Josephine Hatz

Kurzbiografie

Name, Vorname: Hatz, Josephine
Geburtsdatum: 16.03.1873
Geburtsort: Oberweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einlieferungsdatum: 15.06.1934
Einlieferungsnummer: 69_1934
Todesursache: Illenau

Josephine Hatz wurde zwischen 1924 und 1934 insgesamt siebenmal in die Badische Heil- und Pflegeanstalt Illenau aufgenommen. Ihr letzter Aufenthalt begann am 1. Juni 1934 und endete zwei Wochen später mit ihrem Tod. Hatz wurde am 16. März 1873 in Oberweier bei Karlsruhe geboren und lebte zuletzt in Sinzheim im Landkreis Rastatt. Sie war katholisch, ledig und arbeitete als Dienstmädchen. In ihrer Patientenakte werden Ludwig und Wilhelmine Hatz als ihre Eltern sowie eine Schwester, Amelie Hatz, genannt.

Über Hatz’ Leben vor ihrer ersten Aufnahme in die Illenau ist nur wenig überliefert. In der Patientenakte findet sich die rückblickende Charakterisierung, sie sei eine „schwere Schülerin, viel grübelnd“, gewesen. Die Aufnahme am 3. Mai 1924 erfolgte freiwillig aufgrund depressiver Beschwerden. Als Diagnose ist in der Akte „Melancholie (Hysterie)“ eingetragen. Wie auch bei ihren späteren Aufenthalten wurde sie in der Verpflegungsklasse III geführt, der niedrigsten und kostengünstigsten Versorgungskategorie der Anstalt. Am 31. Oktober 1924 konnte sie wieder nach Hause entlassen werden. Zwischen ihren Aufenthalten in der Illenau arbeitete Hatz zeitweise als Putzfrau.

Im Juli 1926 kam es erneut zu einer psychischen Krise. Nach dem ärztlichen Aufnahmezeugnis war Hatz am 21. Juli aufgegriffen worden, als sie sich in suizidaler Absicht in die Alb stürzen wollte. Sie wurde daraufhin in ein Karlsruher Krankenhaus gebracht. Ihre Äußerungen waren stark von religiösen Schuld- und Minderwertigkeitsvorstellungen geprägt. So sagte sie unter anderem, sie habe „nicht recht gebetet“, ihre „Seele [sei] verloren“, und sie schäme sich vor ihren Verwandten. Außerdem berichtete sie von unruhigem Schlaf, geringem Appetit und davon, nachts ihren Namen gerufen gehört zu haben. Am 24. Juli 1926 wurde sie stationär in die Illenau aufgenommen und blieb dort bis zum 30. Juni 1927.

Ein ähnlicher Zustand ist für den Sommer 1928 dokumentiert. Im Aufnahmezeugnis vom 4. Juli 1928 berichtete Hatz, sie habe zuletzt keine Ruhe mehr gefunden, keine Freude mehr empfunden und nicht mehr arbeiten können. Erneut hatte sie versucht, sich in der Alb das Leben zu nehmen. Nach Aufforderung einer Bekannten war sie jedoch wieder aus dem Wasser gekommen und anschließend in ein Krankenhaus gebracht worden. Dr. Schönig beschrieb sie bei der Untersuchung als unruhig und klagend, zugleich aber als ansprechbar und klar orientiert. Hinweise auf Sinnestäuschungen oder Lähmungserscheinungen fanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht. Zwei Tage später erfolgte ihre erneute Aufnahme in die Illenau.

Die Patientenakte dokumentiert weitere Aufenthalte in den folgenden Jahren. Im Februar 1929 bat Hatz wiederholt um Entlassung und erklärte, sie fühle sich vollständig gesund. Einen Monat später wurde sie entlassen. Ihr fünfter Aufenthalt, ein halbes Jahr später, folgte vom 12. August 1929 bis zum 22. Februar 1930.

Bei einer weiteren Aufnahme im Jahr 1932 wurde Hatz als sehr gesprächig, lebhaft und „manisch“ beschrieben. Das von Dr. Schmelcher am 17. Mai 1932 ausgestellte Aufnahmezeugnis nennt eine zunehmende „manisch gefärbte Erregung“, Schlaflosigkeit, Nahrungsverweigerung und Vergiftungsvorstellungen. Hatz habe gesungen, getanzt und wiederholt dieselben Worte, Handlungen oder Melodien ausgeführt. Aufgrund der starken Erregung sei zunächst keine körperliche Untersuchung möglich gewesen. Im selben Zeugnis wurde außerdem eine „erbliche Belastung“ vermerkt und angegeben, Mutter und Schwester seien „geisteskrank“ gewesen.

Hatz Josephine
Quelle: StAF B 821/2 Nr. 20576 und Nr. 20588

Ende Mai 1934 wurde Hatz erneut in ein Krankenhaus gebracht. Im Aufnahmezeugnis für ihren letzten Aufenthalt beschrieb Dr. Schmelcher einen Erregungs- und Verwirrtheitszustand. Der Arzt ging außerdem von Trugwahrnehmungen aus. Gleichzeitig bestanden deutliche körperliche Beschwerden, unter anderem Anzeichen einer eingeschränkten Herz- und Kreislauffunktion. Konkrete Maßnahmen zur Behandlung dieser Beschwerden sind in der Patientenakte nicht dokumentiert. Auffällig ist zudem die wertende Sprache der ärztlichen Dokumentation.

Am 1. Juni 1934 wurde sie zum siebten Mal in die Illenau aufgenommen. In den ersten Tagen blieb sie unruhig und ungeordnet. Nachdem sie Bettzeug zerrissen hatte, wurde ihr laut Akte eine „feste Jacke“ angezogen. Hatz habe daraufhin angegeben, „nichts mehr zu zerstören, falls man ihr die Jacke ausziehe”, außerdem wurde in der Akte am selben Tag dokumentiert “Pat behaupt. […] einfach, man habe ihr kein Essen gegeben.”

Hatz Josephine
Quelle: StAF B 821/2 Nr. 20576 und Nr. 20588

In den folgenden Tagen verschlechterte sich insbesondere ihr körperlicher Zustand. Am 11. Juni wurde sie als „weinerlich“ und unruhig beschrieben.  Am 12. Juni vermerkte man in der Akte einen „sehr kleinen“ und unregelmäßigen Puls sowie ein „elendes Aussehen“. Am 14. Juni wurde festgehalten, dass sie „boshaft” sei, da sie ihr Bett mit Stuhl vollgeschmiert habe und dass ihr Zustand „durch Mittel nicht mehr beeinflußbar“ sei. Welche Behandlungsmaßnahmen zu diesem Zeitpunkt durchgeführt wurden, geht aus den vorliegenden Verlaufsnotizen nicht näher hervor. 

Am 15. Juni wurde Hatz bei der Nachmittagsvisite als „verfallen“ beschrieben.

Am Abend war ihr Puls kaum noch fühlbar und unregelmäßig, die Atmung wurde als krampfhaft bezeichnet. Um 22.15 Uhr starb Josephine Hatz im Alter von 61 Jahren. Als Todesursache wurde in ihrer Akte „Herzinsuffizienz“ angegeben. Ihr letzter Aufenthalt in der Illenau hatte damit lediglich 14 Tage gedauert.

Noch im abschließenden Eintrag der Patientenakte findet sich der Vermerk „zur Anatomie“. Hatz’ Leichnam wurde anschließend an das Anatomische Institut der Universität Heidelberg übergeben und dort als 69. Leiche des Jahres 1934 registriert.

Franziska Mudter

Quellen:

StAF

B 821/2 Nr. 20576 und Nr. 20588 Hatz, Josephine, geb. 16.3.1873.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Hatz, Josephine
Geburtsdatum: 16.03.1873
Geburtsort: Oberweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einlieferungsdatum: 15.06.1934
Einlieferungsnummer: 69_1934
Todesursache: Illenau

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