Rudolf Geisert kam am 17. April 1858 als Sohn des Landwirts Karl Geisert und dessen Frau Luise, geb. Kunz, in Stupferich bei Karlsruhe zur Welt. Er besuchte 8 Jahre die Volkschule und arbeitete danach in der Landwirtschaft.
Ab circa 1910 lebte und half Geisert auf dem Lamprechtshof bei Durlach bei dem Bauern David Horsch, der in der Krankenakte als Geiserts Pfleger verzeichnet ist. Die Gründe für die Pflegschaft sind in der Akte nicht überliefert. Geisert trank in den 1930er Jahren viel Alkohol und wurde wegen Wesensveränderungen aufgrund von „arteriosklerotischer Demenz“ auffällig. Er verbrachte ein halbes Jahr in der Anstalt Hub und danach jeweils zwei weitere Jahre in der Anstalt Schafberg und dem Altenheim in Durlach, wo er die Schwestern bedrohte und deshalb als „gemeingefährlich“ bezeichnet wurde.
Daher beantragte das städtische Krankenhaus Karlsruhe, in dem er ab dem 16. Februar 1939 wegen Bronchitis und Beschwerden beim Gehen in Behandlung war, „raschestens“ eine „Verbringung“ in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Diese erfolgte am 3. März 1939 gemäß §4 des badischen Irrenfürsorgegesetzes. Geisert wurde die Diagnose „senile Demenz“ gestellt. Die Kommunikation mit dem Pflegepersonal erschwerte sich durch seine Schwerhörigkeit und seinen starken Dialekt, aber der 81-jährige Geisert betonte ständig, entlassen werden und wieder arbeiten gehen zu wollen.
Geisert verbrachte viereinhalb Monate in der Anstalt Illenau, wo er am 19. Juli 1939 starb. Als Todesursache hielt man „allgemeine Kreislaufschwäche“ fest, und sein Körper wurde am 20. Juli mit der Eingangsnummer 37 des Jahres 1939 in das Anatomische Institut Heidelberg gebracht.
Sjana Reisinger
Quellen:
StAF
B821/2 Nr. 6889 Geisert, Rudolf, geb. 1858.


