Eugène Boeglin

Kurzbiografie

Name, Vorname: Boeglin, Eugène
Geburtsdatum: 8.11.1912
Geburtsort: Michelbach-le-Haut, Département Haut-Rhin
Beruf: Assistenzprofessor Landwirtschaftsschule Rouffach
Einlieferungsdatum: 1.6.1943
Einlieferungsnummer: 33_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung

„Trotzdem viel er glatt um, als er mit früheren kommunistischen Parteifreunden zusammentraf und sich ihnen auch unbedenklich bei der Errichtung des illegalen kommunistischen Partei- und Kurierdienstes wieder zur Verfügung stellte und sich besonders aktiv bei der Herstellung und Verbreitung inhaltlich verlogener und hetzerischer kommunistischer Flug- und Druckschriften beteiligte“ – so der Wortlaut eines Artikels aus der nationalsozialistischen Tageszeitung „Straßburger Neueste Nachrichten“ vom 27. Januar 1943 über den Widerstandskämpfer Eugène Boeglin.

Er wurde am 8. November 1912 in Obermichelbach (ab 1919 Michelbach-le-Haut, Département Haut-Rhin) als Sohn katholischer Bauern und überzeugter Antikommunisten geboren und wuchs mit einer Schwester, Marie, auf. Aus seiner späteren Ehe mit Jeanne Hoffert ging ein gemeinsamer Sohn, Jean-Claude, hervor. Boeglin besuchte zunächst das bischöfliche Kollegium in Zillisheim (Département Haut-Rhin), anschließend die höhere Volksschule in Saint-Louis (Département Haut-Rhin) bevor er in die katholische Lehrerbildungsanstalt in Colmar (Département Haut-Rhin) aufgenommen wurde. Letztere schloss er im Juli 1932 ab. Danach begann Boeglin im Rahmen eines Praktikums in Dijon (Département Côte d’Or) mit der Vorbereitung auf die Lehre an der Universität – arbeitete dann aber erstmal als Lehrer in Richwiller und Wintzenheim. Zwischen 1934 und 1935 leistete der Lehrer seinen Militärdienst als „sous-lieutenant“ (Leutnant, einer Unterform der Offiziere) im 152. Infanterieregiment in Colmar ab. Darauffolgend arbeitete er einige Monate als stellvertretender Sekretär der Schulaufsichtsbehörde Haut-Rhin und als Assistenzprofessor an der Landwirtschaftsschule in Rouffach (Département Haut-Rhin).

Während dieser Zeit wurde Boeglin zunehmend gewerkschaftlich und politisch aktiv: Mitgliedschaft in der „La Fraternelle“, der Sektion der Lehrergewerkschaft „Syndicat national des instituteurs“ in Haut-Rhin; Sekretär der Colmarer Sektion des „Comité de vigilance des intellectuels antifascistes“ (CVIA); Gründung der „Groupement des Jeunes de l’Enseignement“, einer Vereinigung junger Lehrkräfte. Die Philosophielehrerin Marguerite Buffard machte Boeglin schließlich mit Charles Aschenbacher bekannt, woraufhin er der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) beitrat. Im Jahre 1936 wurde er Sekretär der kommunistischen Sektion in Rouffach und schaffte es bis 1939, deren Mitgliederzahl von fünf auf 256 zu steigern. Als Mitglied im Komitee der kommunistischen Region Elsass wurde 1938 die Möglichkeit an ihn herangetragen, die Kurse der Lenin-Schule in Moskau zu besuchen. Seine Bewerbung zog er im Zuge von Differenzen mit seiner Ehefrau Jeanne und Unsicherheiten bezüglich der nicht garantierten Rückkehr in den Schuldienst zurück. Nach der Besetzung des Elsass durch die deutsche Wehrmacht im Herbst 1940 mussten die elsässischen Lehrer, darunter auch Boeglin, zur „Umschulung“, bei der es sich eher um eine „Zwangsumerziehung“ handelte, nach Waldshut in Baden. Daran anschließend wurde er im April 1941 an eine Schule in Kubach bei Lahr (Baden) abgeordnet. 

Im Frühjahr 1941 wurde der politische Aktivist Mitglied der unter Leitung des internationalen Delegierten der illegalen kommunistischen Partei im Elsass, Georges Wodli, stehenden Widerstandsgruppe „Groupe Wodli“. Boeglin wurde aufgrund seiner Aktivitäten im französischen Widerstand von deutschen Zollbeamten nahegelegt, nicht ins Elsass zurückzukehren, sondern stattdessen in die Schweiz zu fliehen, da er in seinem Heimatort gesucht werden würde. Er widersetzte sich jedoch diesen Warnungen und wurde in der Folge am 20. Mai 1942 in seiner Wohnung in Wintzenheim verhaftet und anschließend bis November im „Sicherungslager“ Schirmeck-Vorbruck (Schirmeck La-Broque) inhaftiert. Daraufhin wurde der Lehrer im Juli 1942 auch aus dem Schuldienst entlassen. Aus dem „Sicherungslager“ wurde der Widerstandskämpfer in das Gefängnis von Bühl in Baden verlegt. Am 23. Januar 1943 folgte der Prozess vor dem Volksgerichtshof in Strasbourg unter Vorsitz des Richters Roland Freisler gegen Eugène Boeglin und drei weitere Mitglieder der Wodli-Gruppe, René Birr, Adolphe Murbach und Auguste Sontag. Sie alle wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Über Boeglin urteilten die „Straßburger Neuesten Nachrichten“ vier Tage später: „Besonders im Falle des Angeklagten Boeglin, der als französischer Oberleutnant in deutsche Gefangenschaft geriert, wird eine kaum für möglich zu haltende Gesinnungs- und Charakterlumperei offenbar“. Seine Familie versuchte die Todesstrafe noch abzuwenden, indem sie an den Elsässer Otto Meissner, den Chef der Präsidialkanzlei des Deutschen Reiches, herantraten. Diese Versuche blieben jedoch erfolglos. Seine Frau durfte ihn vor der Hinrichtung noch einmal besuchen. Konfrontiert wurde sie mit einem körperlich gebrochenen Mann, der an zwei Stöcken ging.

Einen Tag vor seiner Hinrichtung verfasste Boeglin einen Abschiedsbrief an seine Liebsten. Er versuchte darin auch – geprägt von seinem katholischen Glauben – einen Sinn in seinem Tod zu finden: „Mein Tod wird schon für etwas gut sein … Wenn der liebe Gott das schwerste Opfer meines Lebens fordert – so weil er findet, dass ich hiernieder meine Bestimmung erfüllt habe, und dass in seine unerforschlichen, weisesten Absichten mein Tod einen „höheren Sinn“ als mein Leben haben muss.“

Am 1. Juni 1943 wurde Eugène Boeglin im Lichthof des Landgerichts Stuttgart mit der Guillotine hingerichtet. Er hinterließ seine Ehefrau Jeanne und den gemeinsamen Sohn. Seine Leiche wurde nicht der Familie übergeben, sondern noch am Tag der Hinrichtung unter der Leichenjournal-Nummer 33/43 in das Anatomische Institut der Universität Heidelberg eingeliefert. Einen solchen Ausgang hatte Boeglin in seinem Abschiedsbrief bereits gefürchtet: „Es wäre für mich natürlich – aber besonders für Euch – sicher ein großer Trost, wenn ihr meinen Körper frei bekommen würdet, damit ich christlich bestattet werden könnte. Ich weiß nicht, ob Euch diese Gnade gestattet wird“. Seine sterblichen Überreste wurden in einem Massengrab auf dem Heidelberger Bergfriedhof beigesetzt, an dem bis heute eine Erinnerungstafel den dort begrabenen sieben Mitgliedern der Wodli-Gruppe gedenkt.

Bekanntmachung Hinrichtung
Quelle: BArch R3017/29283

Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Familie Brändle

Quellen 

BArch

R3017/29274

R3017/29283

M., W.. Schonungslose Ausrottung des Verrats. Straßburger Neueste Nachrichten: amtliche Tageszeitung der NSDAP, 29.1.1943. 

Neveu, Céderic, & Forthoffer, Joel. Wodli Georges, In: Fontaine, Thomas, Cheminots victims de la répression. Paris, 2017.

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Strauss Leon, Ribeill Georges.

Wodli Georges, Charles. https://fusilles-40-44.maitron.fr/wodli-georges-charles-parfois-ecrit-vodli-pseudonymes-martin-ou-jules-ou-berger-charles/, aufgerufen am 01.04.2026. 
Wintzenheim 39-45. La dernière lettre d’Eugène Boeglin. http://wintzenheim3945.free.fr/C08C_C-Lettre/Lettre.htm , aufgerufen am 30.4.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Boeglin, Eugène
Geburtsdatum: 8.11.1912
Geburtsort: Michelbach-le-Haut, Département Haut-Rhin
Beruf: Assistenzprofessor Landwirtschaftsschule Rouffach
Einlieferungsdatum: 1.6.1943
Einlieferungsnummer: 33_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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