Fedor Bulgatow wurde am 25. Dezember 1895/ 1899 in Rasschewatka in der Region Ordschonikidse (heute die Region Stawropol im Süden Russlands) geboren. Als sowjetischer Kriegsgefangener kam er während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland und starb am 19. Mai 1943 im Kriegsgefangenenlazarett Heppenheim. Sein Leichnam wurde anschließend an das Anatomische Institut Heidelberg abgegeben. In den überlieferten Dokumenten finden sich für seinen Namen unterschiedliche Schreibweisen. Er erscheint als Fjodor oder Fedor Bulgatow beziehungsweise Bulgakow.. Die unterschiedlichen Schreibweisen lassen sich vermutlich darauf zurückführen, dass der russische Name bei der Übertragung ins Deutsche nach seinem Klang wiedergegeben und von verschiedenen Personen unterschiedlich aufgefasst wurde. Auch sein Geburtsjahr ist nicht einheitlich überliefert: Während die Lazarettkarte den 25. Dezember 1895 nennt, ist auf seiner Personalkarte I der 25. Dezember 1899 vermerkt.
Geburtsort und Sterbedaten stimmen jedoch in beiden Dokumenten überein, sodass davon auszugehen ist, dass es sich um dieselbe Person handelt. Diese widersprüchlich überlieferten Lebensdaten sind bei der Recherche nach Sowjetischen Gefangenen bislang regelmäßig vorgekommen.
Bulgatow war Bauer, russischer Staatsangehöriger und orthodoxen Glaubens. Er hatte schwarze Haare, war 1,65 m groß und wurde als Soldat beziehungsweise Gefreiter der Roten Armee angegeben. Er war mit Alexandra Bulgatow verheiratet. Sein Vater hieß Ivanovich Bulgatow und seine Mutter Tatjana Pawlowa.

Für die Rekonstruktion seiner Gefangenschaft sind insbesondere die Personalkarte I der Wehrmacht und seine Lazarettkarte von Bedeutung. Die Wehrmacht registrierte die sowjetischen Kriegsgefangenen in den Lagern und erfasste dabei unter anderem Namen, Vornamen, Lager, Beruf, Staatsangehörigkeit, Arbeitskommandos und Todesfälle. Bulgatow wurde am 25. Mai 1942 in Charkow, der heute zweitgrößten Stadt der Ukraine, gefangen genommen. Am 21. August 1942 kam er im Stalag XII A an, einem Kriegsgefangenenlager bei Limburg an der Lahn. Ab dem 9. Oktober 1942 befand er sich zeitweilig in Bad Weilbach in einem Zwangsarbeiterlager, in dem zwischen 1942 und 1945 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene in einem Gemeinschaftslager untergebracht waren. Die Gefangenen lebten dort auf engstem Raum und unter Bedingungen, die systematisch auf das Sterben ausgelegt waren.
Am 5. November 1942, knapp einen Monat später, befand sich Bulgatow wieder im Stalag XII A, vermutlich im Krankenrevier. Etwa 20 Tage später leistete er bei Mainz einen Arbeitseinsatz. Einige Wochen später kehrte er erneut in das Revier des Stalag XII A zurück. Sein Weg durch die verschiedenen Lager und Arbeitskommandos zeigt, wie wechselhaft und belastend seine Gefangenschaft gewesen sein muss. Welche Bedingungen er an den einzelnen Orten tatsächlich erlebte, lässt sich anhand der erhaltenen Dokumente allerdings nicht rekonstruieren.
Am 9. Mai 1943 wurde Bulgatow aus dem Kriegsgefangenenrevier Limburg an der Lahn in das Kriegsgefangenenlazarett Heppenheim verlegt. Dort starb er zehn Tage später, am 19. Mai 1943, um 2 Uhr morgens. Als Erkrankung ist auf der Lazarettkarte Lungen- und Darmtuberkulose angegeben. Diese Krankheiten traten unter den Bedingungen der Kriegsgefangenschaft unter anderem infolge extremer Unterernährung, Kälte, mangelnder Hygiene und des engen Zusammenlebens auf. Als primäre Bestattungsstätte wird in den Akten Heidelberg genannt.
Auffällig ist, dass sich Bulgatows Übergabe an die Heidelberger Anatomie anhand mehrerer, unabhängiger Quellen nachvollziehen lässt, obwohl er im Leichenjournal der Anatomie nicht verzeichnet ist. Auf der Lazarettkarte findet sich der ausdrückliche Vermerk: „Die Leiche wurde an das Anatomische Institut Heidelberg abgegeben.“ Auch in den Unterlagen der Arolsen Archives ist Bulgatow als „Anatomieleiche“ gekennzeichnet. Darüber hinaus ist Bulgatow in der Liste des Heidelberger Bergfriedhofs unter dem „Aschensammelgrab (Asche aus Leichenresten von der Anatomie)“ aufgeführt.
Üblicherweise wurden Leichen, die an die Anatomie geliefert wurden, auch während der NS-Zeit im Leichenjournal registriert. Bei Bulgatow fehlt jedoch nicht nur ein entsprechender Eintrag; es lässt sich auch keine passende namenslose Lücke feststellen, der sein Leichnam zugeordnet werden könnte.
Franziska Mudter
Quellen:
Arolsen Archiv
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70517656
StAHD
Gräberliste Bergfriedhof
LFA 5-2026/3
OBD-Memorial
https://obd-memorial.ru/html/info.htm?id=300994618, aufgerufen am 16.9.2026.
https://obd-memorial.ru/html/info.htm?id=300994618&p=2, aufgerufen am 16.9.2026.
https://obd-memorial.ru/html/info.htm?id=300339560, aufgerufen am 16.9.2026.
https://obd-memorial.ru/html/info.htm?id=300339560&p=2, aufgerufen am 16.9.2026.



