Édouard Schwartz

Kurzbiografie

Name, Vorname: Schwartz, Édouard
Geburtsdatum: 31.12.1900
Geburtsort: Enchenberg, Departément Moselle
Beruf: Oberbahnbeamter
Einlieferungsdatum: 29.6.1943
Einlieferungsnummer: 55_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung von Verrats- und Hochverratsakten und Begünstigung des Feindes

„Am deutlichsten lässt sich die Bedeutung des Widerstands unter den Eisenbahnern von Mulhouse an der Zahl der Opfer erkennen, die sie zu beklagen hatten. Édouard Schwartz war der Leiter des Widerstands in Mulhouse, und mit ihm die Kameraden Alphonse Kunz, Marcel Stoessel, René Kern, René Birr, Auguste Sontag, Adolphe Murbach und Eugène Boeglin. Sie alle wurden mit dem Beil [gemeint ist die Guillotine, d. Vf.] enthauptet“ – Maurice Choury, Widerstandskämpfer in Paris, Journalist und Autor.

Édouard Schwartz wurde am 31. Dezember 1900 in Enchenberg, Departément Moselle, im damals deutsch verwalteten Lothringen, geboren. Er arbeitete als Eisenbahner – vor und nach seinem Militärdienst in der Position des Wagenmeisters bei den Eisenbahnen Elsass-Lothringen (d’Alsace-Lorraine) in Basse-Yutz. Dort lernte er Berthe Nehlig, die Tochter des pensionierten Eisenbahners Henri Nehlig kennen. Die beiden wurden ein Paar und heirateten schließlich im Jahre 1930. Später bekamen sie zwei Kinder. Zunächst jedoch zog das Ehepaar nach Lutterbach, Département Haut-Rhin, wo Schwartz als Oberbahnbeamter am Bahnhof zu arbeiten begann. Parallel dazu engagierte er sich in der kommunistisch geprägten Gewerkschaft CGTU (Confédération générale du travail unitaire), einer radikaleren Abspaltung der CGT (Confédération générale du travail), der sie sich 1936 wieder anschloss.

Eduard Schwartz
Quelle: BArch R3017/16764

Am 2. August 1934 gründete Schwartz eine kommunistische Gruppierung in Lutterbach, deren Sekretär er wurde. Später wurde er außerdem Mitglied des Regionalkomitees der Gruppe. Im Frühjahr des Jahres 1941 erhielt der Eisenbahner von Georges Wodli, seinerseits zu diesem Zeitpunkt internationaler Delegierter der illegalen Kommunistischen Partei für Elsass und Lothringen, den Auftrag gemeinsam mit Adolphe Murbach und René Birr den kommunistischen Widerstand in Haut-Rhin zu leiten. Seine Wohnung in der Rue des Champs in Lutterbach diente dabei häufig als Treffpunkt für die Leitung der örtlichen Niederlassung der „Groupe Wodli“ und wurde auch als Versteck genutzt. Der Widerstandskämpfer intensivierte insbesondere die Anwerbung von Aktivisten für die Gruppe, verbreitete die Untergrundzeitschriften und Flugblätter. Gemeinsam mit Kommunisten aus Pfastatt bereiteten sie einen Anschlag auf die Bahnstrecke Mulhouse-Strasbourg vor. Zu dessen Ausführung kam es jedoch nicht mehr. Schwartz wurde am 28. Mai 1942 in Petot-Réderching, Département Moselle, im Restaurant „Le Petit Moulin“ verhaftet. Es schlossen sich Massenverhaftungen von Kommunisten im Elsass durch die Gestapo an.

Der Eisenbahner wurde zunächst in das Gefängnis in Mulhouse überstellt, bevor er am 1. Juli 1942 im „Sicherungslager“ Schirmeck-Vorbruck (Schirmeck La-Broque) inhaftiert wurde. Seine Mitstreiter Birr und Murbach sowie Eugène Boeglin und Auguste Sontag waren bereits am 20. und 25. Mai im Bunker des „Sicherungslagers“ eingesperrt und anschließend gefoltert wurden. Am 1. Februar 1943 wurde Schwartz in das Gefängnis in Bühl in Baden verlegt. Aufgrund des bevorstehenden Prozesses vor dem Volkgerichtshof in Strasbourg wurde er am 16. März mit elf seiner Kammeraden in das Gefängnis Strasbourg gebracht. Drei Tage später folgte der Prozess gegen Édouard Schwartz, René Kern, Marcel Stoessel und Alphonse Kunz unter Leitung des Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler.

Haftbefehl Eduard Schwartz
Quelle: BArch R3017/16764

Die vier Mitglieder der Wodli-Gruppe wurden, wie bereits René Birr, Eugène Boeglin, Adolphe Murbach und Auguste Sontag am 23. Januar des gleichen Jahres, wegen „Vorbereitung von Verrats- und Hochverratsakten durch die Organisation einer kommunistischen Gruppe und dadurch Begünstigung des Feindes“ zum Tode verurteilt. Trotz des Gnadengesuchs der französischen Delegation bei der Deutschen Waffenstillstandskommission in Wiesbaden wurden die Résistance-Mitglieder am 29. März 1943 angesichts ihrer bevorstehenden Hinrichtung in das Gefängnis in Stuttgart überführt.

Am 29. Juni 1943 wurde Édouard Schwartz um 6:12 Uhr im Lichthof des Landgerichts Stuttgart mit der Guillotine hingerichtet. Er hinterließ seine Frau Berthe und die beiden gemeinsamen Kinder. Sein Leichnam wurde noch am selben Tag als Leichenjournal-Nummer 55/43 dem Anatomischen Institut der Universität Heidelberg für die medizinische Lehre zur Verfügung gestellt. Nach der Einäscherung wurde die Urne in einem Massengrab auf dem Bergfriedhof in Heidelberg beigesetzt. Dort erinnert bis heute eine Tafel an Schwartz, Kern, Kunz, Birr, Boeglin, Murbach und Sontag als Résistance Mitglieder, die von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. Posthum wurde Schwartz am 14. August 1947 die Anerkennung „Mort pour la France“ [gestorben für Frankreich, d. Vf.] sowie am 1. März 1956 der Titel „Déporté politique“ [politischer Deportierter, d. Vf.] verliehen.

Angelina Baudach in Zusammenarbeit mit Fam. Brändle

Quellen

BArch

R3017/16764

Choury, Maurice. Les Cheminots dans la Bataille du Rail. Paris, 2017.

Neveu, Céderic, Schwartz Édouard. IIn: Fontaine, Thomas, Cheminots victims de la répression. Paris, 2017.

Fehrentz, Dieter; Mumm Hans-Martin. Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz auf dem Bergfriedhof. https://doi.org/10.57962/regionalia-24633 , aufgerufen am 30.4.2026.

Rail et Memoire. Schneider, Pierre. 

Schwartz Edouard „Eddy“. https://railetmemoire.blog4ever.com/schwartz-edouard-eddy, aufgerufen am 01.04.2026.

Le Maitron. Dictionnaire biographique. Straus, Leon.

Schwartz, Édouard, https://fusilles-40-44.maitron.fr/schwartz-edouard/, aufgerufen am 01.04.2026.
Britannica Editors. „General Confederation of Labour“. https://www.britannica.com/topic/General-Confederation-of-Labour-French-labor-union, aufgerufen am 01.04.2026.

Kurzbiografie

Name, Vorname: Schwartz, Édouard
Geburtsdatum: 31.12.1900
Geburtsort: Enchenberg, Departément Moselle
Beruf: Oberbahnbeamter
Einlieferungsdatum: 29.6.1943
Einlieferungsnummer: 55_1943
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Vorbereitung von Verrats- und Hochverratsakten und Begünstigung des Feindes

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