Stanislaus Bialkowski

Kurzbiografie

Name, Vorname: Bialkowski, Stanislaus
Geburtsdatum: 26.4.1921
Geburtsort: Litzmannstadt
Einlieferungsdatum: 30.12.1942
Einlieferungsnummer: 83_1942
Todesursache: Kislau
Vorgeworfenes Vergehen: Diebstahl

Stanislaus Bialkowski wurde am 26. April 1921 in Litzmannstadt (Lodz), Polen, geboren. Er befand sich als polnischer Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs im Zwangsarbeitslager Oberndorf. Zu seiner Familie und seinem bisherigen Lebensweg sind keine genaueren Angaben überliefert.

Im Juli 1942 entwendete er gemeinsam mit einem anderen polnischen Arbeiter aus dem Lebensmittellager einer Lederfabrik in Weinheim insgesamt neun Laibe Brot. Nach den Ermittlungsakten soll er sich hierfür einen Schlüssel beschafft und zurechtgefeilt haben, um Zugang zu dem Lagerraum zu erhalten.

Mit rechtskräftigem Strafbefehl des Amtsgerichts Mannheim vom 30. Oktober 1942 wurde er zu vier Monaten Straflager verurteilt.

Am 18. November 1942 wurde er vom Gerichtsgefängnis Mannheim in das Arbeitshaus Kislau eingeliefert. Dort wurde er der Abteilung Landwirtschaft zugewiesen. Die Arbeit im Arbeitshaus kennzeichntete sich durch strenge Disziplin, körperlich belastende Tätigkeiten und eingeschränkte Lebensbedingungen. Im landwirtschaftlichen Bereich bedeutete dies überwiegend schwere Arbeit im Freien.

Bereits am 20. November 1942 wurde in einem ärztlichen Gutachten ein „stark herabgesetzter Kräftezustand“ festgestellt. Bialkowski wies eine „abnorme Magerkeit“ auf und galt nur noch als arbeitsfähig für den Innendienst. In einer internen Stellungnahme schrieb der Vorstand des Arbeitshauses: „Ich bitte festzustellen, ob die Abmagerung Bialkowski’s auf eine bestimmte Krankheitsursache zurückzuführen, oder ob dieselbe als Folge der strengen Inhaftierung anzusehen ist. Im letzteren Falle könnte seine Beschäftigung mit Innenarbeit nicht vertreten werden, weil er durch sein straffälliges Verhalten die Maßnahmen gegen sich selbst verschuldet hat.“

Gutachten Bialkowski
GLA 521 Nr. 622
Beschluss Bialkowski
GLA 521 Nr. 622

Am 1. Dezember 1942 meldete der Anstaltsarzt auf entsprechende Anfrage: „Gewicht 46 kg, hat 2 kg zugenommen, kann auch in der Landwirtschaft und sonst im Außendienst verwendet werden.“ Am selben Tag wurde er erneut der Landwirtschaft zugeteilt. Sein Gesundheitszustand blieb offenbar kritisch. 

Am 29. Dezember 1942 wurde sein Tod handschriftlich vermerkt: „Der Pole Bialkowski, Stanislaus ist am 29.12.1942 vormittags 10.15 Uhr verstorben.“ Der stellvertretende Anstaltsarzt stellte keine Gewalteinwirkungen von dritter Seite fest. Als Todesursache wurde ein „Erschöpfungszustand bei allgemeiner Körperschwäche. Versagen des Kreislaufs“ angegeben.

Da Bialkowski dem Polenstrafrecht unterstand, unterblieb eine Benachrichtigung der Eltern zwecks Übernahme der Bestattung. Der Leichnam wurde der Ortspolizeibehörde in Mingolsheim übergeben und an die Anatomie Heidelberg weitergeleitet. Dort wurde er zu Forschungszwecken übernommen (Nr. 83 des Jahres 1942, Einlieferungsdatum 30. Dezember 1942). Beigesetzt wurde er auf Gräberfeld O, Gräberliste Nr. 16.

Bialkowski
GLA 521 Nr. 622

Stanislaus Bialkowski starb im Alter von 21 Jahren. Seine überlieferten Spuren finden sich in Strafakten, ärztlichen Gutachten und Verwaltungsvermerken. Sie dokumentieren den Weg eines jungen polnischen Zwangsarbeiters von der Verurteilung wegen der Entwendung von Brot bis zu seinem Tod im Arbeitshaus Kislau Ende des Jahres 1942.

Franziska Mudter

Quellen

GLA 

521 Zug 1982-48 Nr. 622

Strafbefehl über Bialkowski des Amtsgerichts Mannheim, 30.10.1942

Ärztliches Gutachten Bialkowskis durch den Anstaltsarzt in Kislau, 20.11.1942

Beschluss des Vorstands des Arbeitshauses über eine Prüfung der Ursachen Bialkowskis Magerkeit, 20.11.1942

Todesmeldung Bialkowskis durch das Arbeitslager Kislau, 29.12.1942

Anstaltsärztliches Gutachten zur Todesursache Bialkowskis, 29.12.1942

Kurzbiografie

Name, Vorname: Bialkowski, Stanislaus
Geburtsdatum: 26.4.1921
Geburtsort: Litzmannstadt
Einlieferungsdatum: 30.12.1942
Einlieferungsnummer: 83_1942
Todesursache: Kislau
Vorgeworfenes Vergehen: Diebstahl

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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