichart, der während der NS-Zeit als Henker mehr als 3.000 Hinrichtungen in Deutschland durchgeführt hatte, war in der Nachkriegszeit – nun für die US-Armee – weiterhin gut bezahlter Vollstrecker von Todesurteilen. August Gundel, als Gefängnisvorstand in Stuttgart bei den meisten Hinrichtungen in Stuttgart anwesend, hielt akribisch die mit der Stoppuhr ermittelten Hinrichtungszeiten fest, führte Protokoll und organisierte die Übergabe der Leichen an die schon wartenden Gehilfen der Anatomischen Institute. Anschließend teilte er telefonisch den Tod an die Standesämter mit, denn „Der Anzeigende ist persönlich bekannt. Er ist beim Tod zugegen gewesen“. 1948 wurde er von der Spruchkammer als „Mitläufer“ eingestuft.

Von den Aktiven der Lechleitergruppe kamen durch Justizmord ums Leben: ​

Johannes (Hans) Heck, Fritz Grund, Willi Probst, Käthe Seitz, Alfred Seitz, Philipp Brunnemer, Georg Lechleiter, Jakob Faulhaber, Ludwig Moldrzyk, Rudolf Langendorf, Rudolf Maus, Robert Schmoll, Johann (Hans) Kupka, Anton Kurz, Max Winterhalter, Daniel Seizinger, Eugen Sigrist, Albert Fritz, Ludwig Neischwander, Henriette Wagner, Bruno Rüffer und Richard Jatzek.

Zu langen Haftstrafen verurteilt wurden: Ernst Hahner, Georg Fritz, Hermann Müller, Rudolf Mittel, August Leinz, Otto Edenhofer, Otto Quick und Emil Frey.

Die Lechleiter-Widerstandsgruppe wird an zahlreichen Orten der Region Mannheim, Heidelberg und Rhein-Neckar-Kreis gewürdigt. Entstanden ist ein zentrales Mahnmal am Georg-Lechleiter-Platz in Mannheim, Straßen wurden umbenannt, Stolpersteine verlegt sowie Bücher und Artikel zur Lechleiter-Widerstandsgruppe geschrieben.

Gedenkstein für Georg Lechleiter
Mahnmal am Georg-Lechleiter-Platz in Mannheim: Michael Ehmann
Gedenkstein
Eingangsbereich Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde: Michael Ehmann

Am 15. September werden jährlich Gedenkveranstaltungen zu Ehren der ermordeten Widerstandskämpfer/-innen am Georg-Lechleiter-Platz in Mannheim abgehalten. An Allerheiligen finden auf dem Bergfriedhof in Heidelberg Gedenkveranstaltungen in Erinnerung an dort bestattete Opfer der NS-Justiz statt.


Wenn man heute auf die Gruppe von Frauen und Männern der Lechleiter-Widerstandsgruppe zurückblickt, die ihr Leben im Kampf gegen das NS-Regime riskiert und in großer Zahl auch gelasssen haben, muss die nahezu in Vergessenheit geratene Würdigung auf dem Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde genannt werden.

Wilhelm Pieck (Präsident der DDR von 1949-1960) weihte die von den Nazis zerstörte und 1951 wiederhergestellte Gedenkstätte mit folgenden Worten ein:

„Wir wollen mit der gemeinsamen Ehrung der alten Sozialisten und der in der Weimarer Republik und unter dem Hitlerfaschismus gefallenen und ermordeten Kämpfer unsere unverbrüchliche Treue zur großen sozialistischen Idee zum Ausdruck bringen und geloben, die Einheit der Arbeiterklasse als das teuerste Gut der sozialistischen Bewegung zu hüten.“

Zeitungsausschnitt "Manifest an das deutsche Volk aus der Zeitung "Neues Deutschland"
Erstausgabe NEUES DEUTSCHLAND vom 23.4.1946: https://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/list/title/zdb/2532889X/

Michael Ehmann

Quellen:

BA Berlin, R 3017/33090. Strafprozess gegen Georg Lechleiter u.a.

Landesarchiv Rheinland-Pfalz Speyer, H 91, Nr. 6937. Gestapo-Akte Gustav Süss

Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 902/20 Bü 79227-6

Voßke, Heinz. Geschichte der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde, Berlin 1982.

Oppenheimer, Max. Der Fall Vorbote, Frankfurt, 1969.
 
Ehmann, Michael. Die Thoraxklinik in der NS-Zeit unter der Leitung von Walter Schmidt und Ludwig Adelberger. In: Norbert Giovannini (Hg.), Ingrid Moraw, Reinhard Riese, Claudia Rink: Stille Helfer – Eine Spurensuche in Heidelberg (1933 – 1945). Heidelberg, 2019.
 
Ehmann, Michael. Um 5.04 Uhr war das Urteil ohne Zwischenfall vollstreckt. In Heidelberg Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 2024. Heidelberg, 2023.

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