Stanislaw Damaziak

Kurzbiografie

Name, Vorname: Damaziak, Stanislaw
Geburtsdatum: 26.04.1911
Beruf: Schreiner
Einlieferungsdatum: 08.05.1941
Einlieferungsnummer: 37_1941
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Rassenschande

Über das frühere Leben von Stanislaw Damaziak ist bis zu seiner Festsetzung in „Schutzhaft“ am 16. August 1940 aus den vorliegenden Akten nichts zu entnehmen. Der am 30. Juli 1947 nachträglich ausgestellten Sterbeurkunde kann man jedoch entnehmen, dass er Schreiner von Beruf war und seine Eltern Josef und Paulina, geb. Jasinska hießen.

Ein Zeuge der Gefangennahme, Landwirt Kleiber aus Durlach, berichtete später über den polnischen Soldaten und dessen Schicksal. 

Damaziak arbeitete beim Landwirt Kiefer, der einen Hof im Eisenhafengrund in Karlsruhe besaß. Dessen 15-jährige Tochter wohnte auf demselben Stockwerk wie er, ihr Zimmer ließ sich nicht verschließen. Offenbar kamen sich die beiden nicht nur bei der Arbeit näher. Eines Nachts schlich Damaziak durch die nicht verschlossene Tür zu dem Mädchen, schlug die Bettdecke zur Seite und berührte das Mädchen. Nachdem sie jedoch kein Interesse bekundete, verließ er freiwillig das Zimmer.

Nach einigen Tagen beichtete das Mädchen ihrem Vater, was geschehen war, und dieser ging in Folge zur Polizei. Der Beamte, der an diesem Tag den Tathergang aufnehmen sollte, sah jedoch keine strafbare Handlung, da es zu keinen sexuellen Aktivitäten gekommen war. Der Polizist schlug vor, die Situation gütlich zu klären und einstweilen einen Austausch durch einen anderen Arbeiter vornehmen zu lassen. 

Einige Tage später kam es trotzdem zu einem Verhör von Damaziak; ein anderer Polizist, Leopold Eschwey, nahm ihn fest. Eschwey bereitete damit den Weg zu einer „Sonderbehandlung“ Damaziaks, indem er die Aussage an die Staatsanwaltschaft weiterleitete, die ihrerseits die Gestapo informierte. Eschwey sagte im Jahr 1947 aus, er wäre später von Fritz Nagel, einem Gestapobeamten über die Hinrichtung informiert worden und habe nicht glauben können, dass ein Notzuchtversuch (und keine Durchführung derselben) zu einer Hinrichtung führen sollte. Nagel gab ihm darauf zur Antwort, dass ein Exempel statuiert werden würde.

Der polnischen Militärmission in Berlin berichtete Polizeimeister Albert Oswaldt im Mai 1946, dass Eschwey, der seit 1937 in der NSDAP war, ihn zur Hinrichtung einlud, er jedoch der Einladung nicht Folge leistete. Eschwey sollte laut der Aussage Oswaldts den Baum im Rittnerwald ausgesucht haben, ebenso den Wagen, auf den Damziak bis zu seiner Erhängung stehen musste. Ein Gestapobeamter aus Mannheim stieß Stanislaw um 08:05 Uhr in der Früh in die Schlinge, wo er sich nach dem Hineinfallen selber strangulierte und starb. Insgesamt mussten danach etwa 40 bis 50 polnische Zwangsarbeiter aus der Umgebung an der Buche vorbeimarschieren, um das Schicksal ihres Landsmannes in Augenschein zu nehmen. Das betroffene Mädchen berichtete noch Jahre später, dass sie das grausame Schicksal des polnischen Arbeiters seelisch sehr belastete.

Sterbeurkunde Damaziak
Quelle: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/76725784

Damaziak wurde am 8. Mai des Jahres 1941 mit der Eingangsnummer 37 in der Anatomie als Eingang registriert.

Am 10. März 1966 beschied die Staatsanwaltschaft Karlsruhe das Verfahren zur Aufklärung des Mordes zum Nachteil von Stanislaw Damaziak einzustellen, da die Beamten auf Befehl in „Dienstsachen gehandelt und kein sicheres Wissen um den verbrecherischen Zweck“ des Befehls hatten. 

Sara Doll

Quellen

BArch LB

B 162/26068

LABW, StAL

EL 48/2 I Bü 35

Kurzbiografie

Name, Vorname: Damaziak, Stanislaw
Geburtsdatum: 26.04.1911
Beruf: Schreiner
Einlieferungsdatum: 08.05.1941
Einlieferungsnummer: 37_1941
Todesursache: Hinrichtung
Vorgeworfenes Vergehen: Rassenschande

Zur Leichenjournal Transkribierung dieser Biografie:

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