Adolphe Murbach

Kurzbiografie

Name, Vorname: Murbach, Adolphe
Geburtsdatum: 12.7.1902
Geburtsort: Sundhoffen bei Colmar, Département Haut-Rhin
Beruf: Schreiner
Einlieferungsdatum: 1.6.1943
Einlieferungsnummer: 34_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung

„Trotz eindringlicher polizeilicher Verwarnung, sich auf keinen Fall mehr kommunistisch im Elsaß zu betätigen, und entgegen einer abgegebenen Loyalitätserklärung konnte auch er nicht widerstehen, als der geheime Ruf ihn erging“ – so berichtete die nationalsozialistische Tageszeitung „Straßburger Neueste Nachrichten“ am 27. Januar 1943, wenige Tage nach Prozessbeginn, über den französischen Widerstandskämpfer Adolphe Murbach.

Er wurde am 12. Juli 1902 als Sohn des Eisenbahners Georges Murbach und Catherine Boeschlin in Sundhoffen bei Colmar, Département Haut-Rhin, geboren. Nach seiner Lehre zum Schreiner ließ er sich in Colmar nieder. Am 24. August 1928 heiratete Murbach Marie-Thérèse Schobing, mit der er später einen gemeinsamen Sohn bekam. Dieser verstarb im Jahre 1957 bei einem Grubenunglück in Staffelfelden, Dép. Haut-Rhin.

Im Alter von 17 Jahren begann Murbach sich mit seinem Eintritt in die sozialistische Jugend politisch zu engagieren. Nach dem Parteitag von Tours im Dezember 1920, der in der Gründung der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) mündete, wurde er kommunistischer Aktivist als Mitglied der PCF und Korrespondent der Regionalausgabe der französischen Tageszeitung „L’Humanité“, die ab 1923 das offizielle Zentralorgan der PCF war. Der Schreiner gründete den Arbeitersportverein „Liberté“, einen Turnverein, dessen Vorsitzender in Colmar er später wurde. Außerdem war er Mitglied der 1934 gegründeten „Fédération Sportive et Gymnique du Travail“ (FSGT), eines weiteren Arbeitersportvereins, dessen Vorsitzender Murbach für die Stadt Colmar wurde. Im Jahre 1935, nachdem er bereits als Sekretär der kommunistischen Sektion der Stadt gearbeitet hatte, ließ sich der Aktivist für die Liste der „Front populaire“ (Volksfront) bei den Kommunalwahlen aufstellen. Im zweiten Wahlgang wurde er zum Gemeinderat von Colmar gewählt. Dieses Amt hatte Murbach bis März 1940 inne. Damals wurde die Kommunistische Partei PCF aufgelöst und er in der Folge vom Gemeinderat durch das Verwaltungsgericht ausgeschlossen.

Im Frühjahr 1941 schloss sich der ehemalige Kommunalpolitiker der Résistance-Bewegung an, da er von Georges Wodli gemeinsam mit René Birr und Édouard Schwartz mit der Leitung des kommunistischen Widerstands im Département Haut-Rhin beauftragt worden war. Wodli selbst war internationaler Delegierter der illegalen kommunistischen Partei für Elsass und Lothringen und sollte dort die kommunistische Partei und den Widerstand aufbauen. Die Gruppe im Elsass beteiligte sich unter anderem an der Verbreitung von Flugblättern sowie Untergrundzeitschriften und errichtete Waffen-Depots. Am 20. Mai 1942 wurde Murbach von der Gestapo verhaftet und noch am gleichen Tag mit weiteren Mitgliedern der „Groupe Wodli“, Birr und Eugène Boeglin, in den „Bunker“ des „Sicherungslagers“ Schirmeck-Vorbruck (Schirmeck La-Broque) gebracht. Dort war er bis zum 20. November 1942 inhaftiert, bevor er in das Gefängnis von Bühl nach Baden verlegt wurde.

Der Volksgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Roland Freisler tagte am 23. Januar 1943 zum ersten Mal ins Strasbourg, als Adolphe Murbach, René Birr, Eugène Boeglin und Auguste Sontag wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt wurden. Der Vorwurf gegen Murbach lautete „von Mai 1941 bis Mai 1942 hochverräterische Schriften verfasst und verbreitet sowie 1940 von französischen Truppen zurückgelassene Waffen gesammelt zu haben“.

Adolphe Murbach Haftbefehl
Quelle: BArch R3017/29271

Am 1. Juni 1943 wurde Adolphe Murbach im Lichthof des Landgerichts Stuttgart mit der Guillotine hingerichtet. Sein Körper wurde unmittelbar dem Anatomischen Institut der Universität Heidelberg als Leichenjournal-Nummer 34/43 zur Verwendung für die medizinische Lehre zur Verfügung gestellt. Er hinterließ seine Frau Catherine und den gemeinsamen Sohn. Der Witwe wurde das blutbefleckte Hemd des Hingerichteten zugesandt. Sie und der Sohn wurden in einem Arbeitslager in Deutschland interniert, bevor sie am 23. Mai 1945 repatriiert wurden und in ihre Heimat zurückkehren konnten. Murbach blieb dies verwehrt. Seine sterblichen Überreste wurden nach der Einäscherung in einem Massengrab auf dem Heidelberger Bergfriedhof beigesetzt. Dort ist sein Name bis heute auf einer Gedenktafel für die sieben französischen Widerstandskämpfer der Wodli-Gruppe, die in dem Grab beigesetzt sind, zu sehen. Im Jahre 1946 erhielt er posthum die „Médaille de la Résistance“. In seinem Geburtsort Sundhoffen trägt heute eine Straße seinen Namen: die „Rue Adolphe Murbach“.

Bekanntmachung Hinrichtung
Quelle: BArch R3017/29283

Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Familie Brändle

Quellen

BArch

R3017/29271

R3017/29283

M., W.. Schonungslose Ausrottung des Verrats. Straßburger Neueste Nachrichten: amtliche Tageszeitung der NSDAP, 29.1.1943. 

Neveu, Céderic, & Forthoffer, Joel. Wodli Georges, In: Fontaine, Thomas, Cheminots victims de la répression. Paris, 2017.

Britannica Editors. „l’Humanité“. https://www.britannica.com/topic/lHumanite, aufgerufen am 30.03.2026.

Institut für Zeitgeschichte München – Berlin. Loth, Wilfried. Die französische Linke und die „Einheit der Arbeiterklasse“ 1943-1947. https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1987_2_5_loth.pdf , aufgerufen am 01.04.2026

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Strauss, Leon. 

Murbach, Adolphe. https://fusilles-40-44.maitron.fr/murbach-adolphe-murbach-georges-adolphe/ , aufgerufen am 01.04.2026.

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Strauss Leon, Ribeill Georges.

Wodli Georges, Charles. https://fusilles-40-44.maitron.fr/wodli-georges-charles-parfois-ecrit-vodli-pseudonymes-martin-ou-jules-ou-berger-charles/, aufgerufen am 01.04.2026. 

Musée de la Résistance en ligne  1940-1945. 

Adolphe MURBACH. https://www.museedelaresistanceenligne.org/personnedetail.php?id=3524 , aufgerufen am 30.03.2026. 

Wintzenheim 39-45. Morgen, Daniel. Auguste Sontag, membre du Réseau Wodli. Von http://wintzenheim3945.free.fr/C08A_Sontag(Wodli)/Mausolee1.jpg, aufgerufen am 27.2.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Murbach, Adolphe
Geburtsdatum: 12.7.1902
Geburtsort: Sundhoffen bei Colmar, Département Haut-Rhin
Beruf: Schreiner
Einlieferungsdatum: 1.6.1943
Einlieferungsnummer: 34_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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