Johann Loos

Kurzbiografie

Name, Vorname: Loos, Johann
Geburtsdatum: 22.04.1874
Geburtsort: Reichenschwand
Beruf: Mühlenbauer
Einlieferungsdatum: 12.05.1933
Einlieferungsnummer: 32_1933
Todesursache: Illenau

Johann Loos wurde am 22. April 1874 in Reichenschwand bei Nürnburg geboren. Seine Eltern waren der Zimmermeister Johann Loos und Margarete Loos, geb. Wolfermann. Beide Eltern und zwei Brüder starben vor 1931. Er hatte zwei weitere Brüder, Martin Loos und Konrad Loos, die als Zimmerleute arbeiteten. Johann Loos besuchte die Volksschule in Reichenschwand, wonach er eine vierjährige Lehre zum Mühlenbauer absolvierte. Zwei Jahre lang war er bei den Münchner Leibgrenadieren. Danach arbeitete er als Mühlenbauer in der Schweiz, Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Während des gesamten Ersten Weltkriegs diente er als Füsilier. Er trug Verletzungen an beiden Beinen davon.

Nachdem Ersten Weltkrieg war er wohnungslos und alkoholkrank. Zur Behandlung war er vom 25. März bis zum 3. Juni 1930 in der Anstalt Emmendingen. 1931 wurde er wegen Bettelns zu einem 14-tägigen Aufenthalt in Bezirksgefängnis Offenburg verurteilt. Nach eigenen Angaben habe er dort den „Rappel“ bekommen und wisse nicht, was ihm fehle. Am 10. Oktober 1931 wurde er deswegen in die Badische Heil- und Pflegeanstalt Illenau verlegt. Bei der Aufnahmeuntersuchung halluzinierte und schwitzte er sehr stark. Er zitterte an Händen und Füßen und war zeitlich und örtlich desorientiert. Sein Rücken war dicht mit Kratzstriemen besät, und er hatte starken Schwielen an den Fußsohlen. Nach eigener Angabe hatte er vor dem Gefängnisaufenthalt viel Alkohol getrunken. Am 14. April 1932 wurde er in einem verbesserten Zustand entlassen. Er war weiterhin wohnungslos.

Diagnose_Loos_Seite_2
Quelle: LABW, StAF B 821/2 9617
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Quelle: LABW, StAF B 821/2 9617

Am 7. Mai 1933 wurde Loos wegen wunder Füße in das Krankenhaus Achern eingeliefert. Einen Tag später war er zunehmend motorisch unruhig, weshalb ihm Skopolamin gespritzt wurde. Der Arzt Ernst von der Porten schrieb bereits 1915: „Meines Erachtens [gibt es] mehrere toxikologische Tatsachen, die gegen die Anwendung des Skopolamins bei delirum tremes sprechen. Beim Skopolamin tritt erstens besonders leicht ein [Ü]bergreifen der Lähmung auf das Atemzentrum ein“ (Ernst von der Porten, Delirium tremens, S. 34) Weiterhin verweist er auf die Gefahr Sinnestäuschung oder Delirien auszulösen und von Herzkollapsen. Loos, der als langjähriger Alkoholiker an Entzugserscheinungen litt, hätte dieses Medikament nicht verabreicht bekommen sollen. Am 9. Mai war Loos vollkommen benommen und wurde deshalb erneut nach Illenau verlegt. Bei seiner Ankunft in der Anstalt war er bereits moribund. Er hatte Fieber von 40 Grad und einen fadenförmigen Puls. In seiner Krankenakte wurde vermerkt: „Patient muss sofort zu Bett gebracht werden“. Weitere Maßnahmen wurden nicht unternommen. Er starb gegen 21 Uhr am selben Tag. Sein Leichnam wurde dem Anatomischen Institut mit der Eingangsnummer 32 des Jahres 1933 in Heidelberg übergeben.

Amon Leven

Quellen:

LABW, StAF

B 821/2 9617 Loos, Johann, geb. 1874.

Ernst von der Porten, Zur Behandlung des Delirium tremens mit Veronal, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 1915 Nr. 34 (2), S. 34f.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Loos, Johann
Geburtsdatum: 22.04.1874
Geburtsort: Reichenschwand
Beruf: Mühlenbauer
Einlieferungsdatum: 12.05.1933
Einlieferungsnummer: 32_1933
Todesursache: Illenau

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