Auguste Sontag

Kurzbiografie

Name, Vorname: Sontag, Auguste
Geburtsdatum: 28.09.1915
Geburtsort: Wintzenheim, Département Haut-Rhin
Beruf: Lehrer
Einlieferungsdatum: 01.06.1943
Einlieferungsnummer: 32_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterische Feindbegünstigung

„Auch er unterlag seiner früheren kommunistischen Einstellung, als die Versuchung in Form der verbotenen Aufziehung der KP [Kommunistische Partei Frankreichs, PCF, d. Vf.] an ihn herantrat. Er machte sich kein Gewissen daraus, die als Lehrer im deutschen Schuldienst eingegangenen Verpflichtungen glatt zu brechen“ so „berichteten“ die nationalsozialistischen „Straßburger Neuesten Nachrichten“ am 27. Januar 1943 über das zuvor am 23. Januar verhängte Todesurteil gegen den Résistance-Kämpfer Auguste Sontag.

Er kam am 28. September 1915 als Sohn eines Metallarbeiters und einer Näherin in Wintzenheim, Département Haut-Rhin, auf die Welt. Seine Frau Gaby und er bekamen eine Tochter. Sontag besuchte die höhere Volksschule, darauffolgend die „École normale“, die Lehrerbildungsanstalt, um schließlich das höhere Lehrerdiplom zu erwerben. Seinen Militärdienst leistete er im 27. Regiment in Dijon, Département Côte-d’Or, im Zug der Reserveoffiziersanwärter ab. „Von Amts wegen“ wurde er jedoch von den Reserveoffiziersanwärtern ausgeschlossen, da der kommunistisch geprägte Lehrer „aus politischer Sicht unerwünscht“ war. Bereits als Jugendlicher las er die französische Tageszeitung „L’Humanité“, die seit 1923 das Zentralorgan der PCF, der Kommunistischen Partei Frankreichs, war und besuchte einen marxistischen Kulturzirkel. Davon beeinflusst trat Sontag im Alter von 17 Jahren den Kommunistischen Jugendverbänden und zwei Jahre später der Kommunistischen Partei bei, deren Propagandasekretär er wurde. Vor der Besetzung des Elsass durch die Nationalsozialisten war Sontag zudem Mitglied der französischen Lehrergewerkschaft SNI („Syndicat national des instituteurs“, wurde vom Vichy-Regime nach der Besetzung verboten), im örtlichen Komitee der „Front populaire“ (Volksfront) sowie des „Secours populaire“ (Volkswohlfahrt). Nach der Annexion des Elsass und Lothringens durch das nationalsozialistische Deutschland im Jahre 1940 musste der Lehrer vor seiner Übernahme in den deutschen Schuldienst zu einer mehrmonatigen „Umschulung“ nach Waldkirch nordöstlich von Freiburg. Danach arbeitete er ab 1941 in Kuhbach bei Lahr und in Waldkirch. 

Im Frühjahr des gleichen Jahres schloss Sontag sich der um den kommunistischen Eisenbahngewerkschafter Georges Wodli entstehenden Résistance-Gruppe im Elsass an. Die „Groupe Wodli“ verteilte Flugblätter und Untergrundzeitschriften, leistete Fluchthilfe, versteckte geflohene Kriegsgefangene und Verfolgte, legte Waffendepots an und plante einen Anschlag auf die Bahnlinie zwischen Mulhouse und Strasbourg. Er wurde schließlich wie zuvor René Birr, Eugène Boeglin und Adolphe Murbach am 25. Mai 1942 in seiner Wohnung in Wintzenheim verhaftet und noch am selben Tag in das „Sicherungslager“ Schirmeck-Vorbruck (Schirmeck La-Broque) verbracht. Dort erlitten er und seine Mitgefangenen wiederholt Folter durch Gestapo-Beamte. Am 23. Januar 1943 wurde Auguste Sontag mit Birr, Boeglin und Murbach vor den Volksgerichthof in Strasbourg unter dem Vorsitz von Roland Freisler gestellt. Sie erhielten die Todesstrafe wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung“. Wenige Tage nach der Urteilsverkündung, am 5. Februar 1943, verfasste Sontag einen Brief an seine Liebsten, der aus unbekannten Gründen nicht der Zensur zum Opfer fiel.

Haftbefehl August Sontag
Quelle: BArch R3017/29272

Darin versuchte er aufmunternde Worte für seine Familie zu finden: „Es ist nötig, stark zu sein, meine Liebe. Lass‘ dich durch diesen fatalen Schlag nicht völlig zu Boden schlagen. Widerstehe, widersteht alle zusammen der Verzweiflung! Ja, seid mutig! Überwindet diese härteste Prüfung würdig! Ich werde auf eurer Seite sein in diesen letzten Tagen, euch Mut und Hoffnung einflößen. Ich würde euch gerne trösten können, eure Schmerzen lindern und eure Tränen trocknen! Und ich, ich werde ruhig gehen. Seid stark, wie ich es auch sein will, stark bis zum Ende“. Er konnte nun „ruhig sterben, mit Frieden in der Seele“, weil er sich keine Vorwürfe machen musste.

August Sontag
Quelle: BArch R3017/29272

Am 1. Juni 1943 wurde Auguste Sontag im Lichthof des Landgerichts Stuttgart mit dem Fallbeil hingerichtet. Sein Leichnam wurde noch am gleichen Tag unter der Leichenjournal-Nummer 32/43 in das Anatomische Institut der Universität Heidelberg eingeliefert. Er hinterließ seine Ehefrau Gaby und die gemeinsame Tochter. Nach der Einäscherung wurden seine sterblichen Überreste in einem Massengrab auf dem Bergfriedhof in Heidelberg beigesetzt, auf dem bis heute eine Erinnerungstafel den dort begrabenen sieben Mitgliedern der Wodli-Gruppe gedenkt. Eine Straße in seinem Geburtsort Wintzenheim wurde in Erinnerung an ihn nach dem Widerstandskämpfer benannt: die „Rue Auguste Sontag“.

Bekanntmachung Hinrichtung
Quelle: BArch R3017/29283

Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Familie Brändle

Quellen

BArch

R3017/29272

R3017/29277

R3017/29283

M., W.. Schonungslose Ausrottung des Verrats. Straßburger Neueste Nachrichten: amtliche Tageszeitung der NSDAP, 29.1.1943.  

Neveu, Céderic, & Forthoffer, Joel. Wodli Georges, In: Fontaine, Thomas, Cheminots victims de la répression. Paris, 2017.

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Strauss, Leon; Pennetier, Claude.  

Sontag, Auguste. https://fusilles-40-44.maitron.fr/sontag-auguste/, aufgerufen am 01.04.2026.

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Strauss Leon, Ribeill Georges.

Wodli Georges, Charles. https://fusilles-40-44.maitron.fr/wodli-georges-charles-parfois-ecrit-vodli-pseudonymes-martin-ou-jules-ou-berger-charles/, aufgerufen am 01.04.2026. 

Wintzenheim 39-45. Frank, Guy. 

Auguste Sontag, membre du Réseau Wodli. http://wintzenheim3945.free.fr/C08A_Sontag(Wodli)/Rue.jpg, aufgerufen am 01.04.2026. 

Wintzenheim 39-45. Morgen, Daniel. 

Auguste Sontag, membre du Réseau Wodli. Von http://wintzenheim3945.free.fr/C08A_Sontag(Wodli)/Mausolee1.jpg, aufgerufen am 27.2.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Sontag, Auguste
Geburtsdatum: 28.09.1915
Geburtsort: Wintzenheim, Département Haut-Rhin
Beruf: Lehrer
Einlieferungsdatum: 01.06.1943
Einlieferungsnummer: 32_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterische Feindbegünstigung

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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