Käthe Seitz (geb. Katharina Philippine Brunnemer) wurde am 12. Februar 1894 als Einzelkind in Ludwigshafen in eine politisch engagierte, sozialdemokratische Familie geboren und trat später auch selbst in die SPD ein.
Nach ihrem Umzug mit ihren Eltern nach Kleve 1912 und der Heirat mit Theodor Janssen 1913 wurde sie 1919 als eine der ersten Frauen in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Dort setzte sich die dreifache Mutter laut ihrer Tochter Hilde Janssen besonders für die Arbeiterwohlfahrt und andere soziale Einrichtungen für Benachteiligte ein. Bereits im Jahr 1922 kehrte die Familie in die Kurpfalz zurück, nachdem Käthes Vater, Philipp Brunnemer, aus beruflichen Gründen von Kleve nach Mannheim versetzt worden war.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte Käthe Seitz ihr politisches Engagement unter deutlich gefährlicheren Bedingungen fort. Käthe war in zweiter Ehe mit Alfred Seitz verheiratet. Zusammen lebten die beiden in Heidelberg im Stadtteil Rohrbach in der Karlsruher Straße 46.
In Heidelberg knüpfte das Ehepaar Seitz Kontakte zu einer Widerstandsgruppe, die von dem früheren kommunistischen Landtagsabgeordneten Georg Lechleiter organisiert wurde. In ihrer Wohnung in der Karlsruher Straße 46 fanden entscheidende Treffen dieser Gruppe statt, bei denen sie unter anderem die Herausgabe einer illegalen antifaschistischen Zeitung mit dem Titel „Der Vorbote“ beschlossen. Die Gruppe versuchte vor allem, durch unzensierte Informationen in Mannheimer Großbetrieben den Widerstandswillen gegen den Nationalsozialismus zu stärken.
Käthe Seitz übernahm eine zentrale Rolle bei der Herstellung dieser Zeitung: Sie tippte in ihrer Heidelberger Wohnung die von Lechleiter für die Zeitung verfassten Texte auf Matrizen, während ihr Vater diese in seinem Keller in Mannheim vervielfältigte. Die illegale Tätigkeit blieb allerdings nicht unentdeckt. Die Gestapo konnte die Gruppe durch einen eingeschleusten Agenten enttarnen, worauf eine Verhaftungswelle gegen die Mitglieder der Lechleiter-Gruppe folgte.

Ab dem 25. Februar 1942 kamen zahlreiche Verhaftungen und Folterverhöre zustande, darunter auch Käthe Seitz, ihre Tochter Hilde Janssen, ihr Vater und ihr Ehemann. In dem anschließenden Verfahren vor dem Volksgerichtshof im Mannheimer Schloss versuchte Käthe Seitz ihren Mann Alfred zu entlasten, indem sie alle Verantwortung auf sich zog und erklärte, er habe von ihren politischen Aktivitäten nichts gewusst. Alfred Seitz stellte sich hingegen klar an ihre Seite und äußerte, er habe sein Leben mit ihr geteilt und wolle nun auch mit ihr in den Tod gehen.

Das Gericht verhängte am 15. Mai 1942 gegen 14 Angeklagte der Lechleiter-Gruppe, darunter Käthe und Alfred Seitz sowie Philipp Brunnemer, die Todesstrafe durch das Fallbeil. Käthe brach bei der Urteilsverkündung wohl bewusstlos zusammen. Sie wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Betätigung für die Ziele der KPD und Wehrkraftzersetzung verurteilt. Am 15. September 1942 wurden Käthe Seitz, ihr Mann und ihr Vater durch das Fallbeil in Stuttgart hingerichtet.

Kurz vor ihrer Hinrichtung verfasste sie noch einen Abschiedsbrief an ihre Tochter Hilde, in dem sie ihren gemeinsamen Schmerz über Verfolgung und Haft erwähnt und Trost darin suchte, dass sie ihr Schicksal mit vielen anderen Angehörigen des Widerstands teilte. Hilde verbüßte zu diesem Zeitpunkt selbst eine Zuchthausstrafe, überlebte diese und das Kriegsende allerdings, da die Gestapo sie nie eindeutig der Beteiligung an der Herausgabe der Widerstandszeitung überführen konnte.
Heute erinnert ein Stolperstein vor dem Haus Karlsruher Straße 46 in Heidelberg-Rohrbach an Käthe Seitz und ihren Ehemann. Er markiert ihren letzten frei gewählten Wohnort und verweist auf ihr Engagement im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, das sie mit dem Leben bezahlen musste. Außerdem trägt seit 1974 eine Straße in Neuenheim den Namen „Seitzstraße“.
Käthe Seitz steht exemplarisch für Frauen, die aus sozialdemokratischen und kommunistischen Zusammenhängen heraus den Mut fanden, der Diktatur mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutreten. Nach der Hinrichtung in Stuttgart wurde der Leichnam von Käthe Seitz, wie die ihres Mannes und Vaters, mit der Eingangsnummer 61_1942 an das Anatomische Institut der Universität Heidelberg zu „Lehr- und Forschungszwecken“ überführt. Heute weiß man, dass sie vermutlich nach der Einäscherung im „Gräberfeld P“ auf dem Heidelberger Bergfriedhof bestattet wurden. Dort wird heute durch eine Gedenkstätte an die Opfer der NS-Justiz wie Käthe Seitz erinnert. Außerdem ist ihr Name auf einer Gedenktafel auf dem Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde zu finden.
Rebecca Klossika
Quellen
GLA
5528 Nr. 7902835
Volksgerichtshof-Verfahren gegen Mitglieder der sogenannten „Lechleiter-Gruppe“, u. a. Käthe und Alfred Seitz, Philipp Brunnemer
Ehmann, Michael. Um 5.04 Uhr war das Urteil ohne Zwischenfall vollstreckt. In Heidelberg Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 2024. Heidelberg, 2023.
Faster, Hildegard. Ich lebe trotzdem. Schutterwald, 2005.
Initiative Stolpersteine Heidelberg. Käthe & Alfred Seitz. https://www.stolpersteine-heidelberg.de/mediapool/pdf/2011-fam-seitz.pdf, aufgerufen am 01.04.2026.
Frauen im Widerstand 33–45: Seitz, Käthe, Online-Biografie auf der Website „Frauen im Widerstand 33–45“. https://www.frauen-im-widerstand-33-45.de/biografien/biografie/seitz-kaethe/p-12/m-1, aufgerufen am 01.04.2026.



