Jan Sedláček

Kurzbiografie

Name, Vorname: Sedláček, Jan
Geburtsdatum: 13.07.1905
Geburtsort: Hořiněves
Beruf: Studium Handelsakademie später Soldat
Einlieferungsdatum: 01.06.1943
Einlieferungsnummer: 27_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Politisches Delikt

Jan Sedláček wurde am 13. Juli 1905 in dem kleinen Ort Hořiněves bei Hradec Králové in der heutigen Tschechischen Republik geboren. Er hatte zwei weitere Geschwister, sein Vater Antonín war Friseur, über seine Mutter liegen keine Informationen vor.

Er besuchte die Grundschule, danach die Staatsschule in Smiřice, 1923 schloss er sein Studium an der Handelsakademie mit Auszeichnungen ab. Bis er wegen seiner ausgezeichneten Deutschkenntnisse eine Anstellung bei der Firma DUO in Opočno erhielt, arbeitete er bei einem Bauern. Die Firma erstellte Waffen und suchte eine Bürokraft.

Im Jahr 1925 besuchte er die Offiziersschule, im Jahr 1935 wurde er Leutnant der Reserve.

Mit seiner Frau Milada, geborene Demlová, bekam er zwei Kinder: 1930 wurde die Tochter Květa, 1935 der Sohn Jan geboren.

wedding photo Sedláček
Hochzeitsfoto von Milada & Jan
Quelle: Privatbesitz Familie Sedláček

In Opočno wurde Sedláček politisch aktiv. Er engagierte sich in der Turnbewegung Sokol (Falke), eine Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete patriotische Bewegung, die körperliche Fitness mit Gemeinschaftssinn verbinden wollte und im Widerstand gegen die deutsche Besatzung während der NS-Zeit eine wichtige Rolle spielte. In dieser Vereinigung arbeitete er auf Kreis- und Bezirksebene, war Trainer und gab eine Zeitschrift heraus. Außerdem wurde er Stadtrat.

Nach der deutschen Besetzung wurde er von Major Krč angeworben, Mitglied in einer weiteren Widerstandsbewegung zu werden. Sedláček konnte 183 Personen für die politische Arbeit gewinnen, sie schlossen sich der Organisation „Verteidigung des Volkes“ an und organisierten Waffen und Sprengstoff. 

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Mit diesem Brief an die SOPVP (Verband der befreiten politischen Gefangenen und Hinterbliebenen) in Prag wendete sich die Witwe am 7. März 1947 an deren Abteilung für Hinterbliebene, um sich zu erkundigen, ob sie die sterblichen Überreste ihres Mannes bekommen könnte. Sie bekam keine Antwort.
Quelle: Jana Bucharová

Im Februar 1940 wurde Sedláček durch den Gestapo-Beamten Liebel besucht. Er gab vor, ein Offizier der tschechoslowakischen Reservearmee zu sein und gewann durch eine List (er kannte ein vereinbartes Passwort) das Vertrauen von Sedláček. Am 14. Februar wurden Sedláček und ein weiterer Kollege verhaftet. Nach Gefängnisaufenthalten in Hradec Králové, in Pankrác, in Dresden, Bautzen und Rottenburg wurde er schließlich nach Stuttgart gebracht. Jan Sedláček wurde am 11.12.1942 in Stuttgart zum Tode verurteilt und am 1.6.1943 um 5:36 Uhr hingerichtet. 

Zusammen mit 15 anderen Hingerichteten aus Stuttgart brachte man seine Leiche zur Anatomie Heidelberg, wo er die Eingangsnummer 27 des Jahres 1943 bekam. Nach seiner Einäscherung auf dem Bergfriedhof in Heidelberg verbrachte man ihn, laut Gräberliste unter der Nummer 183, in ein Aschensammelgrab. Er wurde sehr wahrscheinlich mit weiteren ausländischen Kriegstoten im Frühjahr 1973 auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Heidelberg umgebettet. Die Familie wurde über diese Vorgänge nicht informiert und erfuhr erst jetzt, im Rahmen dieser Recherche über die Einlieferung von Jan in die Anatomie. 

In seinem letzten Brief an seinen Vater schrieb Jan Sedláček am 31. Mai 1943: „Nach dem Willen des Schicksals und des Allmächtigen blicke ich ruhig und vollkommen versöhnt dem 1. Juni entgegen, dem Tag der Vollstreckung des Urteils, und denke mit Liebe an euch, denn neben meiner süßen Mila und meinen lieben Kindern wart ihr mir so nah und teuer.

Ich bitte euch noch einmal: Vergebt mir, dass ich euch so viel Schmerz, Sorgen und Kummer bereitet habe, und denkt in guter Erinnerung und mit Liebe an mich. Ihr wisst ja auch, wie sehr ich euch geliebt habe. […] Meiner Mutter kann ich leider nicht danken, und es war mir auch nicht vergönnt, mich an ihrem Grab von ihr zu verabschieden. Bitte richtet ihr das in meinem Namen aus, auf unserem einfachen kleinen Friedhof, an ihrem Namenstag. Ich freue mich darauf, sie im Jenseits wiederzusehen.“

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Quelle: Jana Bucharová, publiziert in: Rezková, Helena; Spatenková, Pavlína. Nebylo jim souzeno zít. Verlag Helena Rezková, Jaroměř, 2018.

Am 18. Dezember 1945 wurde Sedláček posthum mit dem Tschechoslowakischen Kriegskreuz 1939 ausgezeichnet, am 9. Mai 1965 wurde ihm posthum die Ehrenbürgerschaft der Stadt Opočno für sein Opfer im Kampf gegen den Nationalsozialismus verliehen, und am 5. Juni 1966 enthüllte man eine Gedenktafel zu seinen Ehren an seinem Geburtshaus in Hořiněves.

Sara Doll

Quellen:

Rezková, Helena; Spatenková, Pavlína. Nebylo jim souzeno zít. Verlag Helena Rezková, Jaroměř, 2018.

Mail Verkehr mit Frau Jana Bucharová

StAHD

LFA 50, Gräberliste

Kurzbiografie

Name, Vorname: Sedláček, Jan
Geburtsdatum: 13.07.1905
Geburtsort: Hořiněves
Beruf: Studium Handelsakademie später Soldat
Einlieferungsdatum: 01.06.1943
Einlieferungsnummer: 27_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Politisches Delikt

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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