Wasyl Pawlyk

Kurzbiografie

Name, Vorname: Pawlyk, Wasyl
Geburtsdatum: 4.4.1914
Geburtsort: Pidlysa, Ukraine
Beruf: Fremdarbeiter
Einlieferungsdatum: 31.3.1943
Einlieferungsnummer: 24_1943
Todesursache: Erhängen
Vorgeworfenes Vergehen: Rassenschande

Wasyl Pawlyk wurde laut den Akten der Arolsen Archives am 4. April 1914 in Pidlysa (ein Dorf in der Ukraine nahe Lwiw, in Ostgalizien) geboren. Seine Mutter hieß Anastassija, geb. Babisha, sein Vater Iwan Pawlyk. Ob Wasyl Geschwister hatte ist nicht bekannt. Er besuchte vier Jahre die ukrainische Volksschule und verdingte sich danach, ebenso wie sein Vater, als Landarbeiter. Pawlyk zog man nicht ins Militär ein, denn durch seine schwächliche Gestalt schien er ungeeignet.

Im Juni 1942 kam der Ukrainer, so dokumentiert es zumindest die Ermittlungsakte der Gestapo, Außenstelle Saarbrücken, „freiwillig“ zum Arbeitseinsatz nach Deutschland. Im Jahr 1942 wurde er in der Ukraine in einen Vorgang verwickelt, der vielleicht tatsächlich dazu führte, dass sich Pawlyk entschied, nach Deutschland zu flüchten. Gemeinsam mit vier anderen Burschen, so der Schlussbericht der Akte, habe Pawlyk des Nachts russischen Soldaten ihre Gewehre abgenommen und anschließend mit den anderen 30 Soldaten damit erschossen. Vielleicht wurde nach Pawlyk gefahndet und er versuchte der Justiz zu entkommen?

Ende Juli bis Anfang November war er bei Richard Storck II. in Weselberg beschäftigt, das Arbeitsamt vermittelte ihn kurze Zeit später nach Bundenthal.

Nur zwei Monate später, am 14. Januar 1943 verhaftete ihn die Gendarmerie Bundenthal wegen eines Sittlichkeitsdelikts („unsittliche Berührung eines minderjährigen Kindes“), und er wurde an die Geheime Staatspolizei Neustadt überstellt. 

Nach Verhören durch Kriminalsekretär Köhl beantragte man eine sogenannte „Sonderbehandlung“. Diese Hinrichtung ohne ordentliches Gerichtsverfahren sollte knapp einen Monat später ausgeführt werden. Köhl beurteilte Pawlyk als minderwertigen Menschen, der unbedingt erhängt werden musste. Das Rasse-Gutachten eines im lothringischen Metz ansässigen Höheren SS- und Polizeiführers bestätigte diese Einschätzung. Die Leitung der Staatspolizei wurde angewiesen, die Exekution durch polnische Fremdarbeiter unter Ausschluss der Öffentlichkeit vornehmen zu lassen.

Pawlyk Wasil
Quelle: Arolsen Archives DocID 77746810

Um dennoch eine Abschreckung durch die Ausführung der Todesstrafe auch im Umfeld zu erreichen, sollte diese unbedingt tatortnah erfolgen. Als Kriterium zur Auswahl des Ortes sollten mögliche weitere Taten zugrunde gelegt werden: Sollten wenige Sexualdelikte vorgekommen sein, so könne die Tötung von Pawlyk auch in der Nähe eines Arbeitserziehungslagers erfolgen. Da sich aber darüber hinaus viele Arbeiter aus dem Osten in Bundenthal befanden, wollte man unbedingt ein Exempel an ihm statuieren, und so zog man einen Ort in unmittelbarer Nähe vor und setzte die Hinrichtung „wegen Rasseschande“ für Mittwoch, den 31. März 1943 um 11:30 Uhr fest.

Pawlyk Bundenthal
Wahrscheinlich der Transportschein, der den Leichnam Pawlyks auf den Transportweg nach Heidelberg identifizierte.
Quelle: Arolsen Archives DocID 78127744

Die Amtspersonen und ein Arzt trafen sich am Ortseingang zu Hinterweidenthal an der Straßenabzweigung Richtung Dahn. Der Ort, an dem Wasyl Pawlyk gerichtet wurde, liegt etwa einem Kilometer hinter dem Ortsende von Bundenthal in Richtung Niederschlettenbach an der L 478 im Wald. Im LKW wurde der Gefangene aus Neustadt nach Bundenthal transportiert und erhängt. Im Anschluss wurde der bereits der Anatomie zugesagte Leichnam nach Heidelberg gebracht und noch am gleichen Tag unter der Eingangsnummer 24_1943 im Leichenjournal dokumentiert. Als einliefernde Behörde nannte man die Geheime Staatspolizei Neustadt.

Sara Doll in Zusammenarbeit mit Lothar Wagner

Quellen

LASP

H091_4535

Arolsen Archives

Bescheinigung der Arbeitsstelle, Wasyl Pawlyk

DocID 77746810

Transportschein der Leiche Pawlyks

DocID 78127744  

Wagner, Lothar. Tatort Bundenthal. Über einen staatlich angeordneten Mord im Pfälzer Wald. In: Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land. Pirmasens, 2015.

Arbeitskreis Judentum im Wasgau, Otmar Weber. „Die Exekution ist um 11.30 Uhr am Tatort durchgeführt worden – Wasyl Pawlyk wegen Rassenschande im Bundenthaler Wald erhängt“. http://judenfriedhof-busenberg.de/index.php/startseite/memorial?view=article&id=387&catid=159, aufgerufen am 01.04.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Pawlyk, Wasyl
Geburtsdatum: 4.4.1914
Geburtsort: Pidlysa, Ukraine
Beruf: Fremdarbeiter
Einlieferungsdatum: 31.3.1943
Einlieferungsnummer: 24_1943
Todesursache: Erhängen
Vorgeworfenes Vergehen: Rassenschande

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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