Raymund Kupny

Kurzbiografie

Name, Vorname: Kupny, Raymund
Geburtsdatum: 25.7.1907
Geburtsort: Domb
Beruf: Mechaniker
Einlieferungsdatum: 20.10.1938
Einlieferungsnummer: 39_1938
Todesursache: Erschossen
Vorgeworfenes Vergehen: Gefängnisausbruch und Flucht

Raymund Kupny wurde am 25. Juli 1907 in Domb, dem polnisch Dąb in Oberschlesien im Amtsbezirk Kattowitz, geboren. Ein Meter sechsundsechzig groß, mittlere Gestalt mit bleicher Gesichtsfarbe, dunkle Haare, braune Augen, bartlos, grade Beine, gute Zähne, eine kleine Narbe an der Stirn und eine Brille als besonderes Kennzeichen, so wurde er 1934 beschrieben. 

Seine Mutter Marie (Maria) Catharina Kupny wurde 1915 Witwe; ihr Mann Peter fiel im Ersten Weltkrieg. Zuerst wohnte die Familie in Oppeln, dann zog sie nach Breslau um. Das Paar hatte weitere Kinder, darunter auch eine Tochter, die einen Friseursalon führte. 

Raymund Kupny war nicht verheiratet, er und Elisabeth Johanna Boenisch hatten eine uneheliche gemeinsame Tochter. Nach der Volksschule lernte er den Beruf des Mechanikers, war aber ab dem Jahr 1929 arbeitslos.

Am 13. Juni 1934 wurde Kupny in der Kattowitzer Zeitung erwähnt; er war aus dem Bezirksgefängnis Oppeln geflohen, wo er eine Haftstrafe wegen schwerer Diebstähle absaß. Am 16. Juni suchte man nach ihm mithilfe einer Bildveröffentlichung, die im Deutschen Kriminalpolizeiblatt erschien. Kupny war bereits fünf Mal wegen verschiedener Straftaten wie Urkundenfälschung, Betrug, Einbruchdiebstahl und Fahrzeugdiebstahl vorbestraft. Er beging Fahrraddiebstähle an unterschiedlichen Orten, stahl einen Mercedes in Sigmaringen, eine Arzttasche aus einem Fahrzeug, raubte einen Kiosk und den Schaukasten einer Drogerie aus. Nach dem Ausbruch in Oppeln entwendete er einen Opel, den er jedoch wegen Benzinmangels in Zieserwitz, heute Cesarzowice, nach etwas über 120 Kilometer Fahrt zurückließ. Kurz danach, am 22. Juni, kam er in Friesenheim nahe Lahr mit einem weiteren gestohlenen Fahrzeug in eine Polizeikontrolle. Er fiel den Polizisten auf, als er versuchte, ein am Fahrzeug befestigtes Fahrrad an Passanten zu veräußern. Bei der durchgeführten Personenkontrolle fiel den Beamten eine Diskrepanz zwischen seinen anbei geführten KFZ-Fahrzeugpapieren und den Aussagen über seine angebliche Identität auf.

Kupny Portrait
Quelle: Deutsches Kriminalpolizeiblatt, 16.6.1934.

Daraufhin wurde der Wagen beschlagnahmt, und Kupny brachte man in eine nahe gelegene Autowerkstatt. Hier versuchte dieser zu fliehen, er gab nach der Warnung „Hände hoch“ mit einer Selbstladepistole der Marke Dreyse, Kaliber 6,35 mm, mehrere Schüsse ab.

Laut Bericht wurden die Polizisten und der anwesende Mechaniker nur knapp verfehlt. Tatsächlich konnte nicht genau geklärt werden, ob zwei oder drei Schüsse abgegeben wurden. In einem Handgemenge wurde ihm die Pistole entrissen, einer der Beamten schlug sie ihm so lange auf den Kopf, bis er bewusstlos liegenblieb.

Schubbefehl Kupny
Schubbefehl vom 7.9.1934 mit der Personenbeschreibung von Raymund Kupny
Quelle: GLA 507 Nr. 12001

Zunächst verbrachte man Kupny in Untersuchungshaft ins Bezirksgefängnis Lahr. Erst am 25. August 1936 wurde am Sondergericht Mannheim das Urteil verkündet: Er wurde wegen eines Verbrechens nach §§ 212, 43, 73 Str.G.B. §1 Abs. 1 Ziffer 1 des Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens vom 13. Oktober1933 und versuchten Totschlags zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Kupny wurde ins Männerzuchthaus Bruchsal verlegt, nur wenige Tage später brachte man ihn auf Gesuch der Staatsanwaltschaft Oppeln zurück nach Oberschlesien. Hier sollte er in der Strafanstalt Gross-Strehlitz, heute Strzelece Opolskie, die Gesamtzuchthausstrafe von fast 14 Jahren absitzen.

Jedoch konnte Kupny erneut aus dem Gefängnis entkommen. Mit einem Essensmesser schnitt er ein Loch in die Zellentür, kroch durch dieses hindurch und stahl in einem Büro einen Schlüsselbund, so dass er in den Hof eindringen konnte. Dort seilte er sich anschließend mit einem Bettlaken über die Mauer ab.

Hiernach verliert sich die Spur Kupnys. Erst am 20. Oktober 1938 tauchte sein Name wieder in den Zeitschriften auf. Dieses Mal schrieb „Der Führer“ unter der Überschrift „Die Verbrecherjagd in Baden-Baden“ über eine weitere gelungene Flucht. Aus diesem Beitrag lässt sich entnehmen, dass Raymund Kupny in der Zwischenzeit in der Haftanstalt Münster eingesessen und sich seine Haftstrafe von zehn auf fünfzehn Jahre verlängert hatte.

Am 22. September 1938 beschäftigte man ihn zu einem Außeneinsatz am Dortmund-Ems-Kanal. Dabei konnte er jedoch in der Nähe von Hiltrop erneut entkommen. Diese Flucht wurde jedoch seine letzte. Mit einem gestohlenen Fahrzeug, dass das Kennzeichen I E 32 172 trug und aus der Provinz Brandenburg, Landkreis Cottbus stammte, kam er erneut in eine Polizeikontrolle. Im Baden-Badener Stadtteil Oos näherte sich in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1938 eine Polizeistreife einem geparkten Fahrzeug, in dem sich Kupny auf dem Fahrersitz befand. Nach den Fahrzeugpapieren gefragt, gab er diese heraus, doch nach kurzer Zeit ließ er den Motor an, und als der Beamte zur Fahrertür lief, fuhr Kupny los. Der Polizist, der an diesem Abend Dienst hatte, wurde auf die Motorhaube geworfen, konnte sich jedoch an dieser festhalten. Kupny versuchte die Richtungen zu wechseln, es gelang ihm jedoch nicht, den Polizisten abzuwerfen. Dieser rief laut mehrfach um Hilfe, und nach kurzer Zeit auf dem fahrenden Fahrzeug schoss der Beamte zwei Mal auf Kupny. Auf der Höhe des Gasthauses „Zum Adler“ traf eine der beiden Kugeln Kupny schließlich tödlich in die Brust. „Das nunmehr führerlos gewordene Kraftfahrzeug […] raste in gerader Richtung weiter, durchbrach einen mehrere Meter breiten Vorgarten und landete, nach Durchbrechung und Mitnahme eines Baumes in dem 2 Meter tiefen Mühlgraben, aus dem es im Laufe des Vormittags geborgen wurde.“ Vorher konnte der Beamte jedoch noch vom Wagen abspringen und erlitt lediglich einen Knöchelbruch. Noch am selben Tag wurden der Tathergang und der Tatort untersucht.

Am 20. Oktober 1938 wurde Raymund Kupny entsprechend geltenden Verordnungen in die Heidelberger Anatomie eingeliefert, er bekam die Eingangsnummer 39 des Jahres 1938 zugewiesen. Schon kurze Zeit später, im November, bemühte sich seine Mutter, Kontakt zur Anatomie und deren Leiter aufzunehmen. Sie beschrieb ihren Sohn als Opfer der Verhältnisse. So sei er auf skrupellose Vertreter mit falscher Identität hereingefallen, als er deren überteuerte Waren kaufte und nicht weiter veräußern konnte. Er durchlitt berufliche Fehlschläge, hatte aber ein gutes Herz. Ihr Sohn sei ein ruhiges Kind gewesen, konnte kein Blut sehen und ging seiner Mutter immer hilfreich zur Hand. Maria Kupny, selbst finanziell nicht gut gestellt mit kleiner Rente, wollte Raymund unbedingt in Breslau bestatten, eine Messe für ihn lesen lassen. Mit dem „letzten Pfennig“ wollte sie einen Sarg kaufen, um ihn in der bereits nach Heidelberg geschickten Kleidung und einem Rosenkranz zurück nach Breslau bringen zu lassen. 

Am 12. November 1938 informierte das Institut die Mutter, dass sowohl die durch sie gesendeten Gegenstände als auch das Geld an sie zurückgeschickt würden. 

Leichenpass Kupny
Quelle: AIHD Leichenpass von Kupny

Etwa sieben Monate später, am 29. Juni 1939, verfasste das Institut eine weitere Mitteilung an Maria Kupny. In dem Brief wurde ihr mitgeteilt, dass sie sich nunmehr an das Bestattungsamt Heidelberg wenden könne, um die Beerdigung zu organisieren. Es ist jedoch unklar, ob die Briefe Frau Kupny jemals erreichten und wo der Leichnam bestattet wurde. Die Adresse wurde einem ihrer Briefe entnommen, auf denen sie jedoch statt Brüderstrasse – wahrscheinlich ihrer Aussprache entsprechend- „Briederstrasse“ schrieb. 

Sara Doll

Quellen

AIHD 

Ordner ohne Signatur

Briefe der Mutter, November 1938

Leichenpass

GLA

507, Nr. 12001

Oberstaatsanwalt, Anklageschrift, 26.7.1934

Schubbefehl 7.9.1934

Direktion Männerzuchthaus Bruchsal, 9.5.1935 an Staatsanwalt Mannheim 

Sondergericht Karlsruhe in Mannheim, Urteil, 25.8.1938

Zuchthaus Münster, 22.9.1938

Marchivum

Hakenkreuzbanner 25.6.1934, Abendausgabe Marchivum, https://druckschriften-digital.marchivum.de/zd/periodical/search/77945?query=Hakenkreuzbanner%2025.6.1934, aufgerufen am 06.05.2026

Neue Mannheimer Zeitung 22.10.1938, Mittag-Ausgabe,

https://druckschriften-digital.marchivum.de/zd/periodical/search/418136?query=F%C3%BChrer%201938, aufgerufen am 06.05.2026

Deutsches Kriminalpolizeiblatt, 16.6.1934.

Herzfeld, Andreas. Die Geschichte der Deutschen KFZ-Kennzeichen. Berlin, 2015.

Badische Landesbibliothek. Der Führer. Hauptorgan der NSDAP Gau Baden. 1938. https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3270496, aufgerufen am 06.05.2026.

Schlesische Digitale Bibliothek, Kattowitzer Zeitung, 1934, Jg. 66, Nr. 133. https://sbc.org.pl/de/dlibra/publication/126067, aufgerufen am 06.05.2026.

My Heritage. Raimund Kupny.https://www.myheritage.de/family-trees/decker/OYYV7RJ63XYI2BLIPARZOJPDPWEZIQQ?rootIndividualID=2000010&familyTreeID=2#, aufgerufen am 30.4.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Kupny, Raymund
Geburtsdatum: 25.7.1907
Geburtsort: Domb
Beruf: Mechaniker
Einlieferungsdatum: 20.10.1938
Einlieferungsnummer: 39_1938
Todesursache: Erschossen
Vorgeworfenes Vergehen: Gefängnisausbruch und Flucht

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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