Heinrich Fehrentz

Kurzbiografie

Name, Vorname: Fehrentz, Heinrich
Geburtsdatum: 26.6.1908
Geburtsort: Spiesen
Beruf: Kraftfahrer
Einlieferungsdatum: 23.12.1943
Einlieferungsnummer: 83_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

Heinrich Fehrentz wurde am 26. Juni 1908 in Spiesen im Saarland als eines von zehn Kindern in eine Bergarbeiterfamilie geboren. Nach seinem Schulabschluss musste er mit 14 Jahren in einer Kohlengrube arbeiten, um zum Familienunterhalt beizutragen. Eine später begonnene Schlosserlehre konnte er nicht abschließen. Er arbeitete Ende der 1920er Jahre als Tagelöhner im Elsass und in Luxemburg, meist in der Landwirtschaft, später auch als Bauschlosser. 

1931 zog Fehrentz nach Heidelberg zu seinem Bruder Hans, der dort KPD-Stadtverordneter im Bürgerausschuss war. Fehrentz arbeitete zunächst als Schuhmacher, dann als Rolladenmonteur und nach einem Motoradunfall als Kraftfahrer und Schlosser. 

Fehrentz bewegte sich wie sein Bruder im engeren Umfeld der KPD. Er war Mitglied des Arbeitersportvereins „Fichte“. Dort war er als guter Ringer bekannt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Fehrentz aufgrund dieser Kontakte im August 1933 der illegalen Betätigung für die KPD verdächtigt. Er wurde für 6 Wochen in Untersuchungshaft genommen, das Verfahren gegen ihn wurde aber aus Mangel an Beweisen eingestellt. Wegen unerlaubtem Waffenbesitz wurde er 1933 zu einer Geldstrafe verurteilt. In den Jahren 1934 und 1935 wurde von der Gestapo mehrfach gegen ihn wegen mutmaßlicher Unterstützung der KPD ermittelt, ohne Ergebnis. Im Jahre 1938 heiratete er Gertrud Blum, mit der er zwei Söhne hatte, der jüngere Sohn verstarb noch vor seinem Vater. Die Familie wohnte in der Heidelberger Altstadt in der Dreikönigstraße 15. 

Mit Kriegsausbruch begann der mittlerweile 31-jährige Fehrentz in seiner Wohnung ausländische Radiosender abzuhören. Mit einer Gruppe politisch gleichgesinnter Freunde kegelte er regelmäßig im „Schlossquell-Stammhaus“. Sonntags traf man sich in der Gaststätte „Neckarstaden“ und führte politische Gespräche. Dort wurden die über das Radio erlangten Nachrichten diskutiert und das NS-Regime offen kritisiert. 

Am 10. Februar 1943 wurde Fehrentz in seiner Wohnung am frühen Morgen von der Gestapo verhaftet. Er war wie sieben weitere Personen aus dem erwähnten Freundeskreis wahrscheinlich durch einen Spitzel verraten worden. Der Prozess gegen die Gruppe fand vor dem Oberlandesgericht Stuttgart im Landgerichtsgebäude Heidelberg statt und endete am 26. Oktober 1943.

Fehrentz
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.. Ermordet wegen seiner antifaschistischen Überzeugung: Dieter Fehrentz, 17.4.2020. https://heidelberg.vvn-bda.de/ermordet-wegen-seiner-antifaschistischen-ueberzeugung-heinrich-fehrentz/, aufgerufen 9.2.2026.

Die Anklagepunkte lauteten: Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetzung und Abhören von Feindsendern. In der Urteilsbegründung wurde Heinrich Fehrentz die zentrale Rolle des Anführers und Agitators zugeschrieben. Fehrentz wurde unterstellt, als „kommunistischer Rädelsführer“ gewirkt zu haben, die Mitglieder der Kegelrunde zum Kampf gegen Deutschland aufgefordert und die jüngeren Angeklagten massiv beeinflusst zu haben. Das Gericht behauptete, er habe eine kommunistische Revolution nach der militärischen Niederlage des Deutschen Reichs vorbereiten wollen.  Durch das gemeinsame Abhören von Feindsendern sowie das anschließende Singen der „Internationale“ sei die Gruppe ideologisch geschult worden. Auf Basis dieser Vorwürfe konstruierte das Gericht einen besonders schweren Fall von Hochverrat. Der Staatsanwalt Dr. Heinrich Krebs forderte die Todesstrafe und charakterisierte Fehrentz als gefährlichen und unverbesserlich kommunistischen Staatsfeind, selbst das Kriegsstrafrecht wurde hinzugezogen, obwohl keiner der Angeklagten Angehöriger der Wehrmacht war. Er habe sich selbst laut Urteil „aus der deutschen Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen. Das Gericht verurteilte Fehrentz zum Tode. Seine sechs Mitangeklagten erhielten hingegen Zuchthausstrafen. 

Das Gnadengesuch für Heinrich Fehrentz wurde abgelehnt. In einem Telegramm an seine Frau hieß es nur, der Reichsminister der Justiz habe von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht. Das Todesurteil wurde am 22. Dezember 1943 in Stuttgart vollstreckt.

Seine Leiche wurde ohne Benachrichtigung der Angehörigen der Anatomie der Universität Heidelberg übergegeben. Nach dem Krieg wurde Gertrud Fehrentz von Professor Hermann Hoepke mitgeteilt, dass sich noch eines der Beine ihres Mannes in der Anatomie befand. Dieser riet ihr es in einem Kindersarg beerdigen zu lassen. Dies musste die Witwe auf eigene Kosten veranlassen. Die Stadtkasse Heidelberg stellte im Mai 1950 für die Sarglieferung, Gebühren und Sonderleistungen etc. einen Forderungszettel in Höhe von 57 DM aus. Die Beerdigung wurde jedoch zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben, bis das Bein von Heinrich Fehrentz schließlich am 22. Juli 1950 in einem Sarg beigesetzt wurde. Anderen Opfern des NS-Regimes kam keine einzelne Bestattung zugute. 

Vincent Oetzmann

Quellen:

Fehrentz, Dieter. Urteil vom 26.10.1943, Generalstaatsanwalt Oberlandesgericht Stuttgart, 1. Strafsenat, Anklageschrift vom 15.6.1943, Privatbesitz.

Heidelberger Geschichtsverein e.V. http://www.s197410804.online.de/Personen/Fehrentz.htm, aufgerufen 30.4.2026.

Initiative Stolpersteine Heidelberg. Heinrich Fehrentz.

https://www.stolpersteine-heidelberg.de/mediapool/pdf/2010-fehrentz-he.pdf, aufgerufen 9.2.2026.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Fehrentz, Dieter. Verfolgung und Widerstand in Heidelberg 1944-45, ein Übersichtsbericht.

https://heidelberg.vvn-bda.de/wp-content/uploads/sites/60/2014/07/HD_im_NS_Verfolg+Widrstd-Überarbeitung-2.pdf , aufgerufen 9.2.2026.

Fehrentz, Dieter; Mumm Hans-Martin. Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz auf dem Bergfriedhof. https://doi.org/10.57962/regionalia-24633 , aufgerufen am 30.4.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Fehrentz, Heinrich
Geburtsdatum: 26.6.1908
Geburtsort: Spiesen
Beruf: Kraftfahrer
Einlieferungsdatum: 23.12.1943
Einlieferungsnummer: 83_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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