Rosa Eckel wurde am 16. April 1913 als Rosa Stuck, Tochter von Franz und Elisabeth Stuck, in Mannheim geboren. Sie besuchte dort die Volksschule bis zur achten Klasse und arbeite ab 1927 zunächst für ein halbes Jahr in einer Schuhfabrik und anschließend für zwei Jahre in einer Decken- und Zeltfabrik. Danach war sie für zehn Jahre erneut bei einer Schuhfabrik angestellt, bis sie ihren Ehemann Georg Eckel – die beiden heirateten im Jahr 1936 – auf seine berufliche Montagereisen in verschiedene deutsche Städte begleitete. 1941 kam ihr Sohn zur Welt, der jedoch bei Eckels Mutter lebte, da die Ehe wenig später geschieden wurde. Im Dezember 1942 pachtete sie ein Haus in der Gutemannstraße 14 (heute: Lupinenstraße) und betrieb dort ein Bordell, in dem sie fortan mit fünf Prostituierten lebte.
In der Nacht auf den 17. April 1943 wurde das Nachbarhaus (Gutemannstr. 12), das ebenfalls als Bordell genutzt wurde, bei einem Luftangriff so stark beschädigt, dass die Bewohnenden es verlassen mussten. Einige Zeit später meldete der Hausbesitzer und Bordellbetreiber des Anwesens, Wilhelm Suntz, bei der Staatsanwaltschaft Mannheim fehlende Gegenstände in seinem Keller. Darunter wären mehrere Wein- und Schnapsflaschen, 40 Pfund Zwiebeln, 15 Dosen Konserven und eingelegte Gurken, mehrere Packungen Kondome, ein Topf mit Butterschmalz, zwei Gummischürzen, zehn Bündel Holz, ein großes Tuch sowie eine alte Bettvorlage gewesen. Der Wert der Lebensmittel und Gegenstände wurde auf 425 Reichsmark geschätzt. Verschiedene Personen hätten Rosa Eckel und mehrere Prostituierte in dieser Zeit in betrunkenem Zustand gesehen, weswegen Suntz im Juli, ein Vierteljahr nach dem Luftangriff, der Staatsanwaltschaft Mannheim schrieb. Die Vermutung liegt nahe, dass er Eckel auch aus eigenem geschäftlichem Interesse denunzierte, da ihr Bordell seine nächste Konkurrenz darstellte.

Anfang August nahm die Kriminalpolizei Mannheim die Ermittlungen auf, und Eckel sowie Margarethe Stögbauer – eine Prostituierte, die bei Eckel lebte – wurden durch diese am 7. August verhaftet. Mehrere Personen, darunter zwei bei ihr beschäftigte Prostituierte, bezeugten, bei Eckel einen Teil der Gegenstände gesehen zu haben. Eckel bestritt dies und gab an, dass die vermeintlich gesehenen Gegenstände ihr Eigentum gewesen seien. Bei einer Durchsuchung ihres Hauses wurden die Gegenstände nicht gefunden, lediglich ein leerer Topf und Maschinenöl, jedoch bestand für den zuständigen Kriminalsekretär dennoch keine Zweifel, dass Eckel und Stögbauer die aufgeführten Gegenstände gestohlen hatten. Am 27. August gab Eckel zu, dass sie mit Stögbauer einige der Gegenstände aus den Kellerräumen genommen habe, da sie davon ausgegangen seien, dass diese nicht mehr benötigt würden und zurückgelassen worden seien. Am 1. November 1943 wurden Eckel und Stögbauer angeklagt und am 15. November 1943 vom Sondergericht Mannheim wegen Plünderung zum Tod verurteilt. Dabei wurde betont, dass die Frauen eine „besonders ehrlose Gesinnung“ gezeigt und sich durch die Plünderung „an Hab und Gut der geschädigten Volksgenossen“ vergangen hätten und sich somit „außerhalb der Volksgemeinschaft“ stellen würden. Ein Rechtsanwalt versuchte noch, die Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln, und legte unter anderem ein einwandfreies Zeugnis ihrer vorherigen Arbeitsstelle vor, dies bleib aber erfolglos. Eckels Schwester und eine weitere Bekannte wandten sich an den Reichsminister der Justiz und erbaten eine Begnadigung, aber auch diese wurde abgelehnt.
Rosa Eckel wurde am 22. Dezember 1943 um 5:09 Uhr morgens in Stuttgart durch Enthauptung hingerichtet, Margarethe Stögbauer wurde drei Minuten später getötet. Eckels Schwester bat zwei Tage nach der Hinrichtung um die Überführung des Körpers oder die Aushändigung der Urne und legte 150 RM ihrem Brief bei, jedoch wurde ihr lediglich das Geld zurückgeschickt. Der Leichnam von Rosa Eckel wurde der Anatomie Heidelberg zu Forschungszwecken übergeben. Der Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim e.V. verlegte 2009 in Mannheim einen Stolperstein für Rosa Eckel.
Julia Franke
Quellen
GLA
507 Nr. 12316-12319
507 Nr. 12316
Urteil gegen Rosa Eckel und Margarethe Stögbauer, 15.11.1943
Marchivum
Stolpersteine für Rosa Eckel,
https://www.marchivum.de/de/geschichte/stolpersteine/rosa-eckel, aufgerufen am 30.3.2026
Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim e.V. Stolpersteine für Rosa Eckel und Margarethe Stögbauer. https://www.akjustiz-mannheim.de/images/Erinnerungskultur/20090325_stolpersteine-neckarstadt-flyer.pdf, aufgerufen am 30.4.2026.
LeoBW. Rosa Eckel. https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/nsjustizbaden_personen/nsjustiz_baden_p126/Eckel+Rosa, aufgerufen am 30.03.2026.




