Albert Emil Bender

Kurzbiografie

Name, Vorname: Bender, Albert Emil
Geburtsdatum: 2.4.1884
Geburtsort: Karlsruhe
Einlieferungsdatum: 29.1.1935
Einlieferungsnummer: 14_1935
Todesursache: Kislau
Vorgeworfenes Vergehen: Betteln

17 Vorstrafen. Eine letzte „Straftat“, die ihn die verbleibenden neun Tage seines Lebens im Anstaltskrankenhaus Kislau verbringen ließ. Albert Emil Bender wurde immer wieder wegen „Bettels und Landstreicherei“ inhaftiert. Zwei Tatbestände, die seit 1974 nicht mehr im Strafgesetzbuch zu finden sind.

Er wurde am 2. April 1884 in Karlsruhe als Sohn von Hermann Bender und Eva, geb. Fischer, geboren. Bender hatte zwei Brüder, Wilhelm und Karl. Er war evangelisch, ledig, wird in der Akte als Kaufmann geführt, hatte keine Kinder. Abseits von Verurteilungen und Gefängnisaufenthalten lässt sich nur noch wenig von Benders Leben rekonstruieren. Sein Aussehen wurde wie zu dieser Zeit üblich in einer „Personalbeschreibung“ von 1935 bei seiner Einlieferung in das Arbeitshaus Kislau dokumentiert: 1,69 m groß, schlank, ovales Gesicht mit gesunder Gesichtsfarbe, blonde Haare, braune Augen, gute Zähne, kein Bart, gerade Beine, keine besonderen Kennzeichen. Nach Kislau brachten Bender seine zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Vorstrafen in verschiedenen Fällen von Bettel und Landstreicherei, die für das Landgericht Karlsruhe die „Gewerbsmäßigkeit“ seines strafbaren Verhaltens bewiesen.

Die erste Haftstrafe von wenigen Tagen wegen Bettels verbüßte Bender im Alter von 24 Jahren. Bis 1915 folgten sechs weitere solcher Vorstrafen, darunter 1911 auch die wegen „Gebrauchmachung von einem falschen Arbeitszeugnis zwecks besseren Fortkommens“. In den sich anschließenden sieben Jahren wurde Bender weder polizeilich noch gerichtlich auffällig. Eine Erklärung dafür stellte sein Einzug zum Heeresdienst im November 1916 dar. Er diente bis zum Kriegsende und war für einen nicht näher definierten Zeitraum auch im Feld. In den Jahren 1922 und 1923 folgten jedoch erneut Haftstrafen von mehreren Tagen wegen Bettels und Landstreicherei. Etwas beständiger scheint sein Leben von 1923 bis 1927 geworden zu sein, während er in den „Fittingwerken“, einer Eisengießerei, in Singen arbeitete.

Doch im August des Jahres 1927 wurde Bender vom Amtsgericht Nördlingen wegen eines Betrugsversuches abermals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, wobei nach nachträglicher Einschätzung des Landgerichts Karlsruhe von 1934 „auch dieser Fall eine enge Berührung mit Bettel“ hatte. Der evangelische Bender soll sich in Nördlingen gegenüber einem jüdischen Bäckermeister als Angehöriger des jüdischen Glaubens ausgegeben haben, „um so eine höhere Unterstützung zu erreichen“. Zur Untermauerung dieser Behauptung hatte er falsche Papiere dabei, die in der Gemeinde Malsch auf einen jüdischen Einwohner ausgestellt worden waren. Ähnliche gefälschte Papiere wurden im März 1932 bei einer Festnahme Benders wegen Bettels festgestellt. Diesmal handelte es sich um eine Bescheinigung des Bezirkskrankenhauses Babenhausen, die auf den jüdischen Bäcker Max Palm ausgestellt war. Im Dezember 1934 meinte das Landgericht Karlsruhe dazu: „und es besteht offenbar ein gewisser Zusammenhang zwischen dieser Bescheinigung und dem Papier, das der Angeklagte im Jahre 1927 in Nördlingen vorgezeigt hatte“. Die Herkunft der Papiere blieb in beiden Fällen ungeklärt. Weitere polizeilich verhängte Haftstrafen wegen Bettels und Landstreicherei schlossen sich bis einschließlich März 1934 an.

Arztbericht Bender
GLA 521, Nr. 529
Personalbogen Bender
GLA 521, Nr. 529

Im Widerspruch dazu steht, dass Bender noch am Tag seiner Einlieferung nach Kislau, am 17. Januar 1935, in das Anstaltskrankenhaus eingewiesen wurde. Der Grund dafür wurde nicht dokumentiert. Vier Tage später hielt ein Anstaltsarzt zu seinem Gesundheitszustand fest: zyanotisches Gesicht [Blaufärbung des Gesichts durch Herzerkrankung, d. Vf., starke Verbiegung der Brustwirbelsäule nach rechts und hinten, der Lendenwirbelsäule nach links, Herz verbreitert, starke Ödeme [Wassereinlagerungen, d. Vf.] an beiden Unterschenkeln, in beiden Lungen hinten Rasselgeräusche. „Nicht arbeitsfähig. Pflegefall“.

Todesmeldung Bender
GLA 521, Nr. 529

Wenige Stunden vor Benders Tod am 26. Januar 1935 musste der Anstaltsarzt Dr. Ramsperger aufgrund eines „heftigen Schwächeanfalls“ zu ihm geholt werden. Dieser verordnete noch, dass er „ab sofort und Sonntag in das Fürst Stirum Hospital [in Bruchsal, d. Vf.] abgeliefert werden“ sollte. Doch dazu kam es nicht mehr. Um 21:10 Uhr verstarb Bender im Anstaltskrankenhaus im Alter von 50 Jahren. Da seine beiden Brüder die Übernahme der Beerdigungskosten ablehnten, wurde seine Leiche am 29. Januar 1935 um 15:30 Uhr aus Kislau abgeholt und als Nr. 14/35 in die Anatomie Heidelberg eingeliefert.

Angelina Baudach

Quellen

GLA                                                                              

521, Nr. 529

Kurzbiografie

Name, Vorname: Bender, Albert Emil
Geburtsdatum: 2.4.1884
Geburtsort: Karlsruhe
Einlieferungsdatum: 29.1.1935
Einlieferungsnummer: 14_1935
Todesursache: Kislau
Vorgeworfenes Vergehen: Betteln

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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