Maurice Thuringer

Kurzbiografie

Name, Vorname: Thuringer, Maurice
Geburtsdatum: 20.07.1910
Geburtsort: Jarny, Dep. Meurthe-et-Moselle
Beruf: Eisenbahnsekretär
Einlieferungsdatum: 19.4.1944
Einlieferungsnummer: 15_1944
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

„Maurice Thuringer, 33 ans“ so wird seit 1996 auf einer Erinnerungstafel im Bahnhof von Dijon dem Gründer der französischen Widerstandsgruppe von Eisenbahnern rund um den Güterbahnhof Dijon-Perrigny gedacht.

Thuringer wurde am 20. Juli 1910 in Jarny, Dep. Meurthe-et-Moselle, als Sohn des 27-jährigen Léon Ernest Thuringer und der 19-jährigen Jeanne Henriette, geb. Jacqot geboren. Sein Vater war Mechaniker, seine Mutter hatte keinen Beruf gelernt. Thuringer bekannte sich zum katholischen Glauben und heiratete am 22. August 1939 Yvonne, geb. Gandrey, in Meuilley, die beiden bekamen am 19. Juli 1933 einen gemeinsamen Sohn, Maurice.

Zwischen 1928 und 1931 diente Thuringer beim 186. Artillerie Regiment in Dijon. Ab dem 5. Oktober 1935 arbeitete er als Eisenbahnbüroangestellter im Personalbüro des Maschinendepots im Güterbahnhof Dijon-Perrigny und war außerdem Mitglied in der kommunistisch orientierten Gewerkschaft CGT (Confédération générale du travail). Seinen Militärdienst im Zweiten Weltkrieg leistete er von 1939 bis August 1940 beim 108. Artillerie Regiment und kämpfte dabei in Gefechten bei Bitsch [franz. Bitche, d. Vf.]. Bei seiner Demobilisation in Dijon hatte er den Dienstgrad des Maréchal de Logie inne. Im August 1943 wurde seine Frau von der Gestapo verhaftet, sie wurde zunächst im KZ Royallieu bei Compiégne inhaftiert und am 31. Januar 1944 ins KZ Ravensbrück verlegt.

Ende 1940 gründete Thuringer angesichts der Besatzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht eine Widerstandsgruppe von Eisenbahnmitarbeitern am Eisenbahndepot Dijon-Perrigny. In der Gruppe war er als „Tutu“ bekannt. Für ihre Aktionen im Widerstand, darunter drei Sprengstoffanschläge auf den Güterbahnhof, wurde die Gruppe um Thuringer im November 1943 vor ein Feldgericht in Dijon gestellt. Das Urteil lautete für alle sieben Eisenbahner „Todesstrafe“ wegen Freischärlerei. Mit ihnen wurde noch ein achter Mann, Paul Meunier, seinerseits städtischer Angestellter in Dijon, wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt. Thuringer wurden vor Gericht seine unmittelbare Verbindung zu einem britischen Agenten der „Special Operations Executive“ (SOE), seine leitende Funktion in der Gruppe sowie die Beteiligung an allen drei Sprengstoffanschlägen in wechselnden Rollen, als Ausführender, Auftraggeber, Aufpasser und Verfertiger der Sprengladung, zu Last gelegt.

Am 19. April 1944 um 5 Uhr 21 Minuten und 0 Sekunden wurde Thuringers Urteil durch die Guillotine im Lichthof des Landgerichts Stuttgart vollstreckt. Seine Leiche wurde noch am selben Tag in die Anatomie der Universität Heidelberg unter der Nummer 15/44 eingeliefert. Er hinterließ seine Frau Yvonne, die am 5. Mai 1945 von der polnischen Untergrundarmee Narodowe Siły Zbrojne aus dem KZ Ravensbrück befreit wurde, und ihren 11-jährigen Sohn. Am 20. März 1946 wurde ihm posthum das „Croix de guerre“, das Kriegskreuz, verliehen. Es folgte im Jahre 1947 die Anerkennung „Mort pour la France“ [gestorben für Frankreich, d. Vf.]. Mehr als 60 Jahre nach seiner Hinrichtung wurde er am 29. November 2011 durch ein Dekret für „mort en déportation“ [in Deportation gestorben, d. Vf.] erklärt.

Bestattungsdetails
Quelle: Service historique de la Défense, AC21P557677

Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Brigitte und Gerhard Brändle

Quellen

GLA

309 Nr. 6076 

Departement Meurthe & Moselle

Jarny, 1910-1912, 2 E 271/8.

https://archivesenligne.meurthe-et-moselle.fr/ark:33175/1f0408a8f1e165d0bee90050568b7ef1/1/1.fiche=arko_fiche_68397329f3b16.moteur=arko_default_62bc67565d099 , aufgerufen am 30.03.2026.

Neveu, Céderic; Fontaine, Thomas. Thurringer Maurice. In: Fontaine, Thomas, Cheminots victimes de la répression. Paris, 2017.

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Ponnavoy, Jean-Louis.

Thuringer, Maurice. https://maitron.fr/thuringer-maurice/notice, aufgerufen am 03.02.2026.

Mémoire des Hommes. Thuringer, Maurice.

https://www.memoiredeshommes.defense.gouv.fr:443/ark:40699/m00523d2df5b14f4.moteur=arko_default_66fa612acbc0d, aufgerufen am 30.03.2026. 

Mémoire des Hommes. Thuringer, Maurice. https://www.memoiredeshommes.defense.gouv.fr:443/ark:40699/m005a2915551747b.moteur=arko_default_66fa612acbc0d, aufgerufen am 30.03.2026.

Jarny, 1910-1912, 2 E 271/8.https://archivesenligne.meurthe-et-moselle.fr/ark:33175/1f0408a8f1e165d0bee90050568b7ef1/1/1.fiche=arko_fiche_68397329f3b16.moteur=arko_default_62bc67565d099 , aufgerufen am 30.03.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Thuringer, Maurice
Geburtsdatum: 20.07.1910
Geburtsort: Jarny, Dep. Meurthe-et-Moselle
Beruf: Eisenbahnsekretär
Einlieferungsdatum: 19.4.1944
Einlieferungsnummer: 15_1944
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

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