Alphonse Arthur Kunz

Kurzbiografie

Name, Vorname: Kunz, Alphonse Arthur
Geburtsdatum: 18.5.1911
Geburtsort: Mulhouse, Département Haut-Rhin
Beruf: Eisenbahner
Einlieferungsdatum: 29.06.43
Einlieferungsnummer: 60_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

Alphonse Arthur Kunz wurde am 18. Mai 1911 in Mulhouse, Département Haut-Rhin geboren. Im Alter von 21 Jahren, am 9. August 1932, fand seine Hochzeit mit Jeanne Scherer statt. Noch im gleichen Jahr wurde ihr erstes gemeinsames Kind, René geboren. Drei Jahre später folgte die Tochter Jeanne. Die Familie wohnte in Mulhouse-Dornach. Kurz arbeitete im Nachbarort Riedisheim als Eisenbahner und Rangiermeister bei den dortigen Eisenbahnwerkstätten. 

Ab Juni 1941 war er Mitglied der „Groupe Wodli“, einer Résistance-Organisation unter der Leitung des Kommunisten Georges Wodli, der von der illegalen Kommunistischen Partei als internationaler Delegierter für Elsass und Lothringen den Auftragt hatte, den Widerstand im Untergrund aufzubauen. Zusätzlich war der Eisenbahner auch Mitglied der „Forces françaises combattantes“ (FFC), eines Zusammenschlusses französischer Flucht-, Nachrichten und Sabotagenetzwerke unter der Leitung Londons, deren Ziel es war, das französische Staatsgebiet von der nationalsozialistischen Besatzungsmacht zu befreien. In der FFC hatte Kunz den Rang eines „Agent P2“ inne, was bedeutete, dass er hauptamtlicher, ständiger Widerstandsangehöriger im Untergrund war. Daneben war er in der kommunistisch geprägten Gewerkschaft CGT („Confédération générale du travail“) aktiv. Für die Wodli-Gruppe warb er neue Mitglieder an, beauftragte die Verteilung von Flugblättern und wirkte an verschiedenen Sabotageakten mit.

Aufgrund seines Wirkens im französischen Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht wurde er am 12. Mai 1942 in Carspach, Département Haut-Rhin, von der Gendarmerie aus der benachbarten Stadt Altkirch verhaftet. Im Anschluss war Kunz zunächst in Mulhouse interniert, bevor er am 21. Juli 1942 in den „Bunker“ des „Sicherungslagers“ Schirmeck-Vorbruck (Schirmeck La-Broque) verlegt wurde. Zuvor waren bereits sechs weitere Mitglieder der Wodli-Gruppe von der Gestapo dorthin verschleppt und anschließend gefoltert worden. Genauso wie sie wurde der französische Widerstandskämpfer Anfang November nach Bühl in Baden deportiert, um dann kurz vor der Gerichtsverhandlung ab dem 16. März 1943 vorübergehend in Strasbourg inhaftiert zu werden. Am 19. März wurden Alphonse Kunz sowie drei weitere Widerstandskämpfer der „Groupe Wodli“, Édouard Schwartz, René Kern und Marcel Stoessel vom Volksgerichtshof unter Vorsitz des Richters Roland Freisler wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Eine Woche später wurden sie in das Gefängnis in Stuttgart verlegt, wo sie bis zu ihrer Hinrichtung inhaftiert blieben.

Am 29. Juni 1943 wurde Kunz um 6:21 Uhr im Lichthof des Landgerichts Stuttgart mit der Guillotine hingerichtet. Sein Körper wurde noch am gleichen Tag unter der Leichenjournal-Nummer 60/43 in die Anatomie der Universität Heidelberg eingeliefert. Er hinterließ seine Ehefrau Jeanne, seinen elfjährigen Sohn René und seine acht Jahre alte Tochter Jeanne. Nach der Einäscherung seiner Leiche wurden die sterblichen Überreste auf dem Bergfriedhof in Heidelberg in einem Massengrab beigesetzt. Dort wurden mit Ausnahme von Marcel Stoessel sechs weitere Mitglieder der „Groupe Wodli“ begraben. Bis heute wird ihnen auf einer Erinnerungstafel an dem Grab gedacht. Kunz wurde posthum als Mitglied der „Forces françaises combattantes“ anerkannt. Sein Name findet sich außerdem auf einer Gedenktafel der SNCF („Société nationale des chemins de fer français“), der französischen staatlichen Eisenbahngesellschaft, im Bahnhof von Mulhouse wieder.

Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Familie Brändle

Quellen 

Neveu, Céderic, & Forthoffer, Joel. Wodli Georges, In: Fontaine, Thomas, Cheminots victims de la répression. Paris, 2017.

Musée de la Résistance en ligne 1940-1945. Blondan, Michael. 

Déterminer et valoriser le statut des agents FFC.

https://www.museedelaresistanceenligne.org/musee/doc/pdf/ressource_methodologique/42.pdf, aufgerufen am 01.04.2026.

Musée de la Résistance en ligne  1940-1945 

Les réseaux de la France combattante : organisation et missions   https://www.museedelaresistanceenligne.org/expo.php?expo=119&theme=246, aufgerufen 01.04.2026.  

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Ponnavoy, Jean-Louis, & Strauss, Leon.

Kunz, Alphonse, Arthur, https://fusilles-40-44.maitron.fr/kunz-alphonse-arthur/, aufgerufen am 01.04.2026.

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Strauss Leon, Ribeill Georges.

Wodli Georges, Charles. https://fusilles-40-44.maitron.fr/wodli-georges-charles-parfois-ecrit-vodli-pseudonymes-martin-ou-jules-ou-berger-charles/, aufgerufen am 01.04.2026. 

Wintzenheim 39-45. Morgen, Daniel. 

Auguste Sontag, membre du Réseau Wodli. Von http://wintzenheim3945.free.fr/C08A_Sontag(Wodli)/Mausolee1.jpg, aufgerufen am 27.2.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Kunz, Alphonse Arthur
Geburtsdatum: 18.5.1911
Geburtsort: Mulhouse, Département Haut-Rhin
Beruf: Eisenbahner
Einlieferungsdatum: 29.06.43
Einlieferungsnummer: 60_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

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