Wladislaw Szmehlik

Kurzbiografie

Name, Vorname: Szmehlik, Wladislaw
Geburtsdatum: 01.05.1922
Geburtsort: in der Nähe von Krakau, Polen
Beruf: Landwirtschaftlicher Helfer
Einlieferungsdatum: 10.04.1942
Einlieferungsnummer: 43_1942
Todesursache: Exekution durch den Strick
Vorgeworfenes Vergehen: Sexualdelikt

So gut wie nichts ist bekannt über den Lebensweg von Wladislaw Szmehlik, der 1922 in der Nähe von Krakau geboren wurde als Sohn einer Polin und eines aus der Tschechoslowakei stammenden Mannes.

Möglicherweise zusammen mit seinem Bruder Stanislaus, der noch Anfang der 1960er Jahre bei Heilbronn gelebt zu haben scheint, kam er zu einem unbekannten Zeitpunkt als Zwangsarbeiter nach Deutschland. Zuletzt war er in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Rohrbach bei Eppingen beschäftigt. 

Dort kam es im August 1941 zu einer Auseinandersetzung mit der Bäuerin, die meinte, dass sich Szmehlik an ihrer viereinhalbjährigen Tochter sexuell vergangen habe. Diese habe berichtet, „daß der Pole seinen Geschlechtsteil an den des Kindes gehalten habe, wobei er dem Kind zuvor den Schlüpfer ausgezogen habe“. Zwar ergab eine Untersuchung des Mädchens beim Gesundheitsamt Sinsheim, dass sie „völlig unversehrt“ war, da es aber schon mehrere „Vorfälle dieser Art“ gegeben habe, drängte die Mutter darauf, „daß der Pole aus dem Haus komme“. Auch wenn sie selbst keine Anzeige erstatten wollte, wurde der Fall polizeiaktenkundig. Szmehlik wurde zunächst von der Gendarmerie in Eppingen vernommen, dann von der Gestapo Heidelberg abgeholt und am 5. Oktober 1941 in das Bezirksgefängnis im „Faulen Pelz“ eingeliefert.

Die Gestapo sah für Szmehlik, wie es bei Sittlichkeitsdelikten polnischer Zwangsarbeiter üblich war, eine „Sonderbehandlung“ vor, das heißt Einweisung in ein Konzentrationslager oder Exekution ohne ein voriges Gerichtsverfahren. Zur gängigen Praxis gehörte, dass man sich zuvor Klarheit über „Volkszugehörigkeit“ und „rassischen“ Status des Beschuldigten verschaffte, und Szmehlik wurde entsprechend untersucht – wegen fehlender Verfügbarkeit eines hierzu qualifizierten Höheren SS-Führers durch das Gesundheitsamt Heidelberg. Das dort eingeholte Gutachten beschrieb den „170 cm großen schlanken im Wesentlichen leptosomen jungen Mann“ als körperlich gesund, und in „geistiger Hinsicht“ wurde „kein krankhafter Befund“ erhoben, „insbesondere kein Schwachsinn. Kann nicht lesen und schreiben, mangels Ausbildung“. Unter Anwendung des damals maßgeblichen „Rassenschemas“ wies Szmehlik „vorwiegend nordisch-sudetische Wesensmerkmale auf mit ostischen Einschlägen. Er ist entsprechend dem deutschen Menschen wesensähnlich anzusehen“.

Diese günstige Einschätzung ließ Szmehlik allerdings keine rechtliche Behandlung zuteilwerden, wie sie für „deutsche Menschen“ vorgesehen war. Er blieb bis Heiligabend 1941 in Heidelberg in Haft und wurde anschließend ins Konzentrationslager Dachau überstellt. Aus Dachau wurde er nach einem Vierteljahr – die Gründe hierfür liegen im Dunkeln – in den „Faulen Pelz“ zurückgebracht und dort am 9. April 1942 von der Gestapo abgeholt. Nach einer Übernachtung in Eppingen wurde Szmehlik am Morgen des 10. April mit großer Polizeibegleitung – vier Heidelberger Gestapo-Beamte und drei lokale Wachtmeister – nach Rohrbach transportiert, wo am Ortseingang am „Neuberg-Wald“ alles für die Exekution vorbereitet war. „Zwischen zwei Tannen“, so erinnerte sich der frühere NSDAP-Ortsgruppenleiter zwei Jahrzehnte später, „war eine Latte befestigt, an welcher sich der Strick befand. Auf dem Erdboden war eine Pritsche errichtet, auf welche der Pole hinaufging“.

Sterbeurkunde Wladislaw Szmehlik
Quelle: StAL, EL 48/2 Bü 36

Zwei zu dieser Grausamkeit gezwungene Landsmänner Szmehliks legten ihm eine Schlinge um den Hals und „gaben ihm einen Schubs, so daß dieser frei in der Luft schwebte. Noch während der Pole am Strick hing, stellte der Medizinalrat Dr. Schulze den Tod fest“. Nach der Exekution „mußten alle Polen aus Rohrbach a. G. und auch die aus Adelshofen an dem Polen vorbeigehen“. Szmehliks Leichnam wurde in die Heidelberger Anatomie gebracht. In deren Leichenjournal erscheint er ohne Namen als Eingang Nr. 43_1942 mit dem Eintrag „Rohrbach b. Eppingen, Geh. Staatspolizei“.

Polizeiamtlich wurde der Fall nochmals 1961, als das Landeskriminalamt Baden-Württemberg gegen einen früheren Abteilungsleiter der Gestapo Karlsruhe ermittelte, der in mehreren Fällen die Exekution von Polen angeordnet hatte, und sich über Reisekostenrechnungen erschließen ließ, welche Gestapobeamte am 10. April 1941 in Rohrbach anwesend gewesen waren: Kriminaloberassistent Friedrich Heyne als Fahrer, Kriminalobersekretär Johann Oettinger als Verantwortlicher der Vorbereitungen vor Ort sowie die Kriminalangestellten Alfred Bender und Walter Brendel als Zeugen der Exekution. Wegen Beihilfe zum Totschlag – dieser Straftatbestand wäre nach damaliger Justizpraxis in Frage gekommen – an dem 19-jährigen Wladislaw Szmehlik musste sich keiner der vier verantworten.

Frank Engehausen

Quellen

StAL

EL 48/2 Bü 36 

Aussage Karl Wickenhäusers vom 21.2.1961 und Ermittlungsbericht des Polizeiobermeisters Koch vom gleichen Tag.

StAHD

Amt für Öffentliche Ordnung Entnazifizierung Hauptkartei, 17: Fremdarbeiter (Einzelfallakten, Polen), Karton 30, Mappe 116

Gutachten des Gesundheitsamts Heidelberg vom 20.10.1941.

GLA 

503 Nr. 43 und 44 

Gefangenenbücher Fauler Pelz 1941/42 u. 1942/43.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Szmehlik, Wladislaw
Geburtsdatum: 01.05.1922
Geburtsort: in der Nähe von Krakau, Polen
Beruf: Landwirtschaftlicher Helfer
Einlieferungsdatum: 10.04.1942
Einlieferungsnummer: 43_1942
Todesursache: Exekution durch den Strick
Vorgeworfenes Vergehen: Sexualdelikt

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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