Henriette Wagner

Kurzbiografie

Name, Vorname: Wagner, Henriette
Geburtsdatum: 25.12.1883
Geburtsort: Saarbrücken
Beruf: Stadtverordnete
Einlieferungsdatum: 24.02.1943
Einlieferungsnummer: 14_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

 

Henriette Wagner, geb. Becker, wurde am 25. Dezember 1883 in Saarbrücken geboren. Sie war die Tochter des Metalldrehers Jakob Becker und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Diener. Wagner besuchte in Saarbrücken die Volksschule. Nach ihrer Schulentlassung arbeitete sie bis zu ihrer Heirat als Hausangestellte. Am 23. Februar 1907 heiratete sie in Saarbrücken den Schneidermeister Karl Wagner. Das Ehepaar zog 1919 nach Mannheim. Dort machte sich ihr Ehemann als Schneider selbstständig und betrieb eine eigene Schneiderei. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, von denen zum Zeitpunkt ihrer Vernehmung im Jahr 1942 nur noch ein Sohn lebte, der zu dieser Zeit bei der Wehrmacht war.

Im Jahr 1919 trat Wagner in Mannheim der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. 1922 wurde sie als Stadtverordnete in das Mannheimer Stadtparlament gewählt, dem sie bis 1933 angehörte. Außerdem war sie Mitglied in der Roten Hilfe, eine politische Organisation die der KPD nahestand, ohne dort nach eigener Aussage eine Funktion innezuhaben.

Der Gestapo lagen Akten aus den 1920er- Jahren vor, die auf Wagners damalige politische Tätigkeit hindeuten. Auf dieser Grundlage beschrieb die Gestapo, Wagner rückblickend als langjährige kommunistische Funktionärin.

1937 wurde gegen Wagner wegen des Verdachts politischer Betätigung ermittelt. Ihr wurde vorgeworfen, Beiträge für die Rote Hilfe kassiert und durch Mundpropaganda gegen den nationalsozialistischen Staat gewirkt zu haben. Das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Am 2. Dezember 1937 wurde sie von der Gestapo jedoch verwarnt und darauf hingewiesen, dass sie bei einer erneuten politischen Betätigung mit strengsten staatspolizeilichen Maßnahmen zu rechnen habe.

Henriette Wagner
Quelle: Marchivum

Im Verlauf des Jahres 1941 wurde Wagner mehrfach von Georg Lechleiter besucht. Die Besuche hatten zunächst einen geschäftlichen Hintergrund, da Lechleiter noch Zahlungen für einen von Wagners Ehemann angefertigten Anzug zu leisten hatte. Bei diesen Besuchen übergab Lechleiter ihr zweimal jeweils ein Exemplar der illegalen Zeitung „Der Vorbote“. Nach den späteren Feststellungen des Strafsenats wusste Wagner, dass es sich um eine illegal hergestellte kommunistische Schrift handelte. Ende Dezember 1941 übergab Lechleiter ihr außerdem etwa acht bis zehn Ausgaben verschiedener deutscher Zeitungen, darunter die Frankfurter Zeitung, die Kölnische Zeitung und Das Reich.

Wagner sollte diese an Rudolf Langendorf weitergeben, damit sie ihm als Material für einen Beitrag im „Vorboten“ dienten. Sie führte den Auftrag aus und übergab Langendorf die Zeitungen. Außerdem zahlte sie zweimal Geldbeträge in Höhe von drei beziehungsweise zwei Reichsmark an Lechleiter.

Wagner selbst bestritt in ihren Vernehmungen die gegen sie erhobenen Vorwürfe weitgehend. Sie erklärte, sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr politisch betätigt zu haben. Sie bestritt, von Lechleiter illegale Druckschriften erhalten, ihre Wohnung als Anlaufstelle zur Verfügung gestellt oder Geld für eine kommunistische Organisation gesammelt beziehungsweise entgegengenommen zu haben. Auch in der Hauptverhandlung bestritt sie weiterhin eine Beteiligung. Der Strafsenat glaubte ihrer Darstellung jedoch nicht und sah unter anderem aufgrund der Aussagen Lechleiters und Langendorfs ihre Beteiligung als erwiesen an.

Am 26. Februar 1942 wurde Wagner vorläufig festgenommen und zunächst in Schutzhaft genommen. Am 17. März 1942 erging gegen sie wegen des Vorwurfs der Vorbereitung zum Hochverrat ein Haftbefehl. Anschließend befand sie sich in Untersuchungshaft in Mannheim.

Am 22. Oktober 1942 wurde Henriette Wagner zusammen mit Albert Fritz, Ludwig Neischwander, Bruno Rüffer und Richard Jatzek im zweiten Prozess gegen Mitglieder der Lechleiter Gruppe vom Oberlandesgericht Stuttgart wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Zersetzung der Wehrmacht zum Tode verurteilt. Zusätzlich wurden ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt.

Stolperstein Henriette Wagner
Quelle: Marchivum

Henriette Wagner wurde am 24. Februar 1943 in Stuttgart hingerichtet. Ihr Leichnam wurde dem Anatomischen Institut mit der Eingangsnummer 14 des Jahres 1943 in Heidelberg übergeben.

Tim Hoepfner

Quellen:

Bundesarchiv

R 3017/ 33090 Strafprozess gegen Georg Lechleiter u.a.

Marchivum

Henriette Wagner 

https://www.marchivum.de/de/geschichte/stolpersteine/henriette-wagner,

aufgerufen am 10.8.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Wagner, Henriette
Geburtsdatum: 25.12.1883
Geburtsort: Saarbrücken
Beruf: Stadtverordnete
Einlieferungsdatum: 24.02.1943
Einlieferungsnummer: 14_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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