Peter Kuhn kam am 28. Dezember 1869 in Weinheim zur Welt. Von seinem Leben ist aus den vorliegenden Akten nur bekannt, dass er Schreiner war, und aus seinem Personen-Ausweis geht hervor, dass er Anfang der 1920er Jahre in Karlsruhe gewohnt haben muss. In der Krankenakte ist außerdem Sasbach als Wohnort vermerkt.

Kuhn wurde am 2. Mai 1925 aus dem Krankenhaus Achern in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau gebracht, nachdem er „plötzlich zu aufgeregt“ gewesen war und eine Krankenschwester bedroht hatte. Die Einweisung wurde mit §5 des badischen Irrenfürsorgegesetzes begründet, und als Diagnose trug man erst Alkoholismus, später Schizophrenie und Katatonie (eine Störung der Bewegungsregulation und damals als Form von Schizophrenie kategorisiert) ein. Die körperliche Gesundheit Kuhns verzeichnete man als „normal“, jedoch nannte man ihn einen „Trinker“ und „Landstreicher“, was angeblich vererbbare „Schädigungen“ waren. Kuhn wurde in der Verpflegungsklasse 3, der niedrigsten und kostengünstigsten Stufe, untergebracht.
In der Anstalt Illenau verbrachte Kuhn die letzten acht Jahre seines Lebens. Aufgrund seiner anhaltenden „schweren Erregungszustände“ wurde er während seines gesamten Aufenthaltes von den anderen Patienten isoliert, und das Pflegepersonal sprach davon, dass er in einer „Zelle“ untergebracht war. Man stufte Kuhn wegen „Schimpfen“ und „Drohen“ als gefährlich ein und verabreichte ihm deshalb „dauernd […] Narkotika“ (Schlaf- oder Beruhigungsmittel). Es wurden auch versuchte körperliche Angriffe auf Mitpatienten dokumentiert und Bemühungen Kuhns, von einem Arzt seine Freilassung zu erwirken.
Peter Kuhn starb am 11. Februar 1933 „an Erschöpfung“ in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Seine Leiche wurde am 14. Februar mit der Eingangsnummer 17 des Jahres 1933 der Anatomie Heidelberg übergeben. Deren Sektionsbericht hielt einen Herzinfarkt als Todesursache fest.
Sjana Reisinger
Quellen:
StAF
B821/2 Nr. 8882 Kuhn, Peter, geb.1869.


