Friedrich Bachmann wurde am 28. August 1893 in Karlsruhe geboren. Über seine Kindheit ist nicht viel bekannt, lediglich dass sein Vater Vorarbeiter war und er mit sieben Schwestern und einem Bruder aufgewachsen ist. Letzterer soll ein „berüchtigter Zuhälter“ mit etlichen Vorstrafen gewesen sein. Auch Bachmann scheint sich zumindest zeitweise in prekären Verhältnissen befunden zu haben. Im Alter von 16 Jahren verbüßte er seine erste Strafe wegen Raubes. Ab diesem Zeitpunkt scheint er „die Gerichte viel beschäftigt“ zu haben, da er 31-mal bestraft wurde, zum einen wegen Bagatelldelikten wie Ruhestörung, Unterschlagung und Hehlerei, jedoch auch wegen Diebstahl und Körperverletzung.

Weiter ist über Bachmann noch bekannt, dass er evangelisch getauft war, eine Zeitlang als Monteur arbeitete und am Ersten Weltkrieg als Soldat teilnahm, im Zuge dessen er an Malaria erkrankte. Seit 1920 war er verheiratet, seine Ehe wurde 1925 aus beiderseitigem Verschulden geschieden. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, die beide früh verstarben. Wegen Zuhälterei wurde er zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, weshalb er sich seit dem 16. August 1934 in Strafhaft in der Gefangenenanstalt Bruchsal befand. Dort wurde er aufgrund einer Mesaortitis luetica, einer chronischen Entzündung der Hauptschlagader und mögliche Folge einer Syphiliserkrankung, welche er allerdings selbst bestritt, behandelt. Sein psychischer Zustand war zunächst unauffällig, aufgrund einer Verschlechterung wurde er aber am 7. Juli 1937 in die Psychische Abteilung der Gefangenenanstalt Bruchsal und am 22. Juli 1937 in die Badische Heil- und Pflegeanstalt Illenau durch zwei zivile Polizeibeamte eingeliefert. Anhand der ärztlichen Aufzeichnungen ist zu erkennen, dass sich sein körperlicher und psychischer Zustand zunehmend verschlechterte. Bachmann gab bei seiner Visite noch an, nach einer Lehre 1913 zum Militär gegangen zu sein und nach dem Krieg als Geschäftsführer und Leiter eines Restaurants gearbeitet zu haben. Außerdem hätte er sich als Schiedsrichter bei Wettkämpfen von Berufsringern betätigt. Ob diese Angaben der Wahrheit entsprechen oder bereits Produkt seiner schlechten psychischen Verfassung gewesen sind, lässt sich nicht einschätzen.
Anfang August 1937 ist ein Fluchtversuch von Bachmann dokumentiert, der jedoch nicht vorbereitet wurde, sondern sich spontan ergeben hatte. Ab Mitte August ist in den Berichten eine zunehmende Aggressivität sowie eine weitere Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands von Bachmann dokumentiert, weswegen er zunehmend isoliert behandelt wurde. Am 19. September erlitt Bachmann am Nachmittag einen Schwindelanfall, am späten Abend verstarb er. Als Todesursache wurde eine Progressive Paralyse angegeben. Eine Sektion von Bachmann wurde nicht durchgeführt, da sein Körper am 22. September unter der Eingangsnummer 23 an die Anatomie Heidelberg übergeben wurde. In seiner Akte aus der Heil- und Pflegeanstalt Illenau ist noch ein Brief seiner Schwägerin überliefert, die sich noch nach seinem Tod im April 1938 nach seinem Zustand erkundigte und fragte, ob man Friedrich Bachmann vor Ort besuchen könnte. Dass er in die Anatomie Heidelberg gebracht wurde, ist der Antwort nicht zu entnehmen.
Julia Franke
Quellen:
Staatsarchiv Freiburg
B 821/2 Nr. 4748


