Der Musiker Stanislaus Piaskowski wurde am 14. November 1916, mutmaßlich in Boleslaw in Oberschlesien, geboren. Er war Sohn eines Kreisschulrates, sprach recht gut Deutsch und galt als anständig und gebildet. Während eines sicher unfreiwilligen landwirtschaftlichen Einsatzes im nordöstlichen Neckar-Odenwald geriet Piaskowski jedoch in eine für ihn tödlich endende Situation: Er hatte ein Verhältnis mit einem 16-ährigen deutschen Mädchen.
m Jahr 1940 arbeitete Stanislaus bei Emil Appel, einem Bauern in Hardheim, dort lernte er dessen Tochter kennen. Sie begannen ein Verhältnis miteinander, doch der Pole und das einige Jahre jüngere Mädchen wurden offensichtlich denunziert. Im Frühjahr 1941 begann Piaskowski auf einem Bauernhof in Schweinsberg im Kreis Buchen als Knecht zu arbeiten. Dort blieb er bis August 1941. Am 12. August wurde er durch die Gestapo festgenommen und überführt ins Landesgefängnis Mosbach, er geriet in „Schutzhaft“. Nach einigen Wochen brachte man ihn ins Konzentrationslager Dachau, dort erhielt er die Häftlingsnummer 29013. Einige Monate später, am 8. März 1942, wurde Piaskowski zurück nach Hardheim geliefert, denn die Bestrafung sollte in der Nähe des „Tatortes“ geschehen. Einen Tag später, am 9. März 1942, wurde Piaskowski etwas außerhalb des Ortes, im Gewann „Trieb“, an einem Kirschbaum erhängt. Er erhielt kein Verfahren und wurde ausschließlich wegen des Verhältnisses zu Erna Appel zu Tode gebracht.
Anwesend waren laut den Verhörprotokollen aus dem Jahr 1961 mehrere Ordnungsbeamte der dortigen Gendarmerie, ein Mitarbeiter der Gestapo und ein Unterscharführer der SS, welcher Stanislaus Piaskowski die Schlinge um den Hals legte. Eine weitere Person, deren Namen nicht genannt wurde, stieß den jungen Mann von der Pritsche, auf der er etwas erhöht stand. Nachdem der anwesende Medizinalrat etwa zehn Minuten später den Tod feststellte, durfte die Anatomie Heidelberg den Leichnam mit ihrem Fahrzeug mitnehmen. Der Pole wurde mit der Leicheneingangsnummer 40_1942 im Institut aufgenommen, sein Name wurde hier nicht genannt, es fand im Eintrag nur die einliefernde Stelle, die Gestapo, Erwähnung. Auf einer Gräberliste, die vermutlich im Rahmen der Ausländersuchaktion nach dem Krieg erstellt wurde, vermerkte man am 21. April 1947 jedoch, dass Piaskowski nach Heidelberg verbracht wurde.

Der jungen beschuldigten Deutschen wurden weder die Haare geschoren, noch trieb man sie zur Demütigung durch den Ort, wie damals oft üblich. Sie verbrachte allerdings etwa sechs Wochen in Haft.
Sara Doll
Quelle
LABW, StAL
EL 48/2 35 Landeskriminalamt Baden-Württemberg, Ermittlungsverfahren NS-Gewaltverbrechen PA 32, Bd. 1.
Arolsen Archives
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70495144, aufgerufen am 28.7.2026, DocID 70495144.


