Wladislaw Bialek wurde am 14. Mai 1915 in Rzymsko, Polen geboren. Sein Vater Andre war Landwirt, von seiner Mutter Anniela, geb. Kowalewska, ist nicht mehr als der Name bekannt. Wladislaw besuchte drei Jahre die Volksschule in dem kleinen polnischen Dorf, danach arbeitete er stets im elterlichen Bezirk. Bialek gehörte keiner politischen Organisation an.
Am 4. November 1937 wurde Bialek ins Militär eingezogen, er verrichtete den Dienst an der russischen Grenze und geriet nach nur sechs Monaten in Kriegsgefangenschaft. Zuerst brachte man ihn ins Straflager bei Görlitz, dann kam er nach Frankental. Am 4. März 1941 entließ man ihn in ein ziviles Arbeitsverhältnis, was aber tatsächlich bedeutete: er kam als Zwangsarbeiter zuerst nach Forst und im November nach Maudach.
Im September 1941 pflügte er in der Nähe der Bettfederfabrik in Albisheim, dort wurde ihm aus dem Fenster der Fabrik zugewunken; eine Frau schien sich für ihn zu interessieren, gab er später zu Protokoll. Am Gartenzaum kamen sie zusammen und verabredeten sich. Mehrfach hatten sie geschlechtlichen Kontakt, wohlwissend, dass für den Polen darauf die Todesstrafe drohte. Bialek glaubte, es würde nicht publik werden. Die junge Frau gab an, sie habe einem anderen Mädchen zugewunken und es habe sich sich um ein Missverständnis gehandelt.
Trotzdem gab sie zu, dass sie Bilder voneinander ausgetauscht hätten und geschlechtlichen Verkehr hatten, sie habe aber nur widerwillig mitgemacht. Die zu der Zeit 35-jährige Frau hatte drei Kinder im Alter von zehn bis 16 Jahren, trotz ihrer familiären Situation bekam auch sie eine Zuchthausstrafe auferlegt, weil sie wusste, dass Bialek ein politischer Kriegsgefangener war und dazu noch „in besonderem Groben Maße das Volksempfinden verletzt“ hatte.
Bialek hatte danach ein weiteres Verhältnis mit einer deutschen Frau, die sich ein paar Mal
mit ihm traf. Sie beurteilte ihn als anständig und fleißig. Nach anfänglicher Widerwehr, so gab sie später an, traf sich auch die 38-jährige mindestens fünf Mal mit ihm.
Zwei Postkarten seines Freundes Stefan Hajdaj, gestempelt am 11. und 18. Februar 1942 und ein anonymer Brief an den NSDAP Kreisleiter sollten Bialek schließlich zum Verhängnis werden.
Die abgefangenen und übersetzten Karten dokumentierten seine Beziehung zu einer weiteren deutschen Frau mit Namen Margarete aus Forst sowie zu einer weiteren unbekannten Frau aus Maudach. In dem anonymen Brief schwärzte jemand eine Winzerfamilie aus der Region an, mehrere Kontakte zu polnischen Arbeitern zu unterhalten.
Am 13.3.1942 um 9:00 Uhr wurde Bialek in Ludwigshafen durch die Gestapo verhaftet, seine Wohung durchsucht. Im Rahmen der Ermittlungen wurde Bialek zum Tode bestimmt, da seine Beziehungen zu deutschen Frauen offenkundig wurden. Er wurde am 20. Juli 1942 mit dem Strang exekutiert. Bialek kam noch am selben Tag in die Anatomie Heidelberg, dies dokumentierten die dortigen Mitarbeiter mit der Eingangsnummer #58_1942. Als einliefernde Behörde benannten sie im Leicheneingangsbuch die Geheime Staatspolizei Neustadt.
Am selben Tag brachte man auch den Leichnam des Stanislaus Kaszoviak.
Ihm teilte man die Nummer 59_1942 zu. Auch Kaszoviak exekutierte die Gestapo wegen geschlechtlichem Kontakt zur deutschen Bevölkerung mittels Strang.
Sara Doll
Quellen
LA Sp
H 91, 261
H 91, 2832
H 91, 3731
H 91, 5943
Brüchert, Hedwig. Zwangsarbeit 1939-1945 – der „Arbeitseinsatz“ von zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in den Regionen des heutigen Landes Rheinland-Pfalz. https://www.zwangsarbeit.rlp.geschichte.uni-mainz.de/F_Bruechert_d5.htm, aufgerufen am 7.4.2026.




