Theodor Mehl

Kurzbiografie

Name, Vorname: Mehl, Theodor
Geburtsdatum: 29.03.1902
Geburtsort: Sulzfeld
Beruf: Hilfsarbeiter
Einlieferungsdatum: 15.12.1934
Einlieferungsnummer: 138_1934
Todesursache: Illenau

Theodor Mehl wurde am 29. März 1902 in Sulzfeld im Amt Bretten geboren. Seine Mutter war Frieda Fritz, geborene Mehl; sein Vater ist in den überlieferten Unterlagen nicht verzeichnet. Mehl blieb unverheiratet und hatte keine Kinder. Er war evangelischer Konfession. Als er im April 1928 in die Badische Heil- und Pflegeanstalt Illenau eingewiesen wurde, war er 26 Jahre alt und nach den Angaben seiner Krankenakte obdachlos. 

Über seine Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt. Die Krankenakte hält fest, dass Mehl bei Pflegeeltern aufwuchs und Schwierigkeiten in der Schule hatte, so habe er beispielsweise ein Jahr wiederholen müssen. Anschließend habe er zunächst als Fabrikarbeiter, später als Rangierer bei der Eisenbahn und schließlich als Hilfsarbeiter gearbeitet. Seit November des Jahres 1927 sei er „angeblich arbeitslos“ gewesen. 

1926 war Mehl wegen Meineids zu einem Jahr und vier Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Aus der späteren Krankenakte geht hervor, dass es während seiner Haft zu einem heftigen Erregungszustand gekommen sein soll. Zum Zeitpunkt seiner Aufnahme in die Illenau stand er noch unter Polizeiaufsicht. Am 26. April 1928 wurde er, aus dem Krankenhaus in Karlsruhe kommend, auf Grundlage von § 5 des Irrenfürsorgegesetzes in die Illenau aufgenommen. Er wurde der Verpflegungsklasse III zugeordnet, der niedrigsten und kostengünstigsten Unterbringungsklasse der Anstalt.

Die Ärzte diagnostizierten bei ihm eine „Schizophrenie“. Zwei Tage vor seiner Aufnahme beschrieb ein Arzt seinen psychischen Zustand ausführlich: „Seine Auffassung ist deutlich verlangsamt und seine Urteilskraft erscheint stark herabgesetzt. Er vermutet, dass sein Kopf von der Polizei durchleuchtet und ausspioniert würde.“ Zugleich enthält die Akte Aussagen, die offenbar auf Äußerungen Mehls selbst zurückgehen: „Er klagt, dass er einen leeren Kopf und keine Gedanken habe. Oft habe er Angst und wisse nicht warum. Er schlafe schlecht, weil es seinen Körper im Schlaf oft durchzucke, wie wenn er von einem elektrischen Schlag getroffen worden wäre.“

Mehl blieb mehr als sechs Jahre in der Illenau. Die fortlaufenden Einträge dokumentieren wechselnde Phasen seines Gesundheitszustandes. Im Juni 1931 wurde vermerkt: „Pat. ist zeitweise erregter. Rast dann wild auf der Abteilung hin und her.“ Wenig später findet sich die knappe Diagnose eines „Aura-Zustand[s]“. Im September desselben Jahres arbeitete Mehl auf dem Holzplatz der Anstalt. Gegen Ende des Monats wurden Halluzinationen festgehalten, die auch in den folgenden Monaten wiederholt dokumentiert wurden.

Im März 1933 heißt es: „Stets selbe Manieren. Oft unreinlich. Unbeeinflußbar.“ Im Oktober wurde er als „staendig unreinlich. unruhig.“ charakterisiert. Solche Formulierungen waren Bestandteil der zeitgenössischen psychiatrischen Dokumentationspraxis. Sie reduzieren den Patienten weitgehend auf Symptome und Verhaltensauffälligkeiten und lassen seine Persönlichkeit und seine Bedürfnisse kaum erkennen.

Mehl Theodor
Quelle: StAF B 821/2 Nr. 9953

1934 verschlechterte sich Mehls körperlicher Zustand deutlich. Im Juni wurde beobachtet, dass er sich „krampfhaft an seinen Beinen fest“ halte, die Augen geschlossen habe und schiele. Ein Eintrag vom 10. August vermerkt eine vorübergehende Besserung: Er habe „jetzt inzwischen so viel Kraft, dass er allein isst“. Noch am 20. September wurde seine „Nahrungsaufnahme [als] genügend“ bezeichnet. Am 17. Oktober notierte das Personal jedoch: „kein Kontakt möglich“.

Besonders schwerwiegend sind die Einträge aus den letzten Lebenstagen. Am 1. Dezember 1934 erlitt Mehl einen Schwächeanfall. In der Krankenakte heißt es: „Pat. pulslos. Bettruhe.“ Vier Tage später wurde zunächst festgehalten, er habe sich „von seinem Schwächeanfall erholt“. Bereits am 10. Dezember hatte sich sein Allgemeinzustand jedoch dramatisch verschlechtert. Mehl sei „förmlich skelletiert“ gewesen; seine Körpertemperatur sei „seit Tagen nicht mehr meßbar“ beziehungsweise „unter 35°“ gewesen.

Am 12. Dezember 1934 starb Theodor Mehl im Alter von 32 Jahren um 20.45 Uhr in der Illenau. Als Todesursache wurden „Herzschwäche, Inanition“ angegeben. Der medizinische Begriff Inanition bezeichnet eine extreme körperliche Auszehrung infolge eines anhaltenden Mangels an Nahrungs- beziehungsweise Energiezufuhr. Die überlieferten Einträge belegen damit einen Zustand schwerster Entkräftung und Abmagerung unmittelbar vor seinem Tod. 

Drei Tage nach seinem Tod, am 15. Dezember 1934, wurde Mehls Leichnam an die Anatomie der Universität Heidelberg überführt. Dort wurde er als Leiche Nr. 138 des Jahres 1934 registriert.

Franziska Mudter

Quellen:

StAF

B 821/2 Nr. 9953

Mehl, Theodor, geb. 1902.

Standesamt Achern Todesanzeigen 1934, Urkunde Nr. 158.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Mehl, Theodor
Geburtsdatum: 29.03.1902
Geburtsort: Sulzfeld
Beruf: Hilfsarbeiter
Einlieferungsdatum: 15.12.1934
Einlieferungsnummer: 138_1934
Todesursache: Illenau

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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