Prinz Max Karl Joseph Maria zu Hohenlohe-Langenburg

Kurzbiografie

Name, Vorname: Hohenlohe- Langenburg, Prinz Max Karl
Geburtsdatum: 21.7.1901
Geburtsort: Toblach
Beruf: Publizist
Einlieferungsdatum: 27.7.1943
Einlieferungsnummer: 64_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

Prinz Max Karl Joseph Maria zu Hohenlohe-Langenburg wurde am 21. Juli 1901 in Toblach (Südtirol) geboren. Er war das zweitgeborene Kind von Max zu Hohenlohe-Langenburg und Karoline Gräfin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und entstammte damit einer Seitenlinie des Adelshauses Hohenlohe-Langenburg. Trotz adliger Herkunft war sein Leben von finanziellen Einschränkungen geprägt, da das väterliche Vermögen aufgrund fehlgeschlagener Investitionen in österreichische Kriegsanleihen verloren ging. Infolgedessen geriet Max Karls Vater in ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse. 

Hohenlohe Bild
Quelle: Hohenlohe-Zentralarchiv, Signatur La 147 Bü 7

Seine Kindheit verbrachte er bis zu seinem elften Lebensjahr in Toblach, ehe er für etwa zwei Jahre das Benediktinerkloster Ettal in Bayern besuchte. Danach wurde er von Haus- und Privatlehrern unterrichtet. Er schloss seine Schullaufbahn ohne Abschlussprüfung ab.

Ab November 1920 studierte er in München mehrere Jahre Mosaik- und Glasmalerei. Diese Ausbildung brach er jedoch infolge eines Urteils des Schöffengerichts München vom 25. April 1924 ab. In diesem wurde er „wegen Verbrechens und Vergehens gegen die Sittlichkeit“ zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Schuldspruch bezog sich auf homosexuelle Handlungen mit Minderjährigen und begründete sich auf §175 des Strafgesetzbuches, der Homosexualität seit 1871 unter Strafe stellte. Er saß seine Haftstrafe im Münchner Gefängnis Stadelheim ab. 

Nach seiner Haft widmete er sich der Reisetätigkeit. Seine Reisen führten ihn unter anderem nach Italien, später nach Tunis. Er finanzierte diese Reisen durch eine größere Erbschaft, die ihm zuteilwurde, während er gerade im Gefängnis saß. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mittels Reisebeschreibungen, die in deutschsprachigen Zeitschriften gegen Honorar veröffentlicht wurden. 

Da diese Einnahmen seine Lebenshaltungskosten nicht deckten, beschloss er, wie es in den Akten zu seinem späteren Strafverfahren hieß, „mit einer ´bürgerlichen´ Italienerin eine Namenehe einzugehen“. Die Ehe wurde am 3. Juni 1931 in London mit Louisa Georgina Pasquero geschlossen. Pasquero sollte ihm im Gegenzug für ihre Einheirat in den Adelsstand „300 000 Frs zahlen und ihn bei weiteren Reiseunternehmungen großzügig unterstützen“. „Infolge ihrer Spielleidenschaft“ und der daraus resultierenden Zahlungsunfähigkeit blieb diese Leistung jedoch aus.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte zu Hohenlohe-Langenburg  nach Paris, da „er sich vom Nationalsozialismus zurückgestoßen gefühlt habe“. Dort setze er seine journalistische Tätigkeit fort und wandte sich zunehmend politischen Themen zu, wodurch er Aufmerksamkeit erregte. Ab 1934 schrieb er für das „Pariser Tageblatt“. Dort tätigte er „kritische Ausführungen über den Nationalsozialismus“. So bezeichnete er etwa Adolf Hitler in seinem Artikel „Gespräche mit Stabschef Roehm“ vom 2. Januar 1934 als „nationalsozialistischen Bandenführer“.

Besonders deutlich trat seine regimekritische Haltung im Artikel „Der Nationalsozialismus von einem deutschen Prinzen aus gesehen“ hervor, der am 18. November 1933 in „Miroir du Monde“ veröffentlicht wurde. Darin schrieb er über die nationalsozialistische Herrschaft von „der Unterdrückung der individuellen Freiheit und dem Terror, der den Geist unterdrückt“. Diese sei schlimmer als der psychische Tod. Zudem bezeichnete er den ideologisch begründeten Antisemitismus als „Bluff des Nationalsozialismus“.  

Neben seiner publizistischen Tätigkeit engagierte sich zu Hohenlohe-Langenburg als Aktivist im Saarkampf gegen eine Rückgliederung des Saarlands an das Deutsche Reich.

Lechleiter Gruppe
Quelle: Sara Doll

Er trat öffentlich als Redner auf und unterzeichnete am 21. September 1934 den Aufruf der Société-Franco-Saaroise und erklärte: „Als Deutscher aber muss ich sagen: Nicht durch den Status quo verraten wir unser Vaterland, sondern im Gegenteil wir verraten es, indem wir uns zu Hitler bekennen“. 

Dieses Engagement führte am 1.November 1934 zu seiner Ausbürgerung aus dem Deutschen Reich. Zu Hohenlohe-Langenburg war fortan staatenlos. In den folgenden Jahren zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, bis er sich 1939 freiwillig zum französischen Kriegsdienst meldete. Er wurde jedoch von der französischen Polizei festgenommen und in das Internierungslager Meslay du Maine gebracht. Im Anschluss ließ er sich für die französische Fremdenlegion anwerben. Es folgte eine militärische Ausbildung in Saida, weshalb er nach Marokko befördert wurde, sowie ein Aufenthalt in nordafrikanischen Lagern. Ab November 1940 bemühte er sich – nach Zusicherung durch die deutsche Rückführungskommission in Algier, dass sein früheres regimekritisches Wirken für ihn  folgenlos bleiben werde – um eine Rückkehr nach Deutschland. Er wurde am 11. Juli 1941 in Chalons den deutschen Behörden übergeben und inhaftiert.

Bevor ihm seine regimekritische Vergangenheit – entgegen der Zusicherung der Rückführungskommission – zum Verhängnis wurde und er deswegen vom 16. Januar bis zum 30. April 1942 im Gerichtsgefängnis Karlsruhe verhört wurde, verbrachte er knapp sieben Wochen in einem Durchgangslager für rückkehrende Fremdenlegionäre in Kislau. 

Die Anklageschrift vom 26. Oktober 1942 wertete sein Wirken in den Jahren 1933-1938 als „Dienst [an] de[n]  hochverräterischen Bestrebungen […] der jüdischen Emigranten […]“ und stufte es als Hochverrat ein. Am 12. Dezember 1942 verhängte der Erste Senat des Volksgerichtshofes Berlin unter Vorsitz des Präsidenten und Strafrichters Roland Freisler die Todesstrafe, die am 27. Juli 1943 in Stuttgart vollstreckt wurde.

Zu Hohenlohe-Langenburgs Leichnam wurde ohne seine Zustimmung zu Forschungszwecken an die Anatomie der Universität Heidelberg übergeben, die 1950 eine anonyme Bestattung veranlasste. Seit 2001 erinnert eine Gedenktafel auf dem Heidelberger Bergfriedhof an ihn. 

Chiara-Sandy Wirth

Quellen

Archiv des Instituts für Zeitgeschichte:

ED 211 Fa 117/145

Anklageschrift des Oberreichsanwalts beim Volksgerichtshof Berlin vom 26. Oktober 1942

Urteil des Ersten Senats des Volksgerichtshof Berlin vom 12. Dezember 1942

Mumm, Hans-Martin. Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz auf dem Bergfriedhof. In: Württembergisch Franken 89. Schwäbisch Hall, 2005.

Schiffer, Peter. Prinz Max Karl zu Hohenlohe-Langenburg (1901-1943). Ein Leben zwischen Kunst, Literatur und Politik. In: Hannig, Alma; Martina, Winkelhofer (Hrg.). Die Familie Hohenlohe. Eine europäische Dynastie im 19. und 20. Jahrhundert. Wien, 2013.

Walter, Jürgen. Max Karl Prinz zu Hohenlohe-Langenburg, die deutsch-jüdische Emigration in Paris und das Dritte Reich. In: Württembergisch Franken 88. Schwäbisch Hall, 2004.

Zarusky, Jürgen. Widerstand als „Hochverrat“ 1933-1945. Die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht, Mikrofiche-Edition, Bd.-Nr. 587 und 588, Anklageschrift und Urteil.  München, 1993.

Deutsches Zeitungsportal. Pariser Tageblatt, 2.1.1934. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/VTMBKLRIFNEBRRFFFTTUONPL7IVW7HNW?issuepage=1, aufgerufen am 01.04.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Hohenlohe- Langenburg, Prinz Max Karl
Geburtsdatum: 21.7.1901
Geburtsort: Toblach
Beruf: Publizist
Einlieferungsdatum: 27.7.1943
Einlieferungsnummer: 64_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: politisches Delikt

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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