Für ihre Aktionen in der französischen Widerstandsbewegung gegen die nationalsozialistische Besatzungsmacht in Frankreich wurden sie in Stuttgart hingerichtet: die Widerstandsgruppe der sieben Eisenbahner und eines städtischen Angestellten aus Dijon, zu der auch Jean-Pierre Tamigi zählte.
Er kam 16. Januar 1910 in Allevard, Dep. Isère als Sohn von Henri Tamigi, Maler, und Adrienne, geb. Perrin-Gouron, Hausfrau, auf die Welt. Tamigi wuchs mit zwei älteren Geschwistern auf: Henri, geboren 1902 und Georgette, geboren im Jahre 1904. Er war katholischen Glaubens und ging eine Ehe mit Claire, geb. Ceron ein. Das Paar bekam 1929 den gemeinsamen Sohn Raphaël.
Zwischen 1930 und 1931 diente Tamigi beim Gebirgs-Artillerie Regiment Nr. 93 in Grenoble. Ab dem 1. April 1937 arbeitete er als Eisenbahnschlosser im Depot Dijon-Perrigny und war Mitglied in der Gewerkschaft CGT (Confédération générale du travail). Im Zweiten Weltkrieg diente er von September 1939 bis August 1940 beim 10. Panzer Regiment und kämpfte dabei im Gefecht bei Bitsch [franz. Bitche, d. Vf.]; bei seiner anschließenden Demobilisation hatte er den Dienstgrad des Maréchal de Logie erreicht.
Tamigi wurde unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Besatzung in Frankreich Ende 1940 Mitglied der von Maurice Thuringer gegründeten Widerstandsgruppe beim Bahnhofsdepot Dijon-Perrigny. Diese schloss sich zwei Jahre später dem Widerstandsnetz „Ceux de la Libération“ der Résistance Intérieure Française (RIF) und der „Résistance ouvrière“ der CGT an. Die Gruppe verübte 1943 drei Sprengstoffanschläge, an denen Tamigi nicht direkt beteiligt war. Er half jedoch, die Waffen und Lebensmittel des Fallschirmabwurfes eines englischen Flugzeuges zu verstecken und kam so in den Besitz einer Maschinenpistole mit Magazinen und Munition. Im November 1943 folgte seine Verurteilung zum Tode als Mitglied der Widerstandsgruppe von Eisenbahnern durch das Feldgericht in Dijon.

Die Todesstrafen wurden am 19. April 1944 beginnend um 5:21 Uhr im zwei-Minuten-Takt mit der Guillotine im Lichthof des Landgerichts Stuttgart vollstreckt. Um 5:36 Uhr wurde Jean Tamigi hingerichtet. Er hinterließ seine Ehefrau Claire und den 14-jährigen Sohn Raphaël. Sein Leichnam wurde noch am selben Tag unter der Nummer 21/44 in die Anatomie der Universität Heidelberg gebracht. Nach der Verwendung seiner Leiche für die anatomische Lehre in Heidelberg und der folgenden Einäscherung 1947 wurde er in der „Nécropole nationale du Struthof, à Natzwiller“ (Bas-Rhin) auf Feld J, Reihe 3, Grab 52 beigesetzt. Außerdem erhielt der Widerstandkämpfer die Anerkennung „Mort pour la France“ [gestorben für Frankreich, d. Vf.], die Würdigung als „Forces Françaises Combattantes“ (FFC) und den Status als Deportierter internierter Widerstandskämpfer. Am 26. Juni 1947 wurde ihm posthum die „Médaille de la Résistance française“ verliehen. Gemeinsam mit den Namen der sechs anderen Eisenbahner im Widerstand findet sich Jean Tamigis seit 1996 auf der Erinnerungstafel am Bahnhof in Dijon. Außerdem wird an ihn namentlich auf dem „Monument aux morts de la SNFC“ des Bahnhofs Grenoble erinnert. Es trägt die Inschrift „La SNFC a ses morts guerre 1939-1945 [Die SNFC hat ihre Toten des Krieges 1939-1945, d. Vf.]“.

Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Brigitte und Gerhard Brändle
Quellen
GLA
309 Nr. 6076
Archives Départementales de L’isère
Liste nominative des habitans la commune d Allevard. https://archivesenligne1.archives-isere.fr/ark:46517/1f0874a04f2e6d84808f0050568bfe75.fiche=arko_fiche_6810c0a85a3ad.moteur=arko_default_66911fb6481ab. aufgerufen am 5.5.2026.
Neveu, Céderic; Fontaine, Thomas. Tamigi Jean-Pierre. In: Fontaine, Thomas, Cheminots victimes de la répression. Paris, 2017.
Mémoire des Hommes. Tamigi, Jean Pierre.
https://www.memoiredeshommes.defense.gouv.fr:443/ark:40699/m005cc7fff0dc67c.moteur=arko_default_66fa612acbc0d. aufgerufen am 30.03.2026.

