Maurice „Moritz“ Pierre Lemare

Kurzbiografie

Name, Vorname: Lemare, Maurice
Geburtsdatum: 13.7.1923
Geburtsort: Paris
Beruf: Mechaniker
Einlieferungsnummer: 70_1944
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: bandenmäßiger Diebstahl, Vergehen nach Kriegswirtschaftsordnung

Maurice Pierre Lemare wurde am 13. Juli 1923 in Paris als uneheliches Kind geboren. Seine Eltern, der Schweißer Henri Georges Lemare und Juliette Léonie, geborene Alexis, heirateten im darauffolgenden Jahr; die Ehe endete später in einer Scheidung. Über seine Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt. Überliefert sind lediglich der Besuch der Volksschule von seinem sechsten bis zum 15. Lebensjahr und eine anschließende Tätigkeit als Mechaniker. Zudem erlitt Lemare nach eigenen Angaben im Alter von 13 Jahren bei einem Autounfall eine dauerhafte Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit seines rechten Fußes. 

Ab Januar 1941 meldete sich der damals 17-jährige Franzose wiederholt freiwillig zum Einsatz als Hilfsarbeiter für deutsche Betriebe in den besetzten Ostgebieten. So arbeitete er für je etwa sechs Monate in der Firma ‚Auto-Strunk‘ in Krakau, der ‚Organisation Todt‘ in Smolensk sowie in einem weiteren „großen Deutschen Betrieb“, wie Lemare bei einem Verhör zu Protokoll gab, auf der Krim bei Sewastopol. Nach zwischenzeitlicher Rückkehr nach Paris wurde er im Mai 1943 über die französische Firma Dieu et Allain an die I.G. Farben in Ludwigshafen am Rhein vermittelt und im Lager II – dem sogenannten ‚Franzosenlager‘– untergebracht.

Bereits einen Monat darauf erkrankte er an Gelbsucht und war für mehrere Wochen arbeitsunfähig. Nach kurzer Rückkehr an den Arbeitsplatz erschien er ab dem 18. August 1943 nicht mehr zur Arbeit. Für diesen „Vertragsbruch“ nannte er in der Folge unterschiedliche Gründe: zunächst, dass er sich weiterhin krank gefühlt habe; später, weil er „als Elektriker beschäftigt war, von diesem Fach aber wenig Ahnung hatte und daher nicht viel Interesse aufbringen konnte.“ Fortan lebte er ohne festen Wohnsitz und geregeltes Einkommen. Für eine kurze Zeit schlief er noch im Lager, später übernachtete er in öffentlichen Luftschutzbunkern und im Keller einer ausgebrannten Schule in Ludwigshafen.

Noch vor seiner Erkrankung hatte Lemare begonnen, regelmäßig die Gastwirtschaft ‚Nassauer Hof‘ in Ludwigshafen zu besuchen, einen Treffpunkt für französische Hilfsarbeiter. Dort kam er im Sommer 1943 mit einer Gruppe von Stammgästen in Kontakt, die in einen regen Schleichhandel mit gestohlenen Brotmarken und anderen Waren, die mittels gestohlener oder gefälschter Bezugsscheine erstanden worden waren, involviert war.

Am 29. November 1943 wurde Lemare bei einem eigenen Diebstahl in der Mannheimer Bäckerei Zink festgenommen. Eine Nachbarin hatte beobachtet, wie er gemeinsam mit einem Komplizen einen Karton mit Brotmarken entwendete, als die Inhaberin nicht im Laden war.

Lemare Portrait
Quellen: GLA 507 Nr. 12358

Zwei Männer des Sicherheits- und Hilfsdienstes, die sich in Rufweite befanden, wurden alarmiert, Lemare wurde gefasst und schließlich an die Kriminalpolizei übergeben. Bei seiner Festnahme führte er keine gültigen Ausweispapiere mit sich. Stattdessen hatte er einen auf den Namen „Jean Thouvenot“ ausgestellten Werkausweis der I.G. Farben, einen gefälschten Bezugschein für Spinnstoffwaren sowie eine schwarze Maske in seinem Besitz.

Der Mannheimer Kriminalsekretär Hauck vermerkte hierzu: Aus diesen Gegenständen „allein geht schon hervor, daß man es mit einem Verbrecher zu tun hat.“ Obwohl Lemare eine Tatbeteiligung zunächst abstritt, wurde er in Untersuchungshaft genommen. Zur gleichen Zeit gerieten auch die französischen Hilfsarbeiter Auguste Gherardi, Yves Chevalier, René Hugues und André Dumur in Haft. Ihre Aussagen identifizierten sie als Bekannte Lemares und brachten ihn mit weiteren Straftaten in Verbindung, die zwischen Juli und November 1943 begangen worden waren. Insgesamt wurden ihm sechs weitere Brotmarkendiebstähle sowie zwei Einbruchsdiebstähle zur Last gelegt, die er im Verlauf des Verfahrens einräumte. Am 14. Juli 1944 befand das Sondergericht Mannheim Lemare schließlich wegen bandenmäßigen Diebstahls und Vergehen nach der Kriegswirtschaftsordnung für schuldig und verurteilte ihn zum Tode.

Vernehmung Lemare
Quellen: GLA 507 Nr. 12358

Nachdem er bereits zur Vollstreckung des Urteils ins Zuchthaus Bruchsal überführt worden war, reichte sein gerichtlich bestellter Verteidiger, Dr. Oskar Metzger, ein Gnadengesuch ein, das nach seiner Darstellung zwar „auch dem offenbaren Wunsche“ Lemares entspreche, aber ohne Absprache mit diesem, aus eigenem Antrieb verfasst worden war. Darin verwies er besonders auf das junge Alter und die damit einhergehende Naivität des zuvor unbestraften 20-Jährigen: So „erscheint es besonders hart, daß dieser junge, bisher unbescholtene und doch nur verführte Mitläufer zum Tode verurteilt wurde. Er hat es selbst bereut, daß er sich so weit eingelassen hat, ohne früher wieder herauszufinden.“ Des Weiteren hob er Lemares wiederholte freiwillige Arbeitsdienstleistung positiv hervor und stellte zur Erwägung, „ob nicht aus politischen Gründen“ eine Begnadigung des Franzosen angezeigt erscheine. Das Gesuch blieb ohne Erfolg. Am 24. August 1944 wurde Maurice Lemare im Zuchthaus Bruchsal mit dem Fallbeil hingerichtet.

Sein Leichnam wurde anschließend der Anatomie der Ruprecht-Karls-Universität zu Forschungszwecken übergeben.

Lea Stier

Quellen

GLA

507 Nr. 12358

Erstvernehmung Maurice Pierre Lemares durch Kriminalsekretär Breunig, 30.11.1943. 

Schlussbericht der Kriminalpolizeistelle Karlsruhe Außendienststelle Mannheim im Ermittlungsverfahren gegen Maurice Pierre Lemare, 2.12.1943. 

Erklärung auf Vorhalt Maurice Pierre Lemares, Vorführung im Gerichtsgefängnis Mannheim, 8.5.1944.

Gnadengesuch der Rechtsanwälte Dr. O. Metzger und Dr. E. Rebstein-Metzger in der Strafsache gegen Maurice Pierre Lemare an den Oberstaatsanwalt beim Landgericht Mannheim, 20.7.1944.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Lemare, Maurice
Geburtsdatum: 13.7.1923
Geburtsort: Paris
Beruf: Mechaniker
Einlieferungsnummer: 70_1944
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: bandenmäßiger Diebstahl, Vergehen nach Kriegswirtschaftsordnung

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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