„Ich stehe nun auf der Schwelle, das Leben zu verlassen, das dennoch so schön war, und so all das zurückzulassen, was mir auf dieser Welt das Liebste war, Euch Beide, die ich von ganzem Herzen verehrt habe und die mir dies erwidert haben“. Diese Worte schrieb Maxime Pierre Perreau in einem Abschiedsbrief an seine Frau und seinen fünf Jahre alten Sohn an dem Tag, an dem er von seinem Todesurteil erfuhr.
Er wurde am 4. Juni 1909 in Pouillenay, Dep. Côte-d’Or, als Sohn von Frédéric Perrau, 39 Jahre alt und Marie-Céline-Emélie, geb. Maniére, 36 Jahre alt, geboren. Sein Vater war Eisenbahner, seine Mutter ging keinem Beruf nach. Perreau wuchs mit einer Schwester auf und war katholischen Bekenntnisses. Er heiratete Noémie, geb. Billard, am 29. Mai 1937 und bekam mit ihr am 5. April 1938 einen Sohn, André Perreau, den er „Dédé“ nannte.
Dem Besuch der Volksschule in Beaune folgte 1924 eine Lehre zum Eisenbahnschlosser am Bahnhof in Beaune. Anschließend arbeitete er ab 1925 als Eisenbahnarbeiter im Eisenbahndepot Dijon-Perrigny und war Mitglied in der kommunistisch orientierten Gewerkschaft CGT (Confédération générale du travail). Zwischen 1930 und 1931 diente er beim 125. Train-Regiment in Féz, Marokko wurde aber während des Zweiten Weltkriegs nicht erneut eingezogen.
Im Jahre 1940 begann Perreau sich im französischen Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzungsmacht in der Widerstandsgruppe um Maurice Thuringer zu engagieren. Zu seiner Beteiligung an den Aktionen der Widerstandsgruppe hieß es in der Urteilsbegründung: „Er war an dem Bergen und Verstecken der abgeworfenen Waffen und Sprengkörper am 16. Juli 1943 beteiligt. Er hat seinen Anteil an den abgeworfenen Lebensmitteln erhalten. Er hat sich eine Maschinenpistole und drei Magazine genommen. […] Er war weiter an dem Sprengstoffanschlag auf das Transformatorenhaus am 10. August 1943 (ausgeführt von Gaspard im auf Anweisung des Thuringer) als Aufpasser beteiligt“. Dafür wurde er am 29. November 1943 vom Feldgericht 669 in Dijon zum Tode verurteilt und verfasste noch am selben Abend einen Abschiedsbrief an seine Frau Noémie und seinen Sohn André. Dieser ist nur überliefert, da Noémie diesen, versteckt im Saum eines von Perreaus schmutzigen Hemden, aus dem Gefängnis in der Rue d’Auxonne herausschmuggeln konnte. Perreau war sich seiner Lage bewusst und richtete liebevolle Worte an seine Frau und seinen Sohn: „ich stehe nun auf der Schwelle, das Leben zu verlassen“. Er formulierte den Wunsch, seine Frau und seine Eltern nochmals sehen zu dürfen: „ich möchte euch alle gerne umarmen, bevor ich gehen muss, das würde eine große innere Freude für mich sein“. Die Wahl seiner letzten Ruhestätte überließ er seiner Frau. Perreau wusste nicht, dass diese darüber infolge seiner Einlieferung in die Anatomie der Universität Heidelberg nicht mehr entscheiden konnte. Er beendete seinen Abschiedsbrief mit den Worten: „Du, meine Liebe, umarme meinen lieben Dédé und passe gut auf ihn auf. Du, meine Geliebte, bekommst von diesem, der dich liebt und dich immer lieben wird für sein Leben, die süßesten Küsse und Liebkosungen. Dein Max“.
Am 19. April 1944 um 5:32 Uhr wurde Maxime Perreau im Lichthof des Landgerichts Stuttgart durch die Guillotine hingerichtet. Seine Leiche wurde nicht in Saint Sabine oder Dijon beigesetzt, wie von ihm präferiert, sondern noch am gleichen Tag ohne Wissen seiner Familie als Nummer 19/44 in die Anatomie der Universität Heidelberg eingeliefert. Die Einäscherung erfolgte 1947. Er hinterließ seine Frau Noémie und seinen sechsjährigen Sohn André „Dédé“.
Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Brigitte und Gerhard Brändle
Quellen
GLA
309 Nr. 6076
Archives Côte d’Or
https://archives.cotedor.fr/console/ir_ead_visu.php?eadid=FRAD021_000000912&ir=26564
Pouillenay 1903-1914
FRAD021EC 500/009
Abschiedsbrief von Maxime Perreau, Bearbeitung Brigitte und Gerhard Brändle, 2018.
Neveu, Céderic; Fontaine, Thomas. Perreau Maxime. In: Fontaine, Thomas, Cheminots victimes de la répression. Paris, 2017.
Le Maitron. Dictionnaire biographique. Ponnavoy, Jean-Louis.Perreau, Maxime. https://maitron.fr/perreau-maxime-pierre-dictionnaire-des-fusilles-et-executes/, aufgerufen am 30.3.2026.




