Marta Pleschkowa war eine Hilfsarbeiterin russischer Herkunft, sie wurde in der Nähe von Wizebsk (heute Belarus) geboren. Ihr letzter Wohnsitz, mutmaßlich als Zwangsarbeiterin in der näheren oder weiteren Umgebung von Heidelberg, ist in den überlieferten Dokumenten als unbekannt angegeben.
Aus den Unterlagen geht hervor, dass Pleschkowa, die verheiratet war, am 7. Oktober 1942 als „Schutzhäftling“ in das Heidelberger Gefängnis Fauler Pelz eingeliefert wurde. Diese Bezeichnung verweist auf eine willkürliche Inhaftierung ohne Gerichtsbeschluss und Verfahren durch die Gestapo. Ob sie wegen „Arbeitsvertragsbruchs“ inhaftiert wurde oder wegen eines der anderen Vergehen, die Zwangsarbeitern üblicherweise zur Last gelegt wurden, ist unklar. Im Gefangenenbuch für die Jahre 1942/43 ist ihr Tod unter dem Datum 15. Oktober 1942 vermerkt. Als Todesursache wurde dort „Selbstmord“ eingetragen. Der leitende Beamte des Gefängnisses vermerkte in ihrer Häftlingsakte, dass ein Motiv für die Tat nicht festzustellen sei. Allerdings habe Pleschkowa während ihrer Haft einen „betrübten und traurigen Eindruck“ gemacht und habe nicht gesprochen.

Die Sterbefallanzeige des verpflichteten Leichenschauers Kohl vom 16. Oktober 1942, die am 19. Oktober 1942 beim örtlichen Amtsgericht einging, dokumentiert, dass Marta Pleschkowa in der Nacht zum 15. Oktober 1942, wohl um 3:00 Uhr, im Gefängnis verstarb. Die Leichenschau beschrieb die äußeren Befunde eines Erhängungstodes. Pleschowa habe sich mit einem Handtuch eine Schlinge gefertigt, die mit einem Ende an einem Bettlaken und dem anderen Ende am Fenstergitter befestigt gewesen sei. Bei der Leichenschau wurden am Hals zwischen Kehlkopf und Zungenbein eine breite, flache Strangfurche sowie nach dem Nacken hin verlaufende Strangmarken festgestellt, wo der Knoten gelegen habe. Ferner vermerkte der Leichenschauer die typische Verteilung der Leichenflecke, besonders an den Beinen, sowie eine sich entwickelnde Leichenstarre.

Noch am 15. Oktober 1942 wurde ihr Leichnam an die Anatomie Heidelberg überführt und dort im Leichenjournal 1942 unter der Nummer 69_1942 registriert.
Franziska Mudter
Quellen
GLA
503 Nr. 44
Gefangenenbuch 1942/43, Vermerk über den Selbstmord Pleschkowas
503 Nr. 936
StAHD
NB III 11147
Sterbefallanzeige

