Margarethe Stögbauer wurde am 7. März 1914 als Tochter von Franz und Maria Neumann in Leoben (Österreich) geboren. Nach der Volksschule begann sie 1928 eine Ausbildung zur Frisörin, brach diese jedoch nach wenigen Monaten ab und ging daraufhin nach Wien, wo sie für ein Jahr als Stubenmädchen arbeitete.
Im März 1931 heiratete sie den Chauffeur Johann Stögbauer, ab 1932 lebten sie jedoch bereits getrennt, und Margarethe Stögbauer begann – vermutlich von ihrem Ehemann dazu genötigt – als Prostituierte in verschiedenen Städten in Österreich und Deutschland zu arbeiten. Ihre Ehe wurde 1938 aus beidseitigem Verschulden geschieden, und ab Oktober 1939 lebte und arbeitete sie in der Gutemannstraße (heute: Lupinenstraße) in Mannheim, zunächst im Haus Nr. 10 und anschließend im Haus Nr. 14 – einem Bordell, das von Rosa Eckel betrieben wurde.
Beide wurden im Jahr 1943 beschuldigt, aus dem Keller des Hauses Nr. 12, ebenfalls ein Bordell, Gegenstände und Lebensmittel gestohlen zu haben. Der Besitzer Wilhelm Suntz gab im Juli 1943 bei der Staatsanwaltschaft Mannheim an, dass nach einem Luftangriff in der Nacht auf den 17. April 1943 in seinem Keller geplündert worden sei. Es würden mehrere Wein- und Schnapsflaschen, 40 Pfund Zwiebeln, 15 Dosen Konserven und eingelegte Gurken, mehrere Packungen Kondome, ein Topf mit Butterschmalz, zwei Gummischürzen, zehn Bündel Holz, ein großes Tuch sowie eine alte Bettvorlage fehlen – alles zusammen hätte einen Wert von 425 Reichsmark gehabt. Ob die Gegenstände für Suntz wirklich noch von Wert gewesen wären oder ob er durch die Denunziation versuchte, seine geschäftliche Konkurrenz auszuschalten, lässt sich nicht mehr belegen. Sowohl Stögbauer als auch Eckel wiesen zunächst alle Vorwürfe zurück, beide wurden aber dennoch am 7. August verhaftet, da andere Prostituierte angaben, manche der Gegenstände im Haus von Eckel gesehen zu haben. Bei einer Durchsuchung wurden allerdings nur ein leerer Topf und ein Kanister Maschinenöl gefunden, was jedoch für den zuständigen Kriminalsekretär ausreichte, um Stögbauer und Eckel für die Plünderung verantwortlich zu halten. Nach mehreren Befragungen gaben beide am 27. August zu, dass sie manche der Lebensmittel und Gegenstände aus den Kellerräumen genommen haben, jedoch im Glauben, dass diese zurückgelassen worden seien, da Suntz kein Interesse mehr daran gezeigt habe. Stögbauer wurde, wie auch Rosa Eckel, am 1. November 1943 angeklagt und am 15. November 1943 vom Sondergericht Mannheim wegen Plünderung zum Tod verurteilt.
Dabei legte das Urteil Wert darauf, den beidem Frauen eine „besonders ehrlose Gesinnung“ nachzuweisen, da sie sich aufgrund der Plünderung „an Hab und Gut der geschädigten Volksgenossen“ vergangen haben und sich daher „außerhalb der Volksgemeinschaft“ stellen würden. Ein Begnadigungsgesuch ihres Rechtsanwalts wurde abgelehnt, und auch eine versuchte Nichtigkeitsbeschwerde blieb erfolglos. Auch die Angabe, dass sie für ihren zwei Jahre alten Sohn zu sorgen habe und sonst nie kriminell in Erscheinung getreten sei, konnte das Todesurteil nicht abwenden.

Margarethe Stögbauer wurde am 22. Dezember 1943 um 5:12 Uhr morgens in Stuttgart getötet, drei Minuten nachdem auch Rosa Eckel enthauptet worden war. Ihr letzter Wunsch war es, nochmal mit Eckel zusammen sein zu dürfen. Der Leichnam von Stögbauer wurde der Anatomie Heidelberg zu Forschungszwecken übergeben. Im Jahr 2009 verlegte der Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim e.V. einen Stolperstein für Margarethe Stögbauer in Mannheim.
Julia Franke
Quellen
GLA
507 Nr. 12316-12319
507 Nr. 12316
Urteil gegen Rosa Eckel und Margarethe Stögbauer, 15.11.1943
Marchivum
Margarethe Stögbauer, https://www.marchivum.de/de/geschichte/stolpersteine/margarethe-stoegbauer, aufgerufen am 30.3.2026.
Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim e.V. Stolpersteine für Rosa Eckel und Margarethe Stögbauer. https://www.akjustiz-mannheim.de/images/Erinnerungskultur/20090325_stolpersteine-neckarstadt-flyer.pdf, aufgerufen am 30.4.2026.
LeoBW. Margarethe Stögbauer.https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/nsjustizbaden_personen/nsjustiz_baden_p127/St%C3%B6gbauer%20Margarethe, aufgerufen am 30.03.2026.



